Antriebstechnik 26.05.2006, 19:22 Uhr

„Wir arbeiten hart daran, vernünftige Margen zu erzielen“  

VDI nachrichten, Mulfingen, 26. 5. 06, ps – Gebläse, Lüfter, Motoren, Pumpen, Ventilatoren – in der Luft- und Antriebstechnik gehört die Mulfinger EBM-Papst zu den führenden Anbietern. Jetzt drängt das Unternehmen mit Macht auf den asiatischen Markt, will seine Position in den USA ausbauen. Was bedeutet das für die deutschen Werke, in denen jeder zweite der 8600 Mitarbeiter beschäftigt ist? Fragen an Gerhard Sturm, Mitbegründer und Chef der Unternehmensgruppe.

Sturm: Deutschland hat das Schlimmste nicht überstanden, das zu glauben wäre ein gefährlicher Irrtum. Ich kann aber nur für EBM-Papst sprechen. Da läuft das Geschäft tatsächlich im Augenblick sehr gut. Im vergangenen Jahr haben wir weltweit 400 Stellen geschaffen. Aber ich bin noch skeptisch, ob diese Hausse anhält. Wir schieben seit Monaten eine Bugwelle vor uns her, die wir noch nicht richtig analysiert haben. Das macht uns unsicher.

Ich befürchte vor allem, dass sich die Politik von diesem Aufschwung blenden lässt, und der Reformwille erlahmt. Die goldenen Zeiten kommen nicht wie von selbst zurück. Die Politik muss endlich die richtigen Folgerungen aus der Globalisierung ziehen und die dringend notwendigen Reformen anpacken.

VDI nachrichten: Welche sind das Ihrer Meinung nach?

Sturm: Einfache Arbeit ist viel zu teuer in Deutschland. Die Lohnnebenkosten müssen runter und wir brauchen rasch einen Kombilohn. Statt Arbeitslose fürs Nichtstun zu bezahlen, ist es besser, der Staat tut zum Lohn etwas dazu. Dann können wir auch manche manuellen Tätigkeiten in Deutschland halten. Ich hoffe sehr, dass die Regierung ein Modell entwickelt, das für den Staat auch auf Dauer finanzierbar ist.

VDI nachrichten: Wie hoch ist der Anteil einfacher Tätigkeiten in Ihren deutschen Werken?

Sturm: Zwischen 20 % und 25 %. In diesem Bereich würden wir uns eine Entlastung wünschen, damit wir wenigstens Teile des ganzen Produktionsverbunds aus einfacher, höherwertiger und sehr anspruchsvoller Arbeit auf Dauer in Deutschland halten können.

Schon seit vielen Jahren arbeiten wir im intelligenten Produktionsverbund und lassen lohnintensive Arbeiten in unseren Standorten in Ungarn, Tschechien und Slowenien fertigen. Wenn es nicht gelingt, einfache Arbeiten bezahlbar zu machen, müssen wir unter Umständen ganze Produktgruppen verlagern.

VDI nachrichten: Das heißt, die jetzige Fertigung in Osteuropa reicht längst nicht aus, um Ihre Produkte auf Dauer wettbewerbsfähig zu machen?

Sturm: Im Grunde reicht es nicht, weil dadurch nur ein Teil der Kosten reduziert werden kann. Der Druck auf die Preise ist enorm hoch. Wir setzen zwar immer stärker auf Hightech aber zu den 8000 Produkten, die wir anbieten, gehören eben auch viele Standardprodukte. Wir erzielen bei Hightech-Produkten noch vernünftige Margen und subventionieren damit einfache Produkte, damit wir sie nicht aufgeben müssen.

VDI nachrichten: Nehmen wir mal an, ein Finanzinvestor, der vor allem auf die Rendite schaut, hätten bei Ihnen das Sagen: Wie viele Arbeitsplätze würden in Deutschland übrig bleiben?

Sturm: Die Hälfte der Fertigung könnte ohne Probleme verlagert werden. Technologisch wäre das kein Problem, aber fatal für den Standort Deutschland …

VDI nachrichten: … aber Ihre Rendite würde in die Höhe schnellen, oder?

Sturm: Grundsätzlich ja, aber auf Dauer wäre das nicht die richtige Lösung, denn unser Heimatstandort würde erheblich darunter leiden. Unsere Bruttomarge ist auch jetzt schon ordentlich, aber gewiss würde der Gewinn steigen bei weiterer Verlagerung. Nur wir wollen nicht verlagern. Wir wollen die Stellen in Deutschland halten. Ich bin hier aufgewachsen und tief verwurzelt …

VDI nachrichten: … Sie sitzen auch im Gemeinderat von Mulfingen …

Sturm: Ja, freilich, und ich war lange Jahre im Kreistag aktiv. Ich finde, als Unternehmer trägt man auch Verantwortung für die Region und natürlich vor allem für die eigenen Leute. Wir haben eine gute Mannschaft hier in Mulfingen und in den anderen deutschen Werken. Aber wir müssen uns was einfallen lassen, um die Mannschaft in dieser Stärke zu halten.

VDI nachrichten: Sie verlangen Ihren Leuten aber auch einiges ab. Sie haben die Arbeitszeit von 37 auf 40 Stunden erhöht. Gab das nicht böses Blut?

Sturm: Nein, denn wir haben ein sehr gutes Verhältnis zum Betriebsrat und zu unserer Belegschaft. Mit dem Betriebsrat führen wir in der Regel sehr konstruktive und vertrauensvolle Verhandlungen. Die 40-Stunden-Woche haben wir ohne Probleme durchbekommen, aber natürlich gab es dafür auch Gegenleistungen. Wir haben die Sozialleistungen, die in vielen Firmen gekürzt worden sind, nicht angetastet. Außerdem haben wir uns verpflichtet, auf betriebsbedingte Kündigungen bis 2008 zu verzichten und eine Sonderprämie zu zahlen, wenn“s dem Unternehmen gut geht. Diese konnten wir im April auch ausbezahlen.

VDI nachrichten: Reicht die 40-Stunden-Woche oder würden Sie gerne noch länger arbeiten lassen?

Sturm: Ich schließe nicht aus, dass wir auch über die 40 Stunden hinausgehen müssen. Darüber muss man nachdenken.

VDI nachrichten: Kommen wir zu den Märkten, auf denen sich EBM-Papst bewegt. Wie wichtig sind die boomenden asiatischen Länder für Sie?

Sturm: Asien ist ungeheuer wichtig für uns. Wir machen dort schon heute rund 12 % unseres Umsatzes, und dieser Anteil wird in den kommenden Jahren kräftig steigen. In unserem wichtigsten asiatischen Markt China setzen wir rund 60 Mio. € um und kommen auf Wachstumsraten von 10 % bis 15 %. Auch Indien kommt in Riesen- schritten im Markt voran.

VDI nachrichten: Sie fertigen ja auch in China. Mit guten Erfahrungen?

Sturm: Im Großen und Ganzen ja. Natürlich sind wir in der Technik noch immer auf deutsche Fachkräfte angewiesen. Die Chinesen sind auch nicht unbedingt die kreativen Ingenieure. Ihnen fehlt der Forscherdrang, der bei uns Tradition hat. Das ist ein Handicap. Deshalb bleiben Forschung und Entwicklung auch eine Domäne der deutschen Werke.

VDI nachrichten: Produzieren Sie in China auch für den europäischen Markt?

Sturm: Nein, im Augenblick noch nicht. Wir vermarkten die chinesischen Produkte aber in ganz Südostasien. In Asien beliefern wir übrigens auch viele unserer amerikanischen Kunden aus der Computerindustrie und der Telekommunikation, die Teile ihrer Produktion nach Asien verlagert haben.

VDI nachrichten: EBM-Papst hat weltweit 16 Produktionsstandorte aufgebaut. Wie haben Sie das finanziell ge-stemmt? Ganz aus eigener Kraft?

Sturm: Ja, wir fangen im Ausland klein an und erwirtschaften das Geld für Investitionen dann vor Ort. Die Tochtergesellschaften dürfen sich nicht von der Mutter bedienen lassen.

VDI nachrichten: Die Finanzierung ist für Sie also kein Engpass?

Sturm: Nein, bis heute nicht, aber wir arbeiten auch hart daran, vernünftige Margen zu erzielen, ansonsten kommen wir nicht zurecht.

VDI nachrichten: Die Rendite muss steigen?

Sturm: Ja freilich. Wir brauchen vergleichsweise höhere Margen wegen der enorm breiten Produktpalette. Wir bedienen ein Branchenspektrum vom Maschinenbau über die Heizung-, Kälte-, Klimatechnik bis zu Computer und Telekommunikation und geben rund 8 % des Umsatzes für Forschung und Entwicklung aus. Deshalb benötigen wir zur Finanzierung mindestes 8 % bis 9 % Brutto-Marge.

VDI nachrichten: Einige persönliche Fragen zum Schluss, Herr Sturm. Sie wollen 2007 aus dem Alltagsgeschäft aussteigen. Wie geht es dann weiter mit EBM-Papst?

Sturm: Meine operativen Aufgaben werden zwei Geschäftsführer übernehmen, ich selbst bleibe dem Unternehmen als Vorsitzender der Gesellschaftsversammlung noch einige Zeit verbunden.

VDI nachrichten: Die Unternehmensgruppe gehört Ihrer Familie sowie zwei weiteren Familien. Wird das so bleiben?

Sturm: Ja, daran soll sich nichts ändern. Wir wollen dafür sorgen, dass der Führungsmannschaft möglichst auch künftig Vertreter der Eigentümerfamilien angehören, wobei die Weichen für eigenen Nachwuchs gestellt sind.

VDI nachrichten: Ein Börsengang ist ausgeschlossen?

Sturm: Wir haben vor einiger Zeit mal darüber nachgedacht, aber heute bin ich froh, dass wir die Idee nicht weiter verfolgt haben. Ich glaube, das wäre nicht der richtige Weg für uns.

VDI nachrichten: Warum nicht?

Sturm: Die Börse verführt zu einer sehr kurzfristigen Betrachtung. Man schielt immer auf den nächsten Berichtstermin statt langfristig zu planen und zu investieren. Bei einem Quarterly Reporting wären wir nicht da, wo wir heute stehen. Und wenn ich so sehe, wer heute über Wohl und Wehe von Unternehmen entscheiden kann, macht mir das die Börse auch nicht unbedingt sympathischer. Ich lasse mir ungern von einem 25-jährigen Analysten vorhalten, was wir alles falsch gemacht haben, obwohl wir doch insgesamt ein sehr erfolgreiches Unternehmen sind. PETER SCHWARZ

Von Peter Schwarz

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