Karrieretelefon vom 19. August 2016 06.09.2016, 00:00 Uhr

Tipps fürs Karrierelabyrinth

Mareile Ried (M Plan) und Rolf Klausmann (Kempers Partner) beantworteten am Donnerstag vergangener Woche Karrierefragen unserer Leser. In den Beratungsgesprächen ging es unter anderem um den Einstieg ins Berufsleben und erzwungene Jobwechsel.

Mareile Ried und Rolf Klausmann gaben hilfreiche Tipps.

Mareile Ried und Rolf Klausmann gaben hilfreiche Tipps.

Ich bin 33 Jahre alt und habe vor einem Jahr mein Bachelorstudium in Wirtschaftsingenieurwesen in Regelstudienzeit beendet. Ich habe ein Praxissemester absolviert und meine Bachelor-Arbeit in einem Unternehmen geschrieben. Davor hatte ich zunächst eine Ausbildung als Elektroinstallateur erfolgreich abgeschlossen, mein Abitur gemacht und fünf Semester Elektrotechnik studiert. Leider musste ich den Studiengang wechseln, da ich mehrfach eine Prüfung nicht bestanden hatte. Im vergangenen Jahr habe ich 16 Vorstellungsgespräche geführt – erfolglos. Was kann ich tun, um eine Stelle zu finden?

Ihre vielen Vorstellungsgespräche zeigen, dass Ihre Bewerbungsunterlagen durchaus überzeugen. Wenn Sie zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werden, kann sich das Unternehmen aufgrund Ihrer Unterlagen grundsätzlich schon einmal vorstellen, dass Sie für die Stelle fachlich geeignet sind. Im Vorstellungsgespräch gilt es dann, fachlich, aber vor allem auch persönlich, zu überzeugen. Informieren Sie sich unbedingt im Vorfeld über das Unternehmen. Befassen Sie sich intensiv mit der Stellenbeschreibung, mit der Aufgabe, die auf Sie zukommt. Zeigen Sie, warum Sie der richtige Kandidat für die Aufgabe sind.

Dies tun Sie idealerweise schon bei Ihrer Eigenpräsentation, indem Sie Brücken bauen von Ihren besonderen Fähigkeiten und praktischen Erfahrungen hin zu den Aufgaben der Stelle. Erfahrungsgemäß wird dies von den Bewerbern oft vernachlässigt.

Einige weitere Tipps: Machen Sie deutlich, warum das Unternehmen und die Aufgabe Sie besonders reizen. Stellen Sie Fragen! Sie beweisen damit Interesse. Achten Sie auf ein angemessenes Outfit. Zeigen Sie, dass Sie in der langen Bewerbungsphase nicht untätig geblieben sind und sich etwa über Schulungsvideos weitergebildet haben.

Ich bin 44 Jahre alt und Diplom-Ingenieur in Maschinenbau. Seit 17 Jahren arbeite ich als Konstrukteur im selben Unternehmen. In den letzten Jahren absolvierte ich nebenberuflich ein Weiterbildungsstudium in Innovationsmanagement/ Ideenmanagement (Master). Ich würde mich nun gerne innerhalb des Unternehmens verändern. Ich habe bereits ein Gespräch mit meinem Vorgesetzten zum Thema Gehaltserhöhung geführt, aber er blockt ab. Was kann ich tun, um aufzusteigen?

Suchen Sie erneut das Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten. Vermitteln Sie ihm, dass Sie an Ihr Weiterbildungsstudium anknüpfen möchten. Stellen Sie heraus, welche Vorteile das Unternehmen aus Ihren neuen Kenntnissen und Fähigkeiten ziehen kann.

Wenn er daran interessiert ist, Sie als Mitarbeiter zu halten, wird er Ihnen neue Perspektiven aufzeigen. Tut er dies nicht, können Sie sich immer noch nach Entwicklungsmöglichkeiten in einem anderen Unternehmen umschauen.

Ich bin 33 Jahre alt und habe kürzlich mein Bachelor-Studium in Energietechnik abgeschlossen Ich habe ein Kind, dessen Betreuung sichergestellt ist. Nun überlege ich, ob ich ein Masterstudium beginnen oder direkt in den Beruf einsteigen soll. Was raten Sie mir?

Stellen Sie sich zunächst die Frage, welchen Berufsweg Sie einschlagen möchten. Streben Sie eine akademische Karriere an? Dann wäre ein Masterstudium auf jeden Fall ratsam. Möchten Sie aber in der freien Wirtschaft arbeiten, rate ich Ihnen zum direkten Berufseinstieg, insbesondere angesichts des Alters. Je früher sie Berufserfahrung sammeln, desto besser. Die Möglichkeit, das Masterstudium zu machen, läuft Ihnen ja nicht davon. Zudem schließt das eine das andere nicht aus. Es gibt Universitäten und Hochschulen, die einen berufsbegleitenden Masterstudiengang anbieten. Informieren Sie sich über die Möglichkeiten, die sich Ihnen in Ihrem gewünschten Schwerpunkt bieten.

Ich bin Elektroingenieur bei einem großen Anlagenbauer. Bis vor einigen Jahren habe ich erfolgreich und eigenverantwortlich die Niederlassung in einem Exportland aufgebaut. Nach meiner Rückkehr aus dem Ausland konnte mir mein Arbeitgeber nur eine Aufgabe mit geringerem Verantwortungsumfang übertragen. Jetzt frage ich mich: Welche Karrieremöglichkeiten bleiben mir nach einer mehr als 20-jährigen Tätigkeit noch?

Die Reduzierung der Kompetenzen nach Rückkehr ins Stammhaus der Muttergesellschaft ist leider kein Einzelfall. Oft wechseln die Rückkehrer schnell aus Frust den Arbeitgeber. Eine solche Reaktion ist zwar verständlich, aber selten sinnvoll. Meist werden die Jobwechsler beim neuen Arbeitgeber nicht glücklich und kündigen nach kurzer Zeit ein weiteres Mal.

Sie sollten deshalb bei Ihrer Karriereplanung einen kühlen Kopf bewahren. Analysieren Sie wie bei Ihren täglichen Aufgaben die Situation ingenieurmäßig. Erstellen Sie eine Entscheidungstabelle: Mit welchen Arbeitsinhalten möchten Sie sich beschäftigen? Welche Randbedingungen sind für Sie wichtig? Welche Branchen und Firmen kommen für Sie infrage? Aber auch: Sind Sie offen dafür, mit Ihrer Familie in eine andere Region umzuziehen? Sind Sie bereit zu einem größeren zeitlichen Engagement, das fast immer mit der Übernahme einer neuen Aufgabe verbunden ist?

Beantworten Sie sich diese und viele weitere Fragen, die sich bei einem Jobwechsel stellen, mit größtmöglicher Ehrlichkeit. Egal, zu welchen Ergebnissen Sie dabei kommen – Ihr weiterer Weg basiert auf einer wesentlich festeren Grundlage. So beugen Sie einem beruflichen Scheitern mit noch größerem Frustgefühl vor. Zielführend kann es auch sein, den beschriebenen Entscheidungsprozess mit einem Businesscoach zu durchlaufen. Er ist emotional nicht beteiligt und kann Ihnen deshalb helfen, eine pragmatische Entscheidung zu treffen.

Ich war einige Jahre erfolgreich als Abteilungsleiter bei einem international renommierten Maschinenbauer tätig. Jetzt hat sich der Firmeneigner zu einem Strategiewechsel entschlossen, was die Auflösung meiner Abteilung zur Folge hat. Ich war vor meiner jetzigen Stelle schon in mehreren Branchen in unterschiedlichen Funktionen tätig. Wie kann ich bei der anstehenden Jobsuche diesen Werdegang bestmöglich darstellen?

Nicht so sehr die vielen Arbeitgeberwechsel als vielmehr die recht unterschiedlichen Aufgabeinhalte dürften bei vielen potenziellen Arbeitgebern ein Stirnrunzeln hervorrufen, wenn nicht gar eine Ablehnung der Bewerbung. Arbeiten Sie deshalb sachlich und ehrlich die fachlichen und funktionellen Schnittlinien Ihrer bisherigen Tätigkeiten heraus. Auf dieser Basis sollten Sie Aufgabenbereich und/oder Funktionsbereiche identifizieren, die dazu passen. Im nächsten Schritt folgt die Auswahl potenzieller Arbeitgeber. Ein gezieltes Vorgehen ist bei Weitem erfolgversprechender, als Bewerbungen auf jede halbwegs passende Position zu verschicken.

Ich bin derzeit Mitarbeiterin bei einem bekannten, großen Ingenieurdienstleister. Nun möchte ich zu einem produzierenden Unternehmen wechseln. Wie begründe ich, dass ich bislang „nur“ bei einem Dienstleiter gearbeitet habe?

Früher mag Ihre Sorge berechtigt gewesen sein, inzwischen ist sie das aber längst nicht mehr. Viele Einsteiger in den Ingenieurberuf beginnen bewusst bei einem Ingenieurdienstleister, um sich ein breiteres Erfahrungsspektrum zu erarbeiten. Arbeitgeber honorieren es, wenn neue Mitarbeiter unterschiedliche Firmenumfelder kennen und damit über einen weiten Erfahrungshorizont verfügen. Sie sollten deshalb ihre vielseitigen Erfahrungen mit großem Selbstbewusstsein präsentieren.

Ich bin Maschinenbauabsolvent mit Spezialisierung auf Luft- und Raumfahrt. Seit einigen Monaten bemühe ich mich um eine erste Anstellung. Trotz meines sehr guten Studienabschlusses bekam ich bislang nur Absagen, weil Bewerber mit Berufserfahrung bevorzugt werden. Was kann ich tun?

Berücksichtigen Sie bitte nicht nur das enge Feld der Arbeitgeber in der Luft- und Raumfahrt. Sie können ihr erworbenes Wissen auch in den Randbereichen der Branche, etwa bei Zulieferern, einbringen. Ein späterer Wechsel zu einem großen Anbieter in der Luft- und Raumfahrtindustrie ist dann immer noch möglich.

Außerdem sollten Sie analysieren, in welchen anderen Branchen Ihre fachliche Kompetenz ebenfalls gefragt sein könnte. So ist zum Beispiel Strömungslehre nicht nur in der Luft- und Raumfahrt relevant, sondern auch in vielen anderen Branchen. Auf diese Weise erweitern Sie den Kreis der Unternehmen, die für eine Bewerbung infrage kommen ganz erheblich.

Von Peter Schwarz

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