Brennstoffzelle im Gabelstapler 10.06.2013, 11:46 Uhr

Neuer Antrieb erlaubt Einsatz von Hubwagen im Dauerbetrieb

Die Lebensdauer von Brennstoffzellen, die Methanol verarbeiten, ist jetzt so groß, dass eine wirtschaftliche Nutzung bald möglich ist. Das Forschungszentrum Jülich hat mit Hubwagen einen erfolgreichen Dauertest absolviert.

Einen Gabelstapler mit Brennstoffzelle hat das Foschungszentrum Jülich entwickelt. Der Antrieb hat gerade einen Dauertest mit 20 000 Stunden erfolgreich absolviert. Der neue Antrieb macht langes Laden oder gar den Austausch der schweren Bleibatterien überflüssig.

Einen Gabelstapler mit Brennstoffzelle hat das Foschungszentrum Jülich entwickelt. Der Antrieb hat gerade einen Dauertest mit 20 000 Stunden erfolgreich absolviert. Der neue Antrieb macht langes Laden oder gar den Austausch der schweren Bleibatterien überflüssig.

Foto: Jungheinrich

Es könnte der Durchbruch sein, um Brennstoffzellen im gewerblichen Bereich zu nutzen. Das Forschungszentrum Jülich hat Brennstoffzellen entwickelt, die Methanol direkt verbrennen und daraus den Strom produzieren, den beispielsweise Gabelstapler benötigen, um Waren im Lager zu transportieren.

Die Hubwagen, die die Jülicher Foscher getestet haben, sind nahezu ohne Pause rund um die Uhr in Betrieb. Und das sieben Tage pro Woche. Die Fahrzeuge sind mit einer Batterie und einer Brennstoffzelle ausgerüstet, die den Flüssigtreibstoff Methanol schluckt. Die Batterie wird in Fahrpausen aufgeladen. Außerdem speichert sie Bremsenergie und unterstützt die Brennstoffzelle, wenn besonders schwere Lasten zu heben sind.

20 000 Betriebsstunden vor kurzem noch undenkbar

Die Direktmethanol-Brennstoffzelle, die im Forschungszentrum Jülich entwickelt wurde, hat jetzt im Praxistest einer Belastungstest überstanden, der die kommerzielle Anwendung in greifbare Nähe rückt. Auf einem Teststand, auf dem die Belastung des Hubwagens im Drei-Schicht-Betrieb eines Lebensmittel-Auslieferungslagers in der Nähe von London nachgefahren wurde, erreichte die Brennstoffzelle eine Betriebsdauer von 20 000 Stunden.

Noch vor wenigen Jahren hätte das niemand für möglich gehalten. Dieser Brennstoffzellentyp galt als besonders störanfällig. „Die Zellen halten mittlerweile genauso lange wie die Fahrzeuge, für die wir sie entwickelt haben“, sagt Professor Detlef Stolten, Leiter des Jülicher Instituts für Energie- und Klimaforschung, Bereich Elektrochemische Verfahrenstechnik, an dem die Brennstoffzelle entwickelt wurde.

Der Hubwagen des Forschungszentrums Jülich mit Brennstoffzelle. Sie verbrennt Methanol. Das erlaubt einfaches Nachtanken statt langer Ladezeiten der Batterie.

Der Hubwagen des Forschungszentrums Jülich mit Brennstoffzelle. Sie verbrennt Methanol. Das erlaubt einfaches Nachtanken statt langer Ladezeiten der Batterie.

Quelle: Forschungszentrum Jülich

Eigentlich wollte der Hubwagenhersteller Jungheinrich sie einsetzen. Das sah zumindest ein gemeinsames Projekt des Hamburger Unternehmens und des Forschungszentrums Jülich vor. Angesichts von Produktionsrückgängen in Folge der weltweiten Finanzkrise zog Jungheinrich sich daraus zurück.

Brennstoffzelle im Mehrschichtbetrieb schon rentabel

Möglicherweise steigt Jungheinrich wieder ein, denn im Drei-, möglicherweise auch im Zwei-Schicht-Betrieb, ist die neuartige Energieversorgung bereits wirtschaftlich, hat das Düsseldorfer Consultingunternehmen Management Engineers ermittelt.  Herkömmliche Hubwagen sind mit Bleibatterien ausgestattet, die spätestens nach einer Schicht leer sind und stundenlang ans Aufladegerät angeschlossen werden müssen. Also muss der Betreiber zwei Batteriesätze oder ganze Hubwagen vorhalten, um zwei oder gar drei Schichten fahren zu können. Das bedeutet hohe Investitionskosten. Der Hubwagen mit Brennstoffzelle wird dagegen bei Bedarf einfach wieder mit Methanol befüllt.

Die hybride Stromversorgung eignet sich auch für andere Fahrzeuge, sagen die Jülicher Forscher. Allerdings sind die Kosten für Brennstoffzellen noch zu hoch, weil sie noch nicht in Serie hergestellt werden.

Ein Beitrag von:

  • Wolfgang Kempkens

    Wolfgang Kempkens studierte an der RWTH Aachen Elektrotechnik und schloss mit dem Diplom ab. Er arbeitete bei einer Tageszeitung und einem Magazin, ehe er sich als freier Journalist etablierte. Er beschäftigt sich vor allem mit Umwelt-, Energie- und Technikthemen.

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