Antriebstechnik 30.03.2007, 19:27 Uhr

Antriebstechnik glänzt mit solidem Wachstum  

VDI nachrichten, Unna, 30. 3. 07, ciu – Dass die deutsche Antriebstechnik Marktanteile gewinnt und weiter nachhaltig wachsen wird, erwartet Dr. Jürgen Onasch, Sprecher des Vorstandes der Stromag AG in Unna und Vorsitzender des VDMA-Fachverbandes Antriebstechnik. Im Gespräch mit den VDI nachrichten äußerte er sich im Vorfeld der Hannover Messe zudem zum globalen Wettbewerb und zum Plagiatschutz.

Onasch: Die mechanische Antriebstechnik hat nicht nur ein klares Produktionswachstum auf 13,2 Mrd. € im Jahr 2006 erarbeitet, sie ist mit knapp 80 000 Mitarbeitern in Deutschland auch der größte Fachzweig im VDMA.

Es sind vor allem die rohstoff- und energiebezogenen Branchen, die einen besonderen Anteil an diesem Erfolg haben, wie die Energieerzeugung sowie die Logistik mit Warenumschlag oder Hafentechnik. Nach wie vor ist dabei die USA und Europa der wichtigste Absatzmarkt, allerdings sind die Zuwachsraten in China, Indien und Osteuropa deutlich größer.

VDI nachrichten: Bei Elektromotoren ist Deutschland Weltmarktführer, dicht gefolgt von China. Wie sieht es in der mechanischen Antriebstechnik aus?

Onasch: Auch in der mechanischen Antriebstechnik ist Deutschland Weltmarktführer. Viele deutsche und europäische Unternehmen stärken ihre Marktposition darüber hinaus durch Tochterunternehmen und Joint Ventures in den Wachstumsregionen der Welt. Dies wiederum stärkt ihre jeweilige Marktposition auch in Europa. Punktuell gibt es in Japan und in Mitteleuropa noch starke Unternehmungen der mechanischen Antriebstechnik.

VDI nachrichten: Viele Komponenten sind genormt. Wie lässt sich hier erfolgreich gegen Billiganbieter agieren?

Onasch: Die genormten Komponenten in der mechanischen Antriebstechnik sind nicht der Hauptpunkt. Die Stärke der deutschen Unternehmungen liegt vor allem darin, modular aufgebaute Komponenten in kleinen, mittleren und großen Stückzahlen bei gleichbleibend hoher Qualität mit kurzen Durchlaufzeiten zu entwickeln und zu produzieren. Beispiele sind Getriebe, Getriebemotoren, elastische Kupplungen und Bremsen.

VDI nachrichten: Wo sehen Sie die Stärken der deutschen Hersteller?

Onasch: Es gibt drei zentrale Erfolgsfaktoren in der deutschen Antriebstechnik: Erstens haben wir gegenüber den Anbietern aus anderen Ländern eine hohe Produktivität – dank guter Mitarbeiter mit qualifizierter Ausbildung und Fertigungsstrukturen, einhergehend mit kontinuierlicher Reduzierung der Lohnstückkosten in den letzten fünf Jahren. Zweitens haben wir gute Forschungsnetzwerke in Deutschland, allen voran die Forschungsvereinigung Antriebstechnik (FVA). Drittens passt die globale Aufstellung mit den richtigen Produkten und Dienstleistungen auf wichtigen Märkten.

VDI nachrichten: Auch Plagiate ihrer Produkte machen Herstellern zunehmend zu schaffen. Wie ist diese Tatsache zu bewerten?

Onasch: Plagiate sind eine Gefahr, denn sie nagen am Innovationsvorsprung und schmälern die Innovationsrendite. Wir tun als VDMA daher einiges dagegen, z. B. die Kampagne Pro Original, die wirtschaftspolitische Interessensvertretung in Brüssel und Berlin, die Forschungsinitiative „technologischer Kopierschutz“, konkrete Richtlinien für Unternehmen sowie Hilfestellungen auf Messen

VDI nachrichten: Wie schätzen Sie Plagiatvernichtungen, wie zuletzt bei FAG und SKF in Schweinfurt, ein?

Onasch: Die helfen unserer Branche definitiv weiter, da sie Aufmerksamkeit erzeugen und unsere Kunden sensibilisieren. Zudem führen solche Beispiele den politischen Entscheidungsträgern die Tragweite von Plagiaten vor Augen.

VDI nachrichten: Der Kampf gegen Kopisten ist mit großem zeitlichen und finanziellen Aufwand verbunden. Lässt sich dieser Aufwand sinnvoll reduzieren?

Onasch: Ja, und zwar durch richtiges Verhalten schon im Vorfeld, indem z. B. gezielt gewerbliche Schutzrechte angemeldet werden, durch Geheimhaltung sowie Vorgaben und entsprechendes Verhalten auf Messen, aber auch durch technologischen Kopierschutz.

VDI nachrichten: Komponenten wie Bremsen und Kupplungen sind sicherheitsrelevant. Gibt es Erfahrungen, ob Anwender aus Kostengründen Qualitätsaspekte vernachlässigen?

Onasch: Natürlich stehen auch unsere Kunden im internationalen Wettbewerb und unter erheblichem Kostendruck. Daher kommt dem Thema Design to Cost oder Design to Market eine herausragende Bedeutung zu. Sofern Vertrieb- und Serviceaufgabe vom Komponentenhersteller sauber wahrgenommen wird und Komponenten gewählt werden, die nicht „over-engineered“ sind, geht Qualität vor Kosten. Es ist die Aufgabe des Komponentenherstellers, seine Leistung, die zum großen Teil im Produkt, aber auch im produktbegleitenden Service steckt, nachvollziehbar zu machen.

VDI nachrichten: Lassen sich Qualitätsunterschiede von Einkäufern überhaupt zuverlässig prüfen?

Onasch: Unterschiede können je nach Anbieter und Herkunft recht groß sein und das ist nicht ohne weiteres für die Einkäufer bzw. Kunden zu verstehen. Häufig ist dies über die Lebensdauer der Komponenten – also die Life Cycle Costs – doch einigermaßen klar zu erkennen. Allgemein gilt auch hier, qualitativ hochwertige Produkte haben ihren Preis und es kommt darauf an, dass der Kunde in seinem Lieferanten einen verlässlichen Partner hat, der ihn auch regelmäßig über den Stand der Technik informiert. Ein wichtiger Punkt ist deshalb die Kommunikation und das Vertrauen in eine Marke.

VDI nachrichten: Wie schätzen sie die nächsten drei Jahre in der deutschen Antriebstechnik ein?

Onasch: Wir glauben, dass die deutsche Antriebstechnik Marktanteile gewinnt und weiter nachhaltig wachsen wird. Obwohl derzeit Engpässe auf der Materialseite und auch in der Möglichkeit bestehen, qualifizierte Ingenieure zu gewinnen, ist eine Delle noch nicht absehbar. Es ist allerdings auch noch zu früh, um verlässlich über 2008 zu sprechen. Für 2007 erwarten wir ein weiteres Plus in den Produktionszahlen von mindestens 4 %. M. CIUPEK

Von M. Ciupek

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