Antriebstechnik 14.03.2008, 19:33 Uhr

„Wir sprechen die Sprache der Ingenieure“  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 14. 3. 08, ps – Angefangen hat alles vor sieben Jahren als Start-up mit vier promovierten Elektrotechnik-Ingenieuren. Inzwischen ist aus dem Entwicklungs-Dienstleister ScienLab ein mittelständisches Hightech-Unternehmen mit 30 Mitarbeitern geworden. Im Interview erklärt Mitgründer Michael Schugt u.a., welches Potenzial das Kerngeschäft Automotive bietet.

Schugt: Wir arbeiten marktorientiert und suchen ständig nach Technologiesprüngen. Dort kann sich auch ein junges Unternehmen positionieren: Es müssen ja noch keine Platzhirsche verdrängt werden. Im Automotivebereich haben wir zum Beispiel den Wechsel von elektromagnetischen zu piezoelektrisch angetriebenen Einspritzsystemen als Chance genutzt.

VDI nachrichten: Sie arbeiten überwiegend für Großkonzerne. Ist das ein Verhältnis auf Augenhöhe?

Schugt: Definitiv ja. Wir sprechen die Sprache der Ingenieure und liefern Technologie, die so nicht am Markt verfügbar ist. Das funktioniert nur im engen Dialog. Außerdem verfügen wir über Know-how, das die Produkte der Großkonzerne voranbringt. Das ist ein sehr gleichberechtigtes Verhältnis.

VDI nachrichten: Sind Sie auch deshalb so erfolgreich, weil Sie ScienLab mit drei Partnern leiten?

Schugt: Auf jeden Fall, alleine wäre keiner von uns so weit gekommen. Wir haben von Anfang an die Verantwortung geteilt. Ein Partner geht beispielsweise mehr in Richtung Akquise, ein anderer behält die Finanzen im Auge. Und ganz wichtig: Wir sind kein Debattierclub, sondern haben klar abgegrenzte Bereiche und eine sehr heterogene Kompetenzstruktur. Allein im Bereich Automotive bieten wir Know-how für Einspritztechnik, Komponenten von Hybridfahrzeugen und die Steuerung von Sportfahrwerken.

VDI nachrichten: Im Kern zielen Ihre Prüf- und Steuersysteme auf die Senkung des Spritverbrauchs und vor allem des CO2-Ausstoßes. Nun wird die EU die Grenzwerte für die CO2-Emission womöglich erst 2015 festlegen. Ein Rückschlag für Sie?

Schugt: Nein. Einerseits ist klar, dass die gesetzlichen Regelungen strenger werden. Andererseits haben wir in Deutschland eine hervorragende Automobil- und Zuliefererindustrie, die genau an der Lösung der Probleme arbeitet. Ich erwarte nicht, dass der Prozess ins Stocken gerät.

VDI nachrichten: Der Standort Deutschland ist auch wieder in Bewegung. Allein BMW will 8000 Stellen streichen. Machen Sie solche Meldungen nervös?

Schugt: Ja, solche Entscheidungen beruhen ja auf gründlichen Analysen. Das sind schon wichtige Wasserstandsanzeiger für uns. Auf der anderen Seite ist Deutschland definitiv ein Technologieland. Wir können hervorragende technische Systeme bauen, und wir stehen im Automobilbereich vor so komplexen und forschungsintensiven Aufgaben, dass ich den Standort Deutschland als gut aufgestellt sehe.

VDI nachrichten: Die Hybridtechnologie haben deutsche Automobilhersteller allerdings verschlafen. Da sind Japaner führend.

Schugt: Das sehe ich anders. Wir haben in Deutschland und in Europa vor allem auf den Diesel gesetzt und damit außerordentliche Ergebnisse erzielt. Die Hybridtechnologie fußt dagegen auf dem Ottomotor. Toyota hat dabei gezeigt, was machbar ist. Für uns als deutsche Automobilindustrie besteht jetzt die Chance, den Stand der Hybridtechnik weiter zu entwickeln. So funktioniert Fortschritt. Man schaut, was der Status quo ist, und überlegt, wie man es besser machen kann.

VDI nachrichten: Andere Länder schlafen aber auch nicht. China will noch in diesem Jahr schadstofffreie Autos mit Brennstoffzelle auf den Markt bringen. Liegt darin die Zukunft?

Schugt: Eines wird auf jeden Fall kommen: die Elektrifizierung des Antriebstranges. Daran wollen wir mit unserem Unternehmen partizipieren. Ob die Energie dabei von Lithium-Ionen-Batterien oder Brennstoffzellen geliefert wird, ist uns gleichgültig. Wir sind auf alles vorbereitet.

VDI nachrichten: Welche Märkte sind denn für Sie attraktiv?

Schugt: Wir beliefern zur Zeit bereits die USA und auch Asien. Als forschungslastiges Unternehmen ist für uns allerdings die Nähe zum Kunden entscheidend, deshalb liegt unser Kernmarkt in Europa. Aber natürlich sind die USA gerade in Sachen Hybridtechnologie im Moment ein bombastischer Markt für die OEMs. Mit dem richtigen Partner könnte es interessant sein, dort ein Technologiecluster aus Know-how und Vertrieb aufzubauen.

VDI nachrichten: Momentan sitzen Sie im Ruhrgebiet, weit entfernt von den Konzernzentralen ihrer Kunden. Ein Wettbewerbsnachteil?

Schugt: Nein, wenn man in europäischen Zusammenhängen denkt, sitzen wir in NRW sehr zentral. Außerdem ist die unmittelbare Nähe zur Ruhr-Universität und zur Hochschule Bochum ein entscheidender Vorteil.

VDI nachrichten: Inwiefern?

Schugt: Zum einen sind wir Kooperationen mit den Hochschulen eingegangen und können deren Infrastruktur, zum Beispiel die gut ausgestatteten Hochstromlabore für unsere Hybridaktivitäten nutzen. Etwas vergleichbares selbst aufzubauen, hätte uns sicherlich eineinhalb Jahre gekostet. Zum anderen sind wir auf gut ausgebildete Ingenieure und IT-Fachleute angewiesen. Hier finden wir die Besten.

VDI nachrichten: Die ersten sieben Jahre haben Sie auf organisches Wachstum gesetzt. Wird das in den nächsten sieben so bleiben?

Schugt: Natürlich ist von Außen das Interesse an uns herangetragen worden, einen großen Sprung zu machen. Finanzinvestoren wollten unsere Personalkapazitäten verdreifachen. Aber das kommt für uns nicht in Frage.

VDI nachrichten: Warum nicht?

Schugt: Wir wollen unsere Linie nicht verlieren und unabhängig bleiben. Wir treffen viele Entscheidungen zusammen mit unseren Mitarbeitern. Sie sind unser Potenzial. Wir leben davon, dass wir hier kluge Köpfe haben, die auch dann weiter machen, wenn es mal weh tut. Deshalb setzen wir auch auf Transparenz: Jeder Mitarbeiter kennt die Unternehmenskennzahlen, den Umfang der Aufträge und ist am Erfolg von ScienLab durch Gewinnausschüttungen beteiligt. Außerdem reinvestieren wir den größten Teil der Gewinne in die Entwicklung des Unternehmens. Diese gemeinsame Verantwortung für das Produkt und die Emotionen für die Firma, das ist das Unternehmertum, das wir uns vorstellen und das wir nur auf uns selbst gestützt realisieren können.

KATRIN BRODHERR

Von Katrin Brodherr

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