Architektur 03.12.2004, 18:35 Uhr

Das Ende der Stadtflucht

VDI nachrichten, Stuttgart, 3. 12. 04 -In unseren Städten fehlt es meist an einem gesunden Mischungsverhältnis von Wohnen, Arbeiten und Freizeitaktivitäten. Seit Jahrzehnten leeren sich abends die Städte, die Zentren veröden. Das muss nicht so bleiben – ein Kongress in Stuttgart zeigte kürzlich eine Vielzahl von Bemühungen um stärkere Durchmischung.

Stadtplaner, Architekten und Politiker sind sich einig, dass sich nach 50 Jahren „Stadtflucht“ das Rad der Geschichte nicht einfach zurückdrehen lässt. Ziel aber müsse es sein, da waren die Fachleute auf dem Kongress von Sozialministerium und den Bausparkassen Baden-Württembergs einig, die Familien, die in der Stadt leben, auch dort zu halten. 13 Wettbewerbsprojekte, die im Rahmen des Kongresses ausgezeichnet wurden, belegen, dass die Reanimation der Kerne keine Utopie ist.
Einen 1. Preis erhielt die 2800 Einwohner zählende Gemeinde Sternenfels, Enzkreis, für die erfolgreiche Umstrukturierung eines ehemals landwirtschaftlich geprägten Raums. Über 60 Firmen – vor allem aus der Informations- und Kommunikationsbranche – siedelten sich hier seit Anfang der 90er Jahre an. Rund 750 neue Arbeitsplätze wurden geschaffen. Durch Umbau eines ehemaligen Produktionsgebäudes entstand ein Gründer- und Innovationszentrum in dem heute 15 Unternehmen untergebracht sind.
Hinter dieser Erfolgsbilanz stecken jahrzehntelange Bemühungen. „Schon 1975 führten wir die erste Kaufkraftanalyse in Sternenfels durch“, so Bürgermeister Helmut Wagner. „Wichtig war es, zunächst die Versorgung mit Waren und Dienstleistungen sicher zu stellen“. Dadurch und aufgrund des attraktiven Wohnangebots wurde es auch für junge Familien interessant, sich im alten Ortskern anzusiedeln. Erst als diese Möglichkeiten ausgeschöpft waren, wurde die Erweiterung von Sternenfels so geplant und realisiert, dass sich keine voluminösen „Speckringe“ in die Landschaft fressen.
Ebenfalls mit einem 1. Preis wurde ein Projekt in der Südstadt von Tübingen ausgezeichnet. Auf einem ehemaligen Militärgelände entstand dort ein gemischt genutztes neues Stadtquartier. Ziel war es, eine Alternative zum Bauen auf der grünen Wiese zu schaffen. Statt Siedlungsidylle sollten urbane Strukturen eine Vielzahl an Nutzungsmöglichkeiten bieten. Das Areal wurde daher als Mischgebiet ausgewiesen und für alle Erdgeschosse gewerbliche Nutzung vorgeschrieben.
„Wir haben bewusst auf eine strikte Trennung von Wohnen und Arbeiten verzichtet“, so der Tübinger Architekt und Stadtplaner Andreas Feldtkeller. Rund 150 Betriebe mit über 800 Beschäftigten haben sich in dem Quartier niedergelassen. Familien, Singles, Gewerbetreibende, aber auch Investoren schließen sich zu privaten Gemeinschaften zusammen, um Bauvorhaben gemeinsam voranzutreiben.
Im Stadtteil Friedlingen in Weil am Rhein gingen in den 80er Jahren durch den Niedergang der Textilindustrie rund 2000 Arbeitsplätze verloren. In den Folgejahren zeichnete sich der Teilort vor allem durch eine konzeptionslose Wohnbauentwicklung aus. Einziger Ausweg aus diesem Dilemma sei ein Gesamtprogramm für Friedlingen gewesen, so der Weiler Baubürgermeister Klaus Eberhard. Angesagt waren die Ansiedlung von Gewerbeeinrichtungen und der Bau neuer Wohn- und Geschäftshäuser. Zentrum wurde das Areal einer ehemaligen Seidenweberei.
Das denkmalgeschützte Ensemble, bestehend aus Produktionshallen, Kesselhaus und Verwaltungsturm, wurde im Osten und Westen durch Wohnbebauung ergänzt, so dass sich ein Miteinander von Kultur, Wohnen und Arbeiten entwickeln konnte. Für diesen gelungenen Nutzungsmix erhielt die Stadt Weil einen 3. Preis. Heute haben in den Shedhallen und im Kesselhaus Serviceunternehmen, Büros, Künstlerateliers sowie eine Tanzschule ihren Platz gefunden im Werkstattgebäude befindet sich ein Textilmuseum.
MONIKA ETSPÜLER/wip

Von Monika Etspüler/Wip

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