Übernahme

Ob eine Übernahme erfolgt, hängt von wirtschaftlichen, betrieblichen und persönlichen Kriterien ab. Für junge Arbeitnehmer ist die Weiterbeschäftigung zumeist ein bedeutender Schritt im Lebenslauf. Arbeitgeber wappnen sich mit der Einstellung des eigenen Nachwuchses am besten gegen den steigenden Fachkräftemangel. Je nach Branche und Betrieb sind jedoch auch bei der Übernahme die Folgen der Corona-Krise spürbar.

Es gibt keine gesetzliche Verpflichtung zur Übernahme

Kein Gesetz schreibt dem Arbeitgeber grundsätzlich vor, den nun ausgebildeten Berufseinsteiger zu übernehmen. Mit zwei Ausnahmen: Jedes Mitglied der Jugend- und Auszubildendenvertretung genießt einen besonderen Schutz und muss vom Ausbildungsbetrieb übernommen werden – wenn fristgerecht ein entsprechender Antrag gestellt wird. Ausnahme Nummer zwei betrifft Azubis, für die ein Tarifvertrag gilt, der genau diese Übernahme festschreibt. Die IG Metall hat eine solche Weiterbeschäftigung nach der Ausbildung beispielsweise mit den Arbeitgebern der Metall- und Elektroindustrie und der Eisen- und Stahlindustrie ausgehandelt. In allen anderen Fällen endet das Ausbildungsverhältnis mit dem Tag der bestandenen Abschlussprüfung automatisch – ohne dass es einer gesonderten Kündigung bedarf.

Die Sechs-Monatsfrist

Grundsätzlich empfiehlt es sich, sechs Monate vor dem auslaufen des Vertrags ein Übernahmegespräch mit dem Vorgesetzten zu suchen. Vorausgesetzt, es besteht der eindeutige Wille und Wunsch, im angestammten Betrieb weiter beschäftigt zu bleiben. Zu diesem Zeitpunkt sollte auch der Arbeitgeber in einem Übernahmegespräch seine Pläne bereits kommunizieren können.

Die Zwei-Drittel-Quote

Nach Untersuchungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung wurden in den letzten Jahren durchschnittlich rund zwei Drittel der Ausbildungsabsolventen von ihren Betrieben übernommen. Etwas weniger als 20 Prozent gelang trotz Betriebswechsel ein Berufseinstieg ohne zwischenzeitliche Arbeitslosigkeit.

Diese Regelungen gelten bei einer vereinbarten Übernahme

Gibt es zwischen Ausbildungsverhältnis und Arbeitsverhältnis keine Unterbrechung – was normalerweise die Regel ist – so betrachtet der Gesetzgeber beide als eine Einheit. Daraus ergeben sich eine Reihe von Konsequenzen für die Zeit nach der Übernahme:

  • Der neue Arbeitnehmer genießt sofortigen Kündigungsschutz, da die Ausbildungszeit als Beschäftigungszeit voll angerechnet wird.
  • Aus dem gleichen Grund bleibt der Anspruch auf Entgeltfortzahlung bei Krankheit bestehen.
  • Einen eventuellen Resturlaub aus dem Ausbildungsverhältnis nimmt der neue Mitarbeiter mit in das Arbeitsverhältnis. Eine finanzielle Abgeltung dieses Urlaubs ist nicht gestattet.
  • Es steht dem Arbeitgeber frei, auch für das neue Arbeitsverhältnis eine Probezeit zu vereinbaren. Dies mag ein wenig befremdlich erscheinen, da der Ex-Azubi durch seine bestandene Abschlussprüfung seine Qualifikation unter Beweis gestellt hat – es ist in der Praxis jedoch durchaus üblich.

Übernahme light: Der befristete Arbeitsvertrag

Der Arbeitgeber kann anstelle einer vollwertigen Übernahme auch einen befristeten Arbeitsvertrag anbieten. Für Berufseinsteiger ist dies oft eine gute Alternative zu gar keiner Weiterbeschäftigung. Läuft der Vertrag beispielsweise über ein Jahr, so können in dieser Zeit weitere Qualifikationen und praktische Erfahrungskompetenzen erworben werden, die sich anschließend positiv im Lebenslauf darstellen lassen. Die zulässige Höchstdauer für befristete Arbeitsverträge liegt bei zwei Jahren.

Das ungewollte Arbeitsverhältnis

Wie erwähnt, markiert die bestandene Abschlussprüfung das sofortige Ende des Ausbildungsverhältnisses. Arbeitgeber, die ihren Auszubildenden nach dieser Zäsur weiterbeschäftigen, begründen damit einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Und für diesen Tatbestand reicht bereits eine einzige Stunde Arbeit. Auch wenn der Arbeitgeber ursprünglich keine Weiterbeschäftigung im Sinne hatte, wird der ehemalige Azubi auf diese Weise sozusagen automatisch übernommen.

Welche Vorteile hat eine Übernahme für Auszubildende?

Grundsätzlich erhöht eine Weiterbeschäftigung im Ausbildungsbetrieb die Chancen auf einen guten und erfolgreichen Einstieg in das Berufsleben beträchtlich. Arbeitsabläufe und Erfordernisse sind bekannt, gesamtbetriebliche Prozesse werden durchschaut und konkrete Eigenarten oder Besonderheiten sind bereits verinnerlicht – all dies verschafft Ex-Azubis einen entscheidenden Vorteil gegenüber externen Bewerbern. Die Vertrautheit wirkt sich positiv auf die Produktivität aus und führt damit zu Arbeitsergebnissen, die auch dem Arbeitgeber die Richtigkeit der Entscheidung aus dem Übernahmegespräch bestätigen. In jedem Fall signalisiert die Übernahme im Lebenslauf auch späteren potentiellen Arbeitgebern, dass der neue Mitarbeiter bislang mit Leistung, Qualifikation und Loyalität zu überzeugen wusste.

Wie sollte die Vorbereitung für ein Übernahmegespräch aussehen?

Junge Berufstätige sind gut beraten, das Übernahmegespräch als eine Art zweites Bewerbungsgespräch zu betrachten. Zwar sind sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer ja schon etwas länger bekannt, es kann aber nicht schaden, auf bestimmte Punkte explizit noch einmal hinzuweisen. Dies gilt umso mehr, je größer der Betrieb ist, wodurch der direkte Vorgesetzte möglicherweise weniger Einblick in die tägliche Arbeit des Azubis hat. Im Übernahmegespräch sollten unbedingt angesprochen werden:

  • Welche Stärken kann ich vorweisen?
  • Welche Erfolge habe ich in meiner Ausbildung erzielt?
  • Wie engagiert und sorgfältig verrichte ich meine Arbeit?
  • Wie gut ist mein Verhältnis zu Kollegen und Vorgesetzten?
  • Welche zukünftigen Aufgabenbereiche möchte ich gerne übernehmen?

Übernahmegespräch und Gehalt

In jedem Übernahmegespräch wird das Gehalt, das dem zukünftigen Mitarbeiter zu zahlen ist, eine nicht unwesentliche Rolle spielen. Trotzdem empfiehlt es sich für den Bewerber, den Gesprächsfokus zunächst eindeutig auf das eigene Können und die erworbenen Qualifikationen zu richten und nicht gleich mit der sprichwörtlichen Tür ins Haus zu fallen. Auszubildende können in aller Regel darauf vertrauen, dass der Arbeitgeber von sich aus im Übernahmegespräch auf das Gehalt zu sprechen kommt. Eine gute Recherche und Vorbereitung sind trotzdem zwingend erforderlich: Im Netz finden sich zu jeden Berufsbild Gehaltstabellen, die auch Aufschluss über die Einstiegsgehälter geben. Zu beachten sind dabei nicht nur Branche und Betriebsgröße, sondern auch die zum Teil erheblichen Unterschiede, die es zwischen den einzelnen Bundesländern gibt. Auf Basis dieser Informationen können Auszubildende im Übernahmegespräch ein bestimmtes Gehalt angeben, dass allgemein verbindlich oder üblich ist. Ein paar gute Argumente, warum dieses Gehalt mindestens „verdient“ ist, untermauern die Forderung. Dazu gehören beispielsweise sehr gute Berufsschulnoten oder wenige bis keine Krankheitstage.

Anschlussvertrag nach der Übernahme

Für gewöhnlich dürfen Arbeitnehmer davon ausgehen, dass die ihnen zur Unterschrift vorgelegten Arbeitsverträge den gesetzlich vorgeschrieben Standards entsprechen (Arbeitszeit und Kündigungsfristen, Urlaub, Krankheitsfall, Geheimhaltungsklausel und Datenschutz). Berufseinsteiger sollten nach dem Übernahmegespräch jedoch ein besonderes Augenmerk auf den Punkt „Arbeitsinhalte und Tätigkeitsschwerpunkte“ legen: Hier kann der Arbeitgeber recht frei entscheiden, welche Angaben er macht – die jedoch anschließend verbindlich sind.

Wenn das Übernahmegespräch negativ ausfällt

Eine gescheiterte Übernahme schlägt sich möglicherweise auf Motivation und Selbstvertrauen nieder. Die Marschrichtung sollte lauten, sich möglichst frühzeitig nach alternativen Arbeitgebern umzusehen – um so eventuelle Arbeitslosigkeit und erhebliche, finanzielle Einbußen zu vermeiden.

In der aktuellen Corona-Krise kommt erschwerend hinzu, dass viele Betriebe sehr zurückhaltend bei der Übernahme sind: Zu volatil sind die gesamtwirtschaftlichen – und in vielen Bereichen vor allem die betrieblichen – Perspektiven, um sicher sein zu können, dass die übernommenen Mitarbeitenden in der näheren Zukunft wirklich benötigt werden. Unter anderem, weil Nachfrage und Auftragsvolumina großen Schwankungen unterliegen. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung beobachtet auch deshalb eine steigende Anzahl von nur befristeten Verträgen nach der Übernahme.

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