Karrieretelefon

Karriere Telefon

Ein Schwätzchen auf Facebook mit dem Personaler wagen? Zu lange arbeitslos nach dem Studium? Promoviert in der falschen Branche? Nachfolgend Auszüge aus den Antworten der Personalexperten am Karrieretelefon der VDI nachrichten.

Andy Fuchs, Referent Personalmarketing beim Tüv Rheinland

Andy Fuchs, Referent Personalmarketing beim Tüv Rheinland

Quelle: privat

Dirk Kremer, Personalmanagement-Experte

Dirk Kremer, Personalmanagement-Experte

Quelle: privat

Sie suchen Einstiegsmöglichkeiten, haben Probleme bei der Bewerbung? Sie möchten den Arbeitgeber wechseln, wissen aber nicht, wie Sie vorgehen sollen? Sie werden gemobbt? Unsere beiden Personalexperten kennen sich in Fragen der Karriereplanung und den damit verbundenen Stolpersteinen bestens aus.

Andy Fuchs weiß Rat für Bewerbungen, Vorstellungsgespräche und die berufliche Entwicklung.

Dirk Kremer kennt sich mit Karriereplanung, Nutzung von Social Media und Recruiting-Events aus.

Frage: Der Anrufer möchte sich beruflich von seinem Aufgabengebiet her verändern. Jetzt hat er ein Vorstellungsgespräch bei einem neuen Unternehmen, aber auch sein derzeitiger Arbeitgeber macht ihm das Angebot, sich firmenintern verändern zu können. Soll der Bewerber das im externen Bewerbungsgespräch erwähnen?

Rat: Grundsätzlich zunächst entscheiden, ob ein Wechsel überhaupt noch infrage kommt, da gegebenenfalls schon das interne Angebot in vollem Umfang zufriedenstellt. In einem ersten externen Vorstellungsgespräch müssen nicht unbedingt alle Karten auf den Tisch gelegt werden.

Hier geht es erst einmal darum, beiderseitig auszuloten, inwieweit die Position, das Unternehmen, das Bewerberprofil etc. vom Grundsatz her deckungsgleich sind. Allerdings kann ein entsprechender Hinweis auf die anstehende „Entscheidungssituation“ durchaus angebracht sein. Dies sollte sehr sensibel von der Gesprächssituation und der eigenen Interessenlage abhängig gemacht werden.

Frage: Die Absolventin eines Master-Studienganges will wissen, ob sie sich auf eine Stellenausschreibung für Diplom-Ingenieure/innen bewerben kann.

Rat: Eindeutig Ja! Die ausgeschriebene oder angesprochene Fachdisziplin der Position sollte allerdings mit dem eigenen Abschluss identisch sein bzw. dem sehr nahe kommen.

Frage: Sind Praktika und Studentenjobs schon Berufserfahrungen?

Rat: Wenn Praktika und/oder (Studenten-)Jobs in Bezug auf die ausgeschriebene Position als „einschlägig“ zu betrachten sind oder dem sehr nahe kommen, kann dies durchaus relevant und von Vorteil sein. Einschränkung: Schauen Sie auf die Formulierung, ob Ihre Tätigkeit wirklich unter profund, langjährig, mindestens x Jahre fällt oder dort steht, erste Erfahrungen sind von Vorteil, sind wünschenswert etc.

Frage: Ist es sinnvoll/vorteilhaft, während eines laufenden Bewerbungsprozesses oder nach dem Vorstellungsgespräch über Facebook/Xing/LinkedIn o. ä. Kontakt zu dem Ansprechpartner des Unternehmens aufzunehmen?

Rat: Dringendes Abraten. Vor oder während eines laufenden Bewerbungsprozesses wird ein solches Vorgehen mit großer Wahrscheinlichkeit eher als „plump, unsensibel, anbiedernd und/oder nervend“, also eher negativ wahrgenommen. Eine Entscheidung, egal in welchem Stadium eines Bewerbungsverfahrens/Auswahlprozesses, kann, wird und darf nicht von einer Vernetzung oder „Freundschaft“ in einem sozialen Netzwerk abhängig sein oder gemacht werden.

Frage: Der Anrufer promoviert gerade im Bereich Kerntechnik, möchte aber nicht in dem Bereich arbeiten. Was soll er tun, wie kann der das begründen?

Rat: Durch die Ereignisse der letzten Zeit ist es nicht verwunderlich, dass man in diesem Bereich nicht mehr seine berufliche Zukunft sieht. Das war zum Anfang der Doktorarbeit noch anders und so nicht abzusehen. Sprechen Sie das offen in den Gesprächen an. Es muss Ihnen aber auch klar sein, dass Sie in einem fachfremden Bereich auf einem anderen Level einsteigen als das vielleicht im Fachgebiet der Fall gewesen wäre.

Frage: Anrufer hat Studium vor acht Monaten abgeschlossen und noch keinen Job. In der Zeit hat er ca. 25 Bewerbungen geschrieben. Dadurch, dass er schon so lange ohne Job ist, wird es immer schwieriger, den Einstieg zu finden. Wie kann er die lange Zeit begründen, was soll er Unternehmen sagen?

Rat: Da gibt es leider wenig zu beschönigen und keine Ausreden. Die Alarmglocken hätten schon vor langer Zeit klingeln müssen. Je länger Sie nach Beendigung des Studiums ohne Job sind, desto schwieriger wird es, den Einstieg zu finden. Gut begründen kann man so etwas nur schwer.

Die Zahl von 25 Bewerbungen ist für den verhältnismäßig langen Zeitraum ohne Job viel zu wenig und Sie dürfen nicht allzu wählerisch sein. Es hilft nichts, Sie müssen so schnell wie möglich einen Job finden und alle zur Verfügung stehenden Kanäle nutzen.

Frage: Anrufer kann nicht so gut Englisch, hat Bedenken, sich auf Stellen zu bewerben, wo Englischkenntnisse gefragt sind.

Rat: Bei den eigenen Englischkenntnissen zweifeln die meisten Bewerber. Natürlich ist es in der heutigen Arbeitswelt sehr wichtig, über gutes Englisch zu verfügen, aber hier gibt es Unterschiede und nicht für alle Positionen ist perfektes Englisch die zwingende Voraussetzung, lassen Sie sich also nicht immer abschrecken.

Viele Arbeitgeber bieten ihren Mitarbeitern zudem die Teilnahme an Englischkursen an. Wenn man sein Englisch wirklich verbessern will, sollte man auch mal über einen Sprachurlaub nachdenken. Das ist oftmals nicht besonders teuer und sehr wirksam.

Frage: Ein Anrufer will sich bei einem Unternehmen für eine Diplomarbeit bewerben, was muss man alles angeben?

Rat: Auch wenn man als Bewerber natürlich nicht wissen kann, welches Thema vielleicht gerade für ein Unternehmen von Interesse ist, sollte man in der Bewerbung schon mal eine Richtung oder ein Themengebiet angeben. So zeigt man, dass man sich bereits Gedanken gemacht hat und im Unternehmen kann die Bewerbung an die richtige Fachabteilung weitergeleitet werden.

Informationsquellen über Unternehmen und deren Betätigungsfelder gibt es ausreichend, sodass man auch im Vorfeld schon potenzielle Themengebiete abstecken kann. Vage Initiativbewerbungen, die breit gestreut an eine Vielzahl von Unternehmen geschickt werden, haben meistens keine guten Erfolgsaussichten.

 

 

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