Architektur 30.06.2006, 19:22 Uhr

Dem Sonnenschein auf der Spur  

Die Sonnenschutz-Paneele sind mit Photovoltaikelementen bestückt. Um die Effektivität der Energiegewinnung zu erhöhen, folgt die Shadow-Photovoltaikanlage exakt dem Stand der Sonne und umfährt das Gebäude.

Neue Technik wird nicht nur von Ingenieuren erdacht und in Schwung gebracht. So setzten unlängst am Stadtrand von Landshut bei München junge Rechtsanwälte mit einem Kanzlei-Neubau Hightech-Maßstäbe, in dem sie dafür sorgten, dass der runde sechsgeschossige Büroturm dank fahrbarer Photovoltaikanlage für seinen Verbrauch an elektrischer Energie selbst sorgt. Voraussetzung für die lückenlose Funktion dieser anspruchsvollen Technik ist allerdings die permanente Überwachung der Anlage durch einen von München aus agierenden Dienstleister.

Der Landshuter Rundbau mit einer Höhe von 20 m und einem Durchmesser von 18 m, der über eine Brutto-Gebäudefläche von rund 1000 m2 verfügt, besteht aus einem filigranen Betontragwerk, das im Fassadenbereich Platz für eine große Glasfläche lässt. Auffälligstes Merkmal: die mobile Shadow-Photovoltaikanlage, die dem Stand der Sonne folgend um das Gebäude rotiert. Die Fassadenbefahranlage geht im Dachbereich in einen Solarschild über, der sich schräg über die Dachfläche erstreckt und ebenfalls dem Sonnenstand folgt.

Die Idee, den gläsernen Rundbau mit einer fahrbaren Photovoltaikanlage zu bestücken, kam dem Bauherrn, Dr.-jur. Martin Jockisch, und den Planern des Architekturbüros Hilziger/Bittcher-Zeitz/Habisreutinger (HBH) nicht von vornherein. Zunächst sei es nur um die Frage gegangen, wie die Verschattung des Glasbaus zu lösen sei, so Jockisch. Da ausgehend von den zu erwartenden Windkräften Jalousien ausschieden, dachte man nämlich zunächst an eine Lamellenkonstruktion im Fassadenbereich, also an eine Verschattung etwa 1 m vor der Glasaußenwand. Um aber diesen Sonnenschutz äußerlich nicht allzu sehr ausufern zu lassen, entschieden sich alle Beteiligten für ein begrenztes Abschattungssegment, das sich am Sonnenstand orientierend das Gebäude umfährt.

Das Problem des Sonnenschutzes im Fassadenbereich war also schnell gelöst. Jetzt fehlte nur noch die Verschattung der Gebäudekuppel und des Glasdachs des im obersten Stock angesiedelten Konferenzraums. „Die Idee eines Solarschilds im Dachbereich keimte auf“, erinnert sich Jockisch. Doch bald darauf habe man sich entschlossen, auch die Lamellen im Fassadenbereich mit Photovoltaikelementen zu bestücken.

Rund 30 000 kWh/a an elektrischer Energie erzeugt jetzt die am Haus arbeitende Photovoltaikanlage. Dieser Energiegewinnung stehe ein elektrischer Energieverbrauch im Gebäude von rund 15 000 kWh/a gegenüber, sagt Jockisch. Das Haus könne also das Doppelte seines kompletten Eigenverbrauchs an Strom selbst decken. „Primärenergetisch bewertet entspricht die Energieerzeugung an der Außenhülle des Gebäudes einer Einsparung von rund 90 000 kWh an fossilen Brennstoffen“, rechnet der Rechtsanwalt vor. Der Initiator des Baus des Kanzleihauses: „Bei einer Nutzungsdauer der Photovoltaikanlage von 40 Jahren wird der Ausstoß von rund 1200 t CO2 vermieden.“

Die von zwei Elektromotoren bewegte Shadow-Photovoltaikanlage wiegt knapp 40 t und läuft mit Kranrädern auf einer starren Rundschienenkonstruktion. Für den Ablauf aller Bewegungen ist ein Münchener Dienstleister, die Mühlhaus-Prozessleittechnik GmbH, verantwortlich. Für jeden Tag berücksichtige das Programm den spezifischen Sonnenwinkel, erläutert Geschäftsführer Harald Mühlhaus vor Journalisten, die dem Kanzleigebäude unlängst einen Besuch abstatteten. Es gebe zur derzeitigen Jahreszeit etwa 20 Schritte am Tag.

Die Anlage muss störungsfrei funktionieren. Das gilt nicht zuletzt für den Sonnenschutz. Bei einer Sonneneinstrahlung ohne Abschattung entstünden in dem Kanzleigebäude selbst im Winter Temperaturen von mehr als 50º C weiß Jockisch.

Um einen Technikausfall rasch beheben zu können, bündelt der Provider Mühlhaus-plt als generelle neue Dienstleistung Fernüberwachungsaufgaben für die Gewerke Heizung, Wasser, Abwasser sowie Solartechnik gewerblicher und kommunaler Kunden auf eine gemeinschaftliche Leitzentrale. Im Falle Landshut fließen regelmäßig 24 Betriebswerte auf den Server in der Landeshauptstadt: Motorströme, Wetterdaten, Positionsmeldungen der Verschattungsschürze. Drohen Orkanböen, verstecken sich die Sonnensegel rechtzeitig im Windschatten hinter dem Gebäude, auf Befehl der Leitzentrale. Störungen gehen direkt an einen Notdienst. Mühlhaus resümiert: „Bei Solaranlagen ist für den blauen Himmel eine höhere Instanz zuständig, für die Funktion der Paneele der Dienstleister.“ ELMAR WALLERANG

Das Gerüst mit Verschattung und Photovoltaik fährt computergesteuert um den Büroturm

Alle relevanten Betriebsdaten laufen auf einem Server in München zusammen

Von Elmar Wallerang
Von Elmar Wallerang

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