Antriebstechnik 21.01.2005, 18:36 Uhr

Toyota spurtet mit Hybrid-Fahrzeugen der Konkurrenz auf und davon

VDI nachrichten,Detroit/Leverkusen, 21. 1. 05 -Ohne Hybrid-Technik sehen deutsche Autohersteller auf dem US-Markt alt aus. Toyota hat dort mit dem Prius einen Trend gesetzt – und technisch klar die Nase vorn. Amerikanische und andere japanische Hersteller ziehen vehement nach. Marktforscher schätzen den Vorsprung von Toyota bei Mischantrieben auf vier bis fünf Jahre.

Wir haben das Schiff verpasst“, räumte Bob Lutz, Vizechef von General Motors (GM) am Rande der Detroit Motor Show (12. – 23. Januar) ein. Trotz intensiver Prüfung habe der GM-Vorstand verkannt, welches Potenzial in der Hybrid-Technik liegt. Heute sei bekannt, dass man das Markenimage mit Hybrid-Fahrzeugen für vergleichsweise wenig Geld sehr verbessern könne.
Sind Hybrid-Modelle wirklich nur eine Frage des Markenimages? Hat GM also den Auftakt zu einer Werbekampagne verschlafen? Prof. Ferdinand Dudenhöffer sieht es anders. „Die Hybrid-Technik ist eine der größten Neuerungen der Automobilindustrie in den letzten 40 Jahren“, erklärte der Direktor des Center of Automotive Research (CAR) an der FH Gelsenkirchen.

Dudenhöffer stützt diese Aussage auf eine neue Prognose seines Marktforschungsinstituts B&D-Forecast, Leverkusen. Danach werde die Zahl der weltweit verkauften Hybrid-Fahrzeuge in zehn Jahren auf jährlich über 5 Mio. Einheiten steigen, allein in den USA würden 3 Mio. davon verkauft werden. Keine fünf Jahre blieben mehr, bis der Hybrid-Absatz auf dem US-Markt die Millionengrenze durchbreche.
Was GM-Vorstand Lutz als Marketingpanne beschreibt, könnte sich für sein Unternehmen und viele Konkurrenten als „größter anzunehmender Unfall“ (GAU) herausstellen. Denn laut Dudenhöffer ist ein Hersteller der Konkurrenz um gute fünf Jahre voraus: Toyota. Durch frühzeitig intensivierte Forschung im Hybrid-Bereich und jahrelangen Serieneinsatz des Prius – schon ab 1997 wurde er als Serienlimousine verkauft – sei die Technik der Japaner so weit gereift, dass ihnen daraus ein Monopol im rasant wachsenden Hybrid-Segment erwachse. Folgerichtig kündigt Toyota an, man wolle künftig die Lizenzeinnahmen aus der Mischantriebstechnik deutlich steigern. Hersteller wie Ford, Mazda, Nissan und Porsche setzen bei ihren Hybrid-Konzepten bereits auf die Technik von Toyota oder prüfen deren Einsatz.
Toyota hat mit Hybriden einen Nerv am US-Markt getroffen. „Gerade in Kalifornien ist der Prius in“, erklärte Dudenhöffer. So ,in“, dass sich selbst Gouverneur Arnold Schwarzenegger ein wenig im Erfolg sonne und sich öffentlich für die Produktion von Toyota-Hybriden in den USA stark mache.
Dudenhöffer rechnet damit, dass die Japaner den Rufen bis spätestens 2006 folgen. Denn neben amerikanischen Politikern laden vor allem die US-Konsumenten dazu ein. Sie kauften 2004 fast 55 000 Prius II und damit 20 000 mehr als Toyota für die USA geplant hatte. Im laufenden Jahr sei laut B&D-Forecast mit einem Absatz von über 100 000 Stück des Modells zu rechnen. Damit könnte Toyota allein mit dem neuen Prius in den USA mehr verkaufen als die Marke Audi, wenn diese auf dem größten Automarkt der Welt nicht deutlich mehr verkaufen kann als die insgesamt knapp 78 000 Pkw von 2004 (- 9,8 % gegenüber 2003).
Insgesamt rechnen Dudenhöffer und sein Marktforscherteam 2005 mit insgesamt 245 000 Hybrid-Verkäufe auf dem US-Markt. Eine Steigerung von 194 % gegenüber 2004, von der Toyota fast allein profitiert. Denn neben 100 000 Prius prognostiziert B&F-Forecast je 40 000 Verkäufe der Toyota-Geländewagen Highlander und des Lexus RX 400h, sowie 20 000 des Ford Escape Hybrid, der auch mit Toyota-Mischantriebstechnik unterwegs ist. So bliebe nur ein Fünftel des Kuchens in den USA übrig, das sich Honda mit seinen drei Mild-Hybrid-Modellen Insight, Civic und Accord sichern würde, heißt es.
Toyota hat die USA früh als strategischen Markt für die Hybrid-Technik erkannt. Schon seit 1997 hat der zweitgrößte Autohersteller der Welt die 1. Generation des Prius dort angeboten. Mit dem Nachfolgemodell Prius II will der Hersteller den Markt zügig besetzen: Toyota bietet den neuen Prius in den USA für umgerechnet 15 700 € an (23 900 € kostet er in Deutschland). Zusätzlich verschafft der Prius seinen Käufern 2000 Dollar Steuervorteil, und sie sparen damit Benzin auch wenn es heute noch halb so teuer ist wie in Europa, hat sich sein Preis in den letzten drei Jahren fast verdoppelt.
Doch Toyota hat es nicht allein auf Sparfüchse und Ökologen im Pkw-Segment abgesehen. Jetzt wird der Hersteller auch die Liebhaber der Geländefahrzeuge bedienen – sie und ihre Versionen als Sport Utility Vehicles (SUV) und Pick-ups sowie weitere Light Trucks machen immerhin die Hälfte des US-Fahrzeugmarktes aus, auf dem 2004 rund 16,9 Mio. Pkw und Light Trucks verkauft wurden.
Toyota bringt mit dem Highlander und dem Lexus RX 400h nun zwei SUV mit Mischantrieb auf den US-Markt, in denen der zusätzliche Elektromotor vor allem für mehr Drehmoment und dynamischere Beschleunigung sorgt – Fahrspaß mit gutem Gewissen, weil der Benzinverbrauch vergleichsweise auch sehr niedrig sein soll.
Wie es aussieht, besetzt Toyota auch bei SUV sehr früh einen strategisch wichtigen Markt. Denn zehn von 21 angekündigten neuen Hybrid-Modellen in den USA werden SUV mit parallelem Hybrid-Antrieb sein. Die deutschen Anbieter laufen diesem Trend mindestens vier bis fünf Jahre hinterher. Nur Porsche kündigt seinen Cayenne für 2007 mit einem zusätzlichen Elektromotor an – wobei auch hier die Technik vom Quasi-Monopolisten aus Japan kommen soll. Dudenhöffer kommentiert: „Wie schon beim Partikelfilter hat der Stolz der deutschen Ingenieure und Motorentwickler dazu geführt, dass man den Hybrid lange Zeit nicht ernst genommen hat“.
Um die Scharte auszuwetzen, haben DaimlerChrysler und General Motors jüngst eine Kooperation in Sachen Hybrid angekündigt. Laut der Absichtserklärung wollen beide gemeinsam ein Hybrid-Konzept zur Serienreife bringen, in dem zwei kleine statt eines großen Elektromotors die Verbrennungsmaschine ergänzen. Die leichtere und kompaktere Bauweise habe besonders bei Langstreckenfahrten Vorteile, erklären Vertreter beider Unternehmen hier würde der Kraftstoffverbrauch um 25 % und mehr sinken.
Vieles dürfte davon abhängen, wie schnell die Kooperation von DaimlerChrysler und GM fruchtet. Denn wie die Prognose der B&D-Forecast zeigt, bleibt der Konkurrenz kaum Zeit, um die enteilten Ingenieure von Toyota einzufangen. Schließlich sollen 2015 schon 5 Mio. Hybride jährlich vom Band rollen. So oder so. Für Dudenhöffer steht fest: „Toyota wird mit dem Hybrid-Fahrzeugen Weltmarktführer im Automarkt“. Ganz nebenbei profitiere auch die Umwelt. Denn ohne Hybrid, so Dudenhöffer, könnten die Premiumhersteller in Europa ihre Selbstverpflichtung von 140 g CO2/km kaum erreichen. P. TRECHOW/W. PESTER

Von P. Trechow/W. Pester
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