Architektur 17.09.2004, 18:33 Uhr

Chinas erster Formel-1-Parcours ruht auf Pfählen im Sumpf

VDI nachrichten, Schanghai, 17. 9. 04 -Das Aachener Architekturbüro des Ex-Rennfahrers Hermann Tilke hat rund 30 km von Schanghai entfernt Chinas ersten und einen der größten und modernsten Motorsport-Rundkurse der Welt geschaffen. Am 26. 9. findet auf dem Areal, das für 200 000 Zuschauer ausgelegt ist, zum ersten Mal ein Formel-1-Rennen statt.

Wenn am 26. September in Schanghai die Motoren zum Großen Preis von China aufheulen, hat das Aachener Architektenbüro Tilke wieder einen neuen Meilenstein errungen. Nach den Formel-1-Strecken Sepang in Kuala Lumpur, Bahrain und der modernisierten Strecke in Hockenheim stammt nun auch die jüngste Rennstrecke in der Formel-1-Liste aus dem Hause des ehemaligen Rennfahrers Hermann Tilke.
Mit der 5,4 km langen und 14 m breiten Piste haben sich die Betreiber auf schwieriges Gelände begeben – das Areal in Jiading, rund 30 km nordwestlich von Schanghai, liegt im Sumpf des Jangtse-Deltas. Der Morast machte spezielle Gründungsmaßnahmen erforderlich. Innerhalb von drei Monaten wurden 40 000 bis zu 60 m lange Stahlbetonpfähle in den Untergrund gesetzt. Um die Flächenbelastung zu reduzieren, wurde das Gelände statt komplett mit Erdreich auch mit EPS (aufgeschäumtes Polystyrol) modelliert. Mit 340 000 m3 Styropor formten die Rennstreckenspezialisten über dem Morast eine Motorsportlandschaft.
An den Pistenbelag stellen Organisationen wie der Motorsport-Weltverband FIA höchste Ansprüche. Während die speziellen polymermodifizierten Bitumen – „Cariphalte race track“ – für den Asphalt der Ferrari-Teststrecke Fiorano sowie für die F-1-Strecken Bahrain, Malaysia und für die Überarbeitung des Hockenheim-Rings von Shell geliefert wurden, entschieden sich die chinesischen Einkäufer bei der Schanghaier Strecke für einen einheimischen Lieferanten. Die Ausschreibung ging an eine Tochterfirma des Öl- und Chemiekonzerns Sinopec, die 4500 t der Marke „East Sea“ auf der Rennstrecke aufbrachte.
Sinopec, zugleich der Hauptsponsor des Großen Preises von China, will mit dem F-1-Projekt künftig im Wettbewerb um den einheimischen Markt punkten und bei hochwertigem polymermodifiziertem Bitumen die ausländischen Mitbewerber verdrängen. Von den 9,1 Mio. t Asphalt, die im vergangenen Jahr für Chinas Straßen-, Autobahn- und Landebahnbau verbraucht wurden, kamen 27 % aus dem Ausland. Bis Ende 2005 wird mit einem Asphalt-Jahresverbrauch von 11 Mio. t gerechnet.
Zu den Rennstrecken-Zulieferern gehörte auch die chinesische Tochter der Fischerwerke, die damit im vergangenen Jahr einen ihrer größten Aufträge in Schanghai sicherte. Fischer (Taicang) fixings lieferte unter anderem einen Injektions-Mörtel für Schwerlastdübel und chemische Befestigungen. Auch bei den Tribünenfassaden war ein deutscher Mittelständler beteiligt: Die Firma Gebr. Kufferath aus Düren (GKD) lieferte Edelstahlgewebe für die Fassaden.
Aus der Vogelperspektive offenbart die Gesamtanlage des Sportgeländes ihren symbolischen Charakter. Die Piste hat die Gestalt eines chinesischen Schriftzeichens – der ersten Silbe von „Schanghai“. Doch nicht nur hier wird mit chinesischen Elementen gespielt: Hinter der Boxengasse ist eine Teichlandschaft angelegt. Die 26 Pavillons, die über Zickzackbrücken miteinander verbunden sind, sollen außerhalb der Rennsaison vermietet werden. Der Teich dient zugleich dazu, Oberflächenwasser aufzufangen.
Neben den Elementen „Wind und Wasser“ (Feng-Shui) und der chinesischen Glücksfarbe Rot spielen Durchlässe eine wichtige Rolle in der Anlage, schließlich möchte sich Schanghai als Tor zur Welt präsentieren. Dieses Motiv wird aufgegriffen in Form einer gewaltigen Brücke, die in 40 m Höhe über die Rennstrecke von der Haupttribüne zum Rennkontrollturm führt und das Pressezentrum sowie ein Restaurant beherbergt.
Bei den 26 Lotusblatt-ähnlichen, filigranen Membrandächern der Zuschauertribünen an der südöstlichen Streckenführung griff Tilke ein Motiv aus Malaysia wieder auf. Auch dort bieten luftige Membrankonstruktionen Schutz vor Sonne und Regen.
Insgesamt werden zum ersten Formel-1-Rennen in Schanghai 160 000 Zuschauer erwartet. Ausgelegt ist das Areal sogar auf maximal 200 000 Besucher. Allein die Haupttribüne bietet 29 500 Gästen Platz. Zylindrische Lichtdurchlässe im Dach sollen hier an chinesische Laternen erinnern.
Die erwarteten Rundenzeiten des Rundkurses liegen bei 1,34 min. Shanghai International Circuit ist damit eine der längsten Strecken im Formel-1-Kalender. Die längste Gerade misst fast 1,2 km, was eine Höchstgeschwindigkeit von mehr als 320 km/h ermöglicht – in der engsten Spitzkurve muss dann auf rund 90 km/h herunter gebremst werden.
Ein wichtiger Aspekt für die Betreiber der Strecke ist die Multifunktionalität. Der Streckenverlauf kann – wie im übrigen auch die Rennstrecke in Malaysia – unterteilt und damit den Erfordernissen unterschiedlicher Motorsportveranstaltungen angepasst werden.
Seit 1998 hat China auf Aufnahme in den erlesenen Kreis der Formel-1-Ausrichter gewartet und sich das Prestigeobjekt rund 325 Mio. Dollar kosten lassen. Die müssen nun wieder hereingeholt werden – mit Ticketpreisen, die sich an die junge Mittelklasse wenden, die gerade den Privatwagen für sich entdeckt hat. Allein die Stehplätze auf dem Rasen kosten am Renntag schon 33 €. A. FELDMANN

Von A. Feldmann

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