Seen, Plätze, Gärten 17.09.1999, 17:22 Uhr

Architektur: Träume aus Glas, Stahl und Licht

Die architektonische Gestaltung der Weltausstellung bringt urbanes Flair auf das ehemalige Messegelände. Zu den Highlights der Architektur gehören schon jetzt die umgebaute Halle 9 und die Preussag-Brücke.

Endlich dürfen Architekten, was ihnen sonst verweigert wird: ihre Phantasie frei laufen lassen. Was dabei herauskommt, hört sich an wie eine Mischung von Science-Fiction und Märchen der Gebrüder Grimm, ist aber die Expo 2000 in Hannover. Auf dem Weltausstellungs-Gelände entstehen Pavillons mit Titeln wie „Das finnische Windnest“, „Die irische Regenwand“, „Das gläserne T“, „Der neugriechische Tempel“, „Wal der Hoffnung“, der „Carribean Dream“ oder die „Aufbrechende Knospe“ – sie ließen sich auch als Drink vermarkten.
Als Designer der Zukunft geben die Architekten ihren Expo-Bauten innovative Gestalt. Und genau das haben sich vor fünf Jahren die Schöpfer des „Masterplans“, dem zentralen Koordinierungsinstrument der Expo-Geländeplanung, auch gewünscht: eine Weltausstellung, die ästhetische Maßstäbe für künftige Architekten-Generationen setzt. Alle halbe Jahre werden neue bauliche Details in den Plan integriert und mit anderen Neuerungen koordiniert. Die Grundstruktur aber bleibt erhalten.
Urbanes Flair soll die rechtwinklig angelegte und mit vier „Grünfingern“ durchzogene Weltausstellung umgeben. Durch den Wechsel bebauter und unbebauter Flächen werden die beiden Geländeteile – 90 ha bestehende Messefläche im Westen und 70 ha neue Fläche im Osten – zu einer Einheit verschmelzen. Dafür sorgt auch der Stil der neuen Hallen, die lichter, leichter und lebendiger wirken als die statischen Messehallen von einst.
„Konstruktive Intelligenz“ sieht die Expo-Gesellschaft in den fünf seit 1993 neu errichteten Hallen (2, 4, 8/9, 13, 26) verwirklicht. Die im vergangenen Frühling fertiggestellte Doppelhalle 8/9, die den südlichen Abschluß des Themenparks bildet, stellt gleichzeitig einen Rekord auf: Sie ist die größte freitragende Ausstellungshalle Europas. Ihr Holzdach mit fünf sanften Schwüngen gilt als ein architektonisches Highlight. (Architektenbüro Gerkan, Marg und Partner Hamburg).
Als heimliches Expo-Wahrzeichen jedoch wird die 127 m lange und 30 m breite Fußgängerbrücke gehandelt, die über die Halle 8 und den Schnellweg zur Plaza führt. Ihre Stahlstelen geben der Brücke jene Leichtigkeit, die zum Verweilen einlädt. Finanziert wird das ingeniöse Werk der Brückenbaukunst vom Touristikriesen Preussag AG. Im Augenblick hirnt die hannoversche Bevölkerung über einen geeigneten Namen, denn die Preussag verspricht dem originellsten Taufpaten eine Reise zur Golden Gate Bridge. Sicher werden die Namen das Lichterspiel einzufangen suchen, das die 150 beleuchteten Stelen abends entfachen werden und das selbst beim Anflug auf Hannover ein imposantes Schauspiel abgeben soll.
Die 900 m lange und 26 m breite „Allee der Vereinigten Bäume“ (so ihr Name) setzt den Lichterweg bis zum Eingang West fort. (Entwurf Prof. Kienast, Schweiz, Realisierung Heimer und Herbsreit, Hildesheim). Die in vier Reihen gepflanzten 460 Alleebäume aus 273 Gattungen werden sich abends vom lebendigen Schattendach zum stimmungsvoll beleuchteten Märchenwald verwandeln, illuminiert vom allabendlichen Feuerwerk über dem Expo-See.
Und schließlich öffnet sich am östlichen Ende des Boulevards die Plaza, die mit ihren 110 000 m2 selbst den Petersplatz in Rom übertrifft (Konzept: von Gerkan, Marg und Partner. Hier werden die geladenen Gäste der Expo empfangen, hier wird man sich treffen wie in mediterranen Städten, auf zwei Seiten von Platanenalleen gesäumt. Auch die quadratische Form erinnert an südliche Orte der Begegnung. Der Rundblick von den Sitzstufen unter den alten Linden und Pappeln in der Mitte der Plaza soll besonders spannungsvoll werden.
Im Süden begrenzt der 130 m lange deutsche Pavillon die Plaza. In den konkaven, nach innen gebogenen Glasfassaden soll sich zur Expo die Bewegung des Wassers spiegeln, das dann durch einen mit Edelstahlboden belegten Graben rund um den Pavillon fließt (Architekt und Investor: Josef Wund, Friedrichshafen). Gegenüber thront die 128 m breite Arena, die multifunktionale Veranstaltungshalle der Expo und der Stadt Hannover (Architekturbüro Dr. Sprenger, Hannover). Klaus Grundmann, Leiter der Betreibergesellschaft, jedenfalls hofft, daß die Arena-Happenings noch viele Jahre nach der Weltausstellung zu einem Besuchermagnet der niedersächsischen Hauptstadt werden. 25 m ragt sie in die Höhe, 9 m geht sie in die Tiefe. 100 Mio. DM soll der Koloß kosten Die ersten fünf Jahre wird sie den Namen des Expo-Weltpartners Preussag tragen. Damit die 13 500 Besucher fassende Trutzburg etwas freundlicher wirkt, hat sie zur Plaza hin einen gläsernen Vorbau erhalten.
Weil eine Plaza auch stets ein Ort der Besinnung ist, wird an ihrer westlichen Seite der „Christus-Pavillon“ der evangelischen und katholischen Kirchen gebaut. Er soll Stille und Nachdenken ermöglichen. Seine klare geometrische Form, die auf wenige Materialien reduzierte Bauweise, der kubische Sakralraum und strenge Kreuzgang experimentieren mit einer zeitgemäßen Klosterarchitektur. Tatsächlich soll er nach der Expo abgebaut und für den Wiederaufbau des Zisterzienserklosters Volkenroda in Thüringen verwendet werden.
Der zentral gelegene Christus-Pavillon stimmt die Besucher auf die 51 geplanten Pavillons der Nationen und Organisationen bestens ein. Er symbolisiert Vergangenheit und Zukunft, Kulturgeschichte und neue Lebenskonzepte, Erinnerung und Vision, neue Technologien und Nachhaltigkeit. Ob tatsächlich alle vorgesehenen Einzelpavillons auch errichtet werden, ist noch offen, obwohl die Zeit mittlerweile drängt.
Die bisherigen Entwürfe verschmelzen meist die Geschichte einer Nation mit einer visionären Gestalt, die für sich selber spricht. Deshalb will beispielsweise die Schweiz den Pavillon selbst zum Exponat machen. Der aus 3000 m3 massiven Holzbalken labyrinthisch angelegte Bau soll ein apartes Erlebnis des Hörens, Riechens und Fühlens vermitteln. Minimalistisch stellt sich auch Japan dar. Sein Pavillon (Architekt: Shigeru Ban) als formvollendete Bogenkonstruktion – ganz aus Altpapier – beweist die Meisterschaft der Ästhetik: Harmonie als angepeilte Lebensphilosophie.
Die kreative Expo-Architektur wird möglicherweise eines der stärksten Argumente dafür sein, die Weltausstellung nicht nur virtuell, sondern auch real zu besuchen. Sie will durchwandert, erfühlt, erfahren werden. Allerdings: Nicht alle Expo-Bauer halten sich an das Nachhaltigkeitsgebot. Greenpeace beschuldigt die Arena-Betreibergesellschaft, die Konstrukteure des deutschen und des finnischen Pavillons, daß sie den Teufel mit dem Beelzebub austreiben würden: Vor allem in der Arena würden Wärmedämmplatten verbaut, die teilhalogenierte Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffe enthalten und deshalb den Treibhauseffekt fördern. Die Auseinandersetzung läuft.
RUTH KUNTZ-BRUNNER
Platanen säumen die Expo-Plaza
Die größte freitragende Ausstellungshalle Europas: Die umgebaute Halle 9 des Messegeländes.
Eleganz aus Altpapier: Modell des japanischen Pavillons.
Bald von einem Wasserbad umgeben: Baustelle des deutschen Pavillons.

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