Architektur 12.10.2001, 17:31 Uhr

Der Barock des 21. Jahrhunderts

Das neue Gebäude der Norddeutschen Landesbank entsteht derzeit am historischen Domplatz in Magdeburg. Für die Planung holte man den vielfach ausgezeichneten australischen Architekten Peter Wilson, nachdem der voran­gegangene städte­bauliche Rahmenwettbewerb von O. M. Ungers gewonnen worden war.

Nachdem er das Luxor-Theater in Rotterdam als sein letztes Großprojekt vollendet hat, ist der 1950 in Melbourne geborene Architekt Peter Wilson nun mit der Leitung des Baues der Norddeutschen Landesbank (Nord-LB) am historischen Domplatz in Magdeburg befasst. Das Büro des für sein Werk mehrfach ausgezeichneten Wilson hatte 1998 den prominent besetzten internationalen Realisierungswettbewerb für den Neubau des Banksitzes gewonnen.

Der Architekt, der an der Architectural Association School in London und an der Universität Cambridge lehrt, entwarf einen streng reckteckigen Gebäudekomplex, wie ihn das Resultat des voran gegangenen städtebaulichen Planungswettbewerbs – hier war O.M. Ungers siegreich – vorbestimmt hatte.

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Der sechsgeschossige Neubau, für den im Juli dieses Jahres das Richtfest gefeiert wurde, ist in zwei Hauptbaukörper aufgeteilt. Die beiden Blöcke schließen einen Platz ab, der von der ältesten gotischen Kathedrale Deutschlands dominiert wird. Diese Tatsache machte den Bauplatz für die architektonische Gestaltung des Bankgebäudes – so Peter Wilson – zu einem „sehr sensiblen Ort“.

Überdies musste die Planung berücksichtigen, dass die barocken, nach dem Krieg rekonstruierten Gebäude von Parlament und Staatskanzlei des Landes Sachsen-Anhalt den Domplatz flankieren. Gefordert war ein Entwurf, der nach dem Abriss eines hässlichen Plattenbaues an dessen Stelle die städtebauliche Harmonie wieder herstellen sollte.

Im Deutschen Architektur-Museum, Frankfurt, erläuterte Wilson sein Konzept des Gebäudes am Rande einer Veranstaltung des Büromöbelherstellers Sedus Stoll für den er als Erster einer Reihe prominenter Architekten eine Stuhlserie entwarf. „Unser Gebäude musste unbedingt in die historischen Proportionen des Platzes eingefügt werden,“ betonte er. Die Architektur greift in der Verteilung der Baumassen und in der Fenstergliederung die Maßstäblichkeit der barocken Nachbargebäude auf, und die großen Dächer von Landtag und Staatskanzlei finden sich als moderne Interpretation in Form einer luftigen Dachlandschaft wieder.

„Unser Ziel war es,“ referierte Wilson, „die Blöcke zu beleben, fast zu animieren, nicht immer beim Rechteck zu bleiben. So haben wir etwa das Innere des einen Blockes diagonal durchschnitten, um weitere Blickbeziehungen zu einer hinter dem Gebäude stehenden Kirche zu schaffen.“ Eine besondere Rolle in der Gestaltung nimmt auch die Fassade ein: Verkleidet wird sie mit zartblau geäderten Quarzit-Natursteinplatten aus Südamerika, deren Farbigkeit dem Barock entlehnt wurde, und deren Textur der Lebendigkeit der Domwände gleicht. Um durch architektonische Qualität dem besonderen Standort gerecht zu werden und seinen Prestigewert optimal zu nutzen, hat die Nord-LB mit 180 Mio. DM eine weit über das Notwendige hinaus gehende Summe in das 35 000-m2-Projekt investiert.

Etwa zwei Drittel des Komplexes teilen sich die beiden Hauptnutzer Nord-LB/Mitteldeutsche Landesbank und das Landesförderinstitut Sachsen-An-halt. Die Flächen im Erdgeschoss werden an Einzelhandel, Restaurants, Cafés, Galerien und Dienstleister vermietet, wodurch das neue Gebäude auf dem Domplatz für eine beträchtliche Vitalisierung sorgen soll. In zwei Tiefgeschossen stehen für Eigenbedarf sowie für benachbarte Landesbehörden und die Öffentlichkeit, die das Grundstück vor dem Baubeginn im April 2000 als Parkplatz nutzte, insgesamt etwa 370 Stellplätze zur Verfügung. Der Neubau wird zur Jahresmitte 2002 fertig gestellt sein.

Für das Objekt wurde ein energetisches Konzept entwickelt, das Speichermassen-Aktivierung im Sinne der Aktivierung des Wärmeschutzes und des Sonnenschutzes berücksichtigt. Die Bürodecken sind nicht abgehängt, sondern stehen als Ausgleichs-Puffermasse zur Verfügung. Hitze- bzw. Wärmelast wird so abgefangen. Heizung wie auch Beleuchtung und Sonnenschutz sind über LON gesteuert. Architekt Wilson räumte jedoch ein: „Es ist kein High-Tech-Gebäude.“

Seinen unverwechselbaren Charakter bezieht der Bau vielmehr aus der Gestaltung von Fassade und Dachlandschaft. Das sehr spezielle Fassadenmaterial variiert in der Farbe völlig unregelmäßig zwischen Blau und Weiß. Die unterschiedlich gefärbten Steinplatten ergeben eine Art Patchwork-Muster, das eine faszinierende Wirkung ausübt. Um diesen Effekt zu erreichen, werden die Steine nach dem Sägen in der Werkstatt per Computer gemischt.

Die Besonderheit, die das Dachgeschoss kennzeichnet, beschrieb Wilson so: „Oben auf dem Dach haben wir quasi eine Segellandschaft. Sie öffnet das Gebäude wie eine Aussichtsplattform für Ausblicke zum Dom und wählt hierfür eine zeitgenössische Formensprache.“ Die Trennung zwischen dem Baukörper mit seiner streng rechteckig gegliederten Fassade und den schwungvoll wie Segel ausgeformten Dachelementen ist sehr klar und sorgt für einen reizvollen Kontrast.

Weil ihn der Zusammenhang von Exterieur und Interieur zum Design von Sitzmöbeln bewegte, würde es Wilson auch gern sehen, wenn die Ausstattung der Büroräume mit der von ihm entworfenen Stuhlserie „corner“ erfolgte. Eine entsprechende Entwurfsskizze, mit der er die Harmonie von Gebäude und Mobiliar untermauert, hat er vorgelegt. Sein Engagement in dieser Hinsicht erläutert er so: „Einen Stuhl zu entwerfen dauert genau lange wie ein Gebäude, und mein Stuhl spricht die gleiche Sprache wie das Gebäude in Magdeburg selbst – er signalisiert Qualität und Zukunftsorientierung.“ U.SCHAMARI/wip

 

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