Antriebstechnik 12.11.2004, 18:34 Uhr

Druckluft expandiert mit Hightech rund um den Globus

VDI nachrichten, Düsseldorf, 12. 11. 04 -Deutsche Hersteller von Anlagen, Werkzeugen und Produkten der Drucklufttechnik glänzen seit Jahren mit zweistelligen Wachstumsraten. Der steile Aufwärtstrend könnte sich weiter verstärken, denn nun locken die neuen EU-Länder und das boomende Asien mit attraktiven Marktchancen.

Josef Hüggelmeier rückt „seine“ Branche in eine industrielle Schlüsselposition: „In kaum einem ande ren Technologiebereich kommt es so auf Verfügbarkeit und Sicherheit an wie in der Drucklufttechnik. Fällt eine Komponente aus, kann das sehr schnell zu teuren Produktionsstillständen führen.“ Daher gebe es in der Drucklufttechnik keine Kompromisse. Sicherheit, Zuverlässigkeit und somit modernste Technologie seien unabdingbar.
Hier sieht der Geschäftsführer des VDMA Fachverbandes Kompressoren, Druckluft- und Vakuumtechnik die deutschen Unternehmen in einer weltweiten Spitzenposition – technologisch wie auch wirtschaftlich. So wird der Gesamtwert Produktion in diesem Jahr auf 2,9 Mrd. ! klettern von 2,4 Mrd. ! in 2002 und 2,6 Mrd. ! in 2003. „Zudem präsentiert sich die Branche mit einem Exportanteil von 80 % stark auslandsorientiert – ähnlich anderen Erfolgszweigen der deutschen Industrie“, betont Hüggelmeier.
Der Wirtschaftsboom in Fernost und speziell in China gibt diesem Auslandsengagement neue Impulse, wie der Bielefelder Kompressorenhersteller Boge demonstriert. Nachdem die chinesische Vertriebsgesellschaft bereits seit einigen Jahren erfolgreich arbeitet, wurde nun eine eigene Montage zur Fertigung von Schraubenkompressoren in Schanghai eröffnet. „China hat exzellente Langzeitperspektiven und ist derzeit ein Wachstumsmotor der Weltwirtschaft. Dort wollen wir unseren Marktauftritt gezielt verstärken“, begründet Geschäftsführer Wolf D. Meier-Scheuven den Invest. Insgesamt werde ein Drittel des Exportumsatzes in Asien gemacht und „es soll noch mehr werden“. Gleichzeitig wolle man das Unternehmen durch den Gang nach China stärken und durch eine eigene Montage im Reich der Mitte auch die Zukunftsfähigkeit in Deutschland sichern.
Auch Thomas Kaeser, Firmenchef von Kaeser Kompressoren in Coburg, hat die ausländischen Märkte verstärkt im Visier: „Mit der EU-Osterweiterung öffnen aufstrebende Staaten mit hohem Wirtschaftswachstum deutschen Unternehmen attraktive Marktchancen.“ Ebenso würde beim Outsourcing, der Druckluftversorgung zum Festpreis mit höchstmöglicher Verfügbarkeit, neuer Bedarf entstehen. Seine Deckung erschließe den dortigen Unternehmen wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeiten.
Expansiv zeigt sich die Branche aber auch dort, wo neue Technologien die Tür zu mehr Wettbewerbsfähigkeit öffnen. „Auf Produktseite verspricht der Einsatz von High Efficiency-Motoren einen nochmals optimierten Wirkungsgrad“, betont Dieter Richter, Leiter Development Center bei Boge. Denn jeder in Produktqualität investierte Euro zahle sich im Lebenszyklus einer Anlage aus. Hierbei amortisierten moderne, technisch optimale Druckluftstationen ihre höheren Anschaffungskosten durch reduzierte Lebenszyklus-Kosten: „Der verminderte Energieeinsatz ist dabei der größte Return on-Investment.“
Gleichzeitig favorisieren immer mehr Unternehmen umfassenden Service als zweites Standbein im Kampf um Marktanteile und Kundengunst. „Umfassende Dokumentation und vorbeugende Instandhaltung ermöglichen ein effektives Service-Management“, weiß Detlef Fritsch, Kundendienstleiter bei Alup-Kompressoren in Köngen. Optimiertes Anlagen-Engineering gepaart mit Schnelligkeit beim Full-Service garantiert nach seiner Meinung einen reibungslosen Anlagenbetrieb.
Dass auch die Elektronik der Drucklufttechnik neue Einspar- und Marktpotenziale erschließt, demonstriert die Donaldson Filtration Deutschland GmbH mit einem neuen, elektronisch niveaugeregelten Kondensatableiter. Trotz der sehr kompakten Bauform seien wesentliche Zusatzfunktionen realisiert worden, heben die Entwickler in Haan nahe Düsseldorf hervor. So werden die Niveausensoren, welche das Signal zum Abscheiden des Kondensats auslösen, im Werk individuell kalibriert, wenn mehr als Standard-Anwendungen gefordert sind.
Doch schon bald kommen neue Herausforderungen auf die Branche und speziell auf die Hersteller von Druckluftwerkzeugen zu. Denn ab dem 6. Juli 2005 verlangt die EU-Richtlinie 2003/44/EC „Physical Agents Directive for Vibrations“ eine deutliche Senkung der Vibrationen bei Handwerkzeugen. Danach darf mit einem handgeführten Werkzeug nur noch 8 h täglich gearbeitet werden, wenn es nicht stärker vibriert als 2,5 m/s². Bei einem höheren Vibrationspegel ist dämpfend einzugreifen oder die Arbeitszeit zu verkürzen. Vibrationspegel über 5 m/s² sind im 8 h-Betrieb verboten und der Arbeitsplatz muss sofort entsprechend verändert werden. Diese Vorgaben werden zu einem Bestandteil der deutschen Arbeitsschutzrichtlinie. Innerhalb einer Übergangsfrist bis 2010 müssen allle zu ergreifenden Maßnahmen in den Unternehmen umgesetzt sein.DIETMAR KIPPELS

Ein Beitrag von:

  • Dietmar Kippels

    Redakteur VDI nachrichten im Ressort Produktion. Fachthemen: Maschinenbau, CAD, Lasertechnik

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