Antriebstechnik 21.10.2005, 18:40 Uhr

Pumpe-Düse-Technik ausgebremst  

VDI nachrichten, Schwalbach/Stuttgart/Wolfsburg, 21. 10. 05 – Der VW-Konzern entwickelt eine neue Dieselmotorenfamilie als Antwort auf die zukünftig verschärfte Abgasgesetzgebungen. Als Direkteinspritzsystem der Drei- und Vierzylindermotoren kommt ab 2007 ausschließlich Common-Rail zum Einsatz. Damit gibt Volkswagen den Sonderweg der Pumpe-Düse-Technik auf.

Dieselmotoren der Marke VW waren weltweit die ersten, die die EU4-Abgasnorm erfüllten. Voraussetzung dafür war die Direkteinspritzung (DI) mit Pumpe-Düse-Technik, auf die Volkswagen seit 1998 setzt sie kam zuerst von Bosch und seit einem knappen Jahr liefert sie auch Siemens VDO. Die Diesel-DI mit Pumpe-Düse (PD) sicherte den hohen Einspritzdruck von 2000 bar, die Common Rail (CR) brachte es damals auf 1350 bar. Der hohe Druck der PD-Technik sorgte für eine bessere Zerstäubung des Kraftstoffs und somit für eine schadstoffarme Verbrennung mit geringem Kraftstoffkonsum.

Mittlerweile haben die Common-Rail-Systeme deutlich aufgeholt: Heute werden sie mit 1600 bar geliefert; der Serienanlauf von CR mit 1800 bar und selbst 2000 bar Speicherdruck sind bei Bosch, Siemens VDO und Delphi absehbar. Darüber hinaus hat Bosch bereits ein System mit hydraulischer Druckübersetzung vorgestellt, das zukünftig im CR-System den Kraftstoff zwar wieder mit 1350 bar bereithält, aber durch einen hydraulischen Übersetzungskolben den Einspritzdruck in den Brennraum auf 2500 bar erhöht.

Beide VW-Systempartner, Bosch und Siemens VDO, hätten wohl auch bei der Pumpe-Düse den Druck auf 2500 bar steigern können. Das dürfte für die Entscheidung gegen PD nicht ausschlaggebend gewesen sein. Ebenso das anfänglich harte und unkomfortable Verbrennungsgeräusch ist mittlerweile durch eine ausgeklügelte Voreinspritzung im Griff. Viel wichtiger für die Entscheidung bei VW dürften die vergleichsweise hohen Systemkosten sein. Mit zunehmender Anzahl der Zylinder wird die dezentrale Lösung natürlich deutlich teurer als das Common-Rail-System. Gleichfalls haben sicherlich die eingeschränkten Möglichkeiten der PD-DI neue Abgasnormen wie EU5 zu erfüllen eine Rolle gespielt.

Zukünftig benötigt die Abgasnachbehandlung bis zu zwei Nacheinspritzungen, um den Energieinhalt im Abgas zu erhöhen, damit z.B. der Partikelfilter zyklisch freigebrannt werden kann. Bei höheren Drehzahlen wird die Zeit knapp den Druck pro Arbeitstakt bis zu fünf Mal aufzubauen und zu dosieren. Deshalb dürften die Kosten eines weiterentwickelten PD-Systems zu hoch sein.

Überraschend war für Bosch und Siemens VDO das Aus für die Pumpe-Düse anscheinend nicht, eher der Zeitpunkt der Bekanntgabe verwunderte. Hier zeigte anscheinend VW-Markenchef Wolfgang Bernhard seine Entscheidungsfreude. Als Konsequenz müssen sie nun Fabriken auf die Common-Rail-Produktion umstellen. Bosch fertigte durchschnittlich 1,8 Mio. PD-Systeme im Jahr, Siemens VDO baut im Gemeinschaftsunternehmen mit VW in Stollberg, Sachsen, hochgerechnet mehr als 600 000 PD-Einheiten.

„Dieselmotoren mit Pumpe-Düse wird VW noch sieben bis neun Jahre produzieren. Solange wird die Umstellungsphase dauern. Bestehende Verträge werden in dieser Zeit selbstverständlich voll erfüllt“, erklärte VW-Sprecher Hartmuth Hoffmann.

Trotzdem, nicht einmal ein Jahr nach der Einweihung, müssen die Gesellschafter über die Zukunft der gemeinsamen Firma in Stollberg verhandeln. Dem Vernehmen nach sollen diese Gespräche bereits im ersten Quartal 2006 abgeschlossen werden. Geplant war dort der Bau von 2 Mio. Piezo-gesteuerte PD-Systeme (für 500 000 Vierzylinder), der auf 4 Mio. Einheiten erweitert werden sollte. Auch Bosch muss durch den Systemwechsel an vier Standorten – Deutschland (2), Türkei und Frankreich – die Fertigung völlig neu strukturieren.

J. GORONCY/WOP

Von J. Goroncy/Wolfgang Pester Tags:
Das könnte sie auch interessieren

Top Stellenangebote

Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR-Firmenlogo
Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR Mitarbeiter (m/w) Bauen, Bewirtschaften und Beschaffen Schleswig-Holstein
dip Deutsche Industrie- und Parkhausbau GmbH-Firmenlogo
dip Deutsche Industrie- und Parkhausbau GmbH Bautechniker / Poliere / Meister (m/w) Bad Honnef
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hof-Firmenlogo
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hof Professur (W2) Wirtschaftsingenieurwesen mit Schwerpunkt Betriebliche Informationssysteme & Supply-Chain-Management Hof
FAIR GmbH-Firmenlogo
FAIR GmbH Ingenieur/in für Technische Gebäudeausrüstung Darmstadt
FAIR GmbH c/o GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH-Firmenlogo
FAIR GmbH c/o GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH Ingenieur/in Nutzerintegration FSB Darmstadt
FAIR GmbH c/o GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH-Firmenlogo
FAIR GmbH c/o GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH Ingenieur/in Technische Gebäudeausrüstung Raumluft Darmstadt
Volkswagen AG-Firmenlogo
Volkswagen AG Technischer Sachbearbeiter (m/w) für den Bereich Entwicklung Elektrik/Elektronik Wolfsburg
DEKRA-Firmenlogo
DEKRA Prüfingenieure und Sachverständige (m/w) keine Angabe
Kreis Steinburg-Firmenlogo
Kreis Steinburg Projektingenieur/in Straßenbau Itzehoe
Landkreis München-Firmenlogo
Landkreis München Diplom-Ingenieure/-innen Architektur / Bauingenieurwesen München
Zur Jobbörse