Antriebstechnik 16.04.2010, 19:46 Uhr

Nachhaltige Mobilität vereint Fahrzeug- und Maschinenbau

Mit der Teilmesse Mobilitec will die Hannover Messe die Schnittstellen zwischen Elektromobilität und Produktionstechnik besetzen. Rund 100 Aussteller aus Automobilbranche, Maschinenbau, Energiewirtschaft und Forschungsinstituten werden dort ihre technologischen Ansätze präsentieren und diskutieren. Gerade bei Antrieben und Energiespeichern gibt es zahlreiche Berührungspunkte. Die Produktionstechnik wird dabei mitentscheiden, wo in Zukunft Geld mit Elektroautos verdient wird.

Mit ihrem Leitmarkt-Vorstoß und dem Nationalen Aktionsplan hat die Bundesregierung Elektromobilität in alle Munde gebracht. Nun ist es an den Ingenieuren aus Auto- und Energiebranche sowie Produktionstechnik, das Versprechen einer neuen, lokal emissionsfreien Mobilität einzulösen.

Auf der diesjährigen Hannover Messe vom 19. bis 23. April werden dazu rund 100 Aussteller aus allen drei Branchen ihre bisherigen Ansätze und Lösungen präsentieren und sie auf einem begleitenden Anwenderforum diskutieren. Als Plattform dient die neue Teilmesse Mobilitec, die auf 4000 m² hybride und elektrische Antriebstechnik, Energiespeicher und produktionstechnische Ansätze zeigen wird.

Gerade auf Letztere wird es ankommen, um das ambitionierte politische Ziel eines deutschen Leitmarkts für Elektromobilität zu erreichen. VDMA-Chef Manfred Wittenstein warnt, dass sich hier eine „Sollbruchstelle für hunderttausende Arbeitsplätze“ verbirgt. „Wir müssen etwa Lithium-Ionen-Batterien nicht nur erforschen, sondern vor allem kostengünstig und in großen Stückzahlen produzieren können“, mahnte er kürzlich. Letztlich werde sich der Wettbewerb im Gesamtprozess von der Komponente über die Produktion von Fahrzeugen und mobilen Maschinen bis hin zum Recycling entscheiden.

Genau diesen Gesamtprozess nimmt z. B. die Forschungsvereinigung Antriebstechnik (FVA) in ihren aktuell über 100 laufenden vorwettbewerblichen Forschungsprojekten ins Visier. Finanziert von den Mitgliedern aus Maschinenbau und Automobilbranche loten Experten der Mitgliedsunternehmen in Arbeitskreisen ihren Forschungsbedarf aus und stoßen entsprechende Projekte an. „Ein wichtiges vorwettbewerbliches Thema sind beispielsweise Simulationstools“, sagte Bernhard Hagemann, stellvertretender Geschäftsführer der FVA, auf Anfrage der VDI nachrichten. Auch kleine Mitgliedsunternehmen, die sich solche Software allein niemals leisten könnten, hätten durch den gemeinsamen Ansatz Zugang dazu – wie auch zum gesammelten Know-how der Projekte. Dies sei ein praktikabler Weg, um trotz begrenzter personeller und finanzieller Ressourcen Kompetenzen in Richtung Hybrid- und Elektroantriebe auf- und auszubauen.

Die Akademie für Technikwissenschaften Acatech hatte jüngst bereits davor gewarnt, dass der Zug in Richtung Elektromobilität ohne Zulieferer aus der zweiten und dritten Reihe abfahren könnte, weil diese neben dem Alltagsgeschäft kaum in der Lage seien, selbst entsprechende Kompetenz aufzubauen.

In der FVA fließt dabei Know-how aus dem Maschinenbau in die Fahrzeugtechnik und umgekehrt. Während sich die Hersteller von Maschinen bestens mit Elektroantrieben samt Steuerungstechnik auskennen und teils schon seit Jahrzehnten „serielle Hybride“ in Form von dieselelektrischen Antrieben einsetzen, können sie laut Hagemann vor allem in Sachen Kostenoptimierung noch einiges von ihren Kollegen aus der Automobilbranche lernen.

Auf der Mobilitec wird die FVA mit ihrem „e-motive“-Gemeinschaftsstand mit 24 Ausstellern den Kern der Mobilitec bilden. Auch dieser ist laut Hagemann vor allem als Plattform für kleinere Betriebe gedacht, die ihre Lösungen und Ideen vor großem Publikum präsentieren wollen. Im Fokus steht dabei die Annäherung zwischen Antriebstechnik für Maschinen und Fahrzeuge. Perspektivisch könnten sie aus ein- und demselben Baukasten stammen, um durch den ausgeweiteten Kundenkreis möglichst schnell Skaleneffekte zu erzielen. Auch Automatisierung, gerade bei der Produktion von Energiespeichern, wird laut Hagemann ein zentrales Thema auf dem „e-motive“-Gemeinschaftsstand sein.

Als Anziehungspunkt für Besucher wurde zudem ein Mobilitec-Anwenderforum eingerichtet. Für Besucher kostenfrei zugänglich werden dort Experten über Herausforderungen im Zukunftsmarkt Elektromobilität diskutieren. Als Organisatoren stehen die Branchenverbände VDMA, ZVEI, BDEW sowie BEE hinter dem Forum. PETER TRECHOW

Ein Beitrag von:

  • Peter Trechow

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