Bitkom

Schloss in einer Platinenstruktur
Foto: panthermedia.net/Andreus

Geht es in Deutschland um das Thema Digitalisierung, kommen häufig Mitglieder des Verbandes Bitkom zu Wort. Der Verband setzt sich aus Organisationen und Unternehmen der Digitalwirtschaft zusammen. In der inzwischen mehr als 20-jährigen Geschichte setzt sich der Bitkom für zahlreiche digitale Themen politisch ein und stößt dabei häufig auf Kritik, vor allem, wenn es um das Thema Datenschutz geht. An dieser Stelle blicken wir auf die Geschichte des Bitkom und geben einen Überblick über die Ziele des Verbandes und die Kritik zum Thema Datenschutz und Big Data.

Was ist der Branchenverband Bitkom?

Beim Bitkom handelt es sich um den Branchenverband der deutschen Telekom-Branche. Deswegen lautet der vollständige Name der Organisation Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V. Der 1999 gegründete Verband zählt heute mehr als 2.500 Mitglieder aus einem breiten Spektrum von Unternehmen und Organisationen. Nachfolgend ein genauer Blick auf die Gründung des Bitkom und die Mitglieder des Verbandes.

Bitkom-Geschichte und Mitglieder

Die Gründung des Bitkom findet im Jahr 1999 in Berlin durch den Zusammenschluss unterschiedlicher, bereits bestehender Verbände und Arbeitsgemeinschaften statt. Neben dem Bundesverband Informationstechnologien (BVIT), sowie den Fachverbänden Informationstechnik im VDMA und Kommunikationstechnik im ZVEI sind daran zahlreiche weitere Verbände beteiligt. In den Jahren nach der Gründung schließen sich weitere Mitglieder unter dem Dach des Bitkom zusammen. Erster Präsident des neuen Verbandes wird Volker Jung. Vizepräsidenten sind Willi Berchtold, Jörg Menno Harms und Gerhard Jörg. Zu Beginn handelt es sich allerdings um einen reinen Dachverband für andere Verbände. Unternehmensmitgliedschaften sind anfangs nicht möglich. Erst Ende 2000 erlaubt der Bitkom auch Unternehmen die Mitgliedschaft. Diese Zusammensetzung unter dem Dach eines Verbandes erfolgt nicht grundlos. Stattdessen geht es um die Durchsetzung unterschiedlicher Ideen und Forderungen bei politischen Entscheidungsträgern.

Die Ziele des Bitkom

Der Zusammensetzung des Bitkom entsprechend sind die Ziele des Organisation Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V. vielfältig. Eigenen Aussagen zufolge geht es dem Verband vorrangig darum, die Arbeitsbedingungen für Unternehmen aus dem Telekom-Sektor zu verbessern. Dies geschieht primär durch die Einbringung von Ideen in politische Diskussionen. Dabei steht häufig das Thema Digitalisierung mit seinen zahlreichen Unterthemen im Mittelpunkt. So soll die Bildungspolitik stärker auf die Vorteile der Digitalisierung im Klassenzimmer ausgerichtet werden. Außerdem sei Forschung und Entwicklung im IT-Bereich voranzutreiben, um gegenüber anderen Nationen nicht den Anschluss zu verlieren. Unternehmen sollen dabei bessere technische Möglichkeiten erhalten, um im Sinn der Digitalisierung zu wachsen. Dazu gehört auch die bessere Ausstattung von öffentlichen Einrichtungen mit WLAN. Beim Thema Digitalisierung darf allerdings der Datenschutz nicht außer Acht gelassen werden. Die Forderungen nach weniger Datenschutz und stattdessen nach einer Datensouveränität stößt vielfach auf Kritik. Das zeigt sich spätestens mit dem Gewinn des BigBrotherAwards im Jahr 2017.

Bitkom, Big Data und Datenschutz

Der Umgang des Bitkom mit dem Thema Big Data und Datenschutz bringt der Organisation im Lauf der Zeit viel Kritik ein. Das führt dazu, dass der Bitkom im Jahr 2017 den „BigBrotherAward“ in der Kategorie Wirtschaft erhält. In der Begründung heißt es, dass der Verband penetrante Lobbyarbeit gegen den Datenschutz betreibe und als „Tarnorganisation“ großer US-Konzerne betrachtet werden könne. Der Verband und seine Mitgliedsorganisation fordern beispielsweise statt dem Datenschutz die Datensouveränität. In der Begründung für die Vergabe des Awards wird die schwammige Definition des Begriffs kritisiert. Darüber hinaus steht das durch den Verband geförderte Geschäftsmodell in der Kritik, welches sich um Big Data dreht. Konkret also ein um Sammeln möglichst großer Datenbestände zu jedem einzelnen, um ein umfassendes (digitales) Bild zu erschaffen. So gesammelte Datenmengen eignen sich für Unternehmen, um ihre Geschäftsmodelle präziser an das Nutzerverhalten anpassen zu können.

Auf die Verleihung des Awards reagiert der Bitkom damit, dass die Durchsetzung des Datenschutzes in der Vergangenheit Unterfangen wie die Einführung der digitalen Gesundheitskarte verzögert habe. Der Verband gibt zu verstehen, dass eine neue Balance in Sachen Datenschutz nötig sei, um sich zukünftigen Herausforderungen zu stellen. Dieser Konsens aus den Stimmen der verschiedenen Mitglieder wird mit der Politik auf verschiedenen Ebenen kommuniziert. Das wichtigste Beispiel ist der nationale IT-Gipfel, der Politiker und Vertreter aus der IT-Wirtschaft zusammenbringt.

Bitkom-Veranstaltungen

Eine Veranstaltung, die IT-Wirtschaft und Politik zusammenbringt, ist der nationale IT-Gipfel. Dort diskutieren Vertreter aus der Politik mit Wirtschaftsvertretern über die Zukunft der Branche und dafür nötige politische Entwicklungen. Dem Bitkom zufolge handelt es sich um eine optimale Möglichkeit der Zusammenarbeit von Telekom-Unternehmen und politischen Entscheidungsträgern, um die digitale Agenda der Bundesregierung mit zu formen. Die Zusammenarbeit zwischen Politik und Bitkom erstreckt sich allerdings über den nationalen IT-Gipfel hinaus. Beispielsweise auf die Arbeitsgruppe „Digitale Wirtschaft und digitales Arbeiten“. In diesem Bereich sollen konkrete Maßnahmen und Projekte entwickelt werden. Mit der Gründung des Vereins Selbstregulierung Informationswirtschaft (SRIW) schaltet sich Bitkom im Jahr 2011 in die Formung des europäischen Datenschutzrechts ein. Die Steigerung des Vertrauens der Nutzer in digitale Produkte und Services soll laut eigenen Aussagen gestärkt werden. Kritiker sehen an dieser Stelle einen weiteren Schritt in Richtung Selbstregulierung beim Datenschutz, während der gesetzliche Datenschutz gering gehalten wird.

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