Karrieretelefon

Beim Gefühl der Überforderung hilft häufig ein Gespräch

Wechselwillige, die sich mit der englischen Sprache schwertun, geraten im Bewerbungsstapel schnell ganz nach unten. Um Stolpersteine wie diesen aus dem Weg zu räumen, standen die Karriereexperten unseren Lesern Rede und Antwort.

Petra Kasüschke, Führungskraft bei Vallourec Mannesmann Tubes in Düsseldorf

Petra Kasüschke, Führungskraft bei Vallourec Mannesmann Tubes in Düsseldorf

Quelle: Vallourec

Dirk Kremer, Personalmanagement-Experte

Dirk Kremer, Personalmanagement-Experte

Quelle: privat

Wie verkaufe ich am besten meine Talente? Wie bekomme ich Familie und Beruf unter einen Hut? Wie funktioniert der Aufstieg ins Management, wie der Berufswechsel? Die Personal- und Talentsucher Petra Kasüschke und Dirk Kremer geben Insider-Tipps auf Basis langjähriger Erfahrung. Petra Kasüschke hat Beratungsschwerpunkte bei Bewerbungsprozessen, Einstellungsgesprächen, Berufseinstieg und Karriereentwicklung von Führungskräftenachwuchs. Dirk Kremer berät ebenfalls hinsichtlich Bewerbungsgesprächen, aber auch bei Social Media Recruiting, Karriereplanung, Besetzung von Fach- und Führungspositionen, operativem und strategischem Personalmanagement. Für beide Experten gilt: Sie beantworten vertraulich all Ihre Fragen, auch die zu Themen, die man am besten ohne fremde Zuhörer bespricht.

Problem: Eine 30-jährige Ingenieurin arbeitet seit 2006 in einem Schifffahrtsunternehmen. Nach siebenjähriger Tätigkeit im technischen Einkauf möchte sie jetzt den Arbeitgeber wechseln und Führungsverantwortung übernehmen. Auf ihre Bewerbungen folgen nur Angebote auf Sachbearbeiterstellen. Was nun?

Rat: Eine externe Bewerberin, die keine Führungsverantwortung vorweisen kann, ist für die meisten Arbeitgeber ein zu großes Risiko. Die Ingenieurin müsste bei einem Wechsel also in den sauren Apfel beißen und sich hocharbeiten.

Die Perspektive einer möglichen Karriere sollte aber gegeben sein. Zudem sollten Arbeitsumfeld, Gehalt und Team bei der neuen Firma ähnlich gut oder besser als bei der alten Firma sein. Das Gesamtpaket muss stimmen.

Problem: Einem Elektroingenieur droht eine Gehaltskürzung, weil sein Job laut Arbeitgeber eine neue Stellenbewertung erfährt. Muss man das über sich ergehen lassen?

Rat: Der Elektroingenieur sollte das Gespräch mit seinem Vorgesetzten suchen und ihn darauf ansprechen, ob es tatsächlich nur an dem Job liegt oder ob die Entscheidung auf anderen Gründen basiert. Von einer Änderungskündigung und einer Klage ist abzuraten, weil der Richter auf ein zerrüttetes Vertrauensverhältnis schließen könnte, was im schlimmsten Fall den Verlust des Arbeitsplatzes bedeuten könnte.

Will der Ingenieur in der Firma bleiben, würde das die Fronten zu sehr verhärten.

Problem: Einem Anrufer kommen Zweifel, ob er die geeignete Arbeitsstelle gewählt hat. Er fühlt sich in der Probezeit überfordert. Soll er kündigen?

Rat: Zunächst die Ruhe bewahren! Besser als die Kündigung ist es, den Vorgesetzten und die Kollegen um Hilfe zu bitten. Vielleicht schätzt man die Situation falsch ein.

Problem: Ein 46-jähriger Maschinenbauingenieur ist seit einem Jahr Projektleiter bei einem Automobilzulieferer. Die Gehälter seiner Kollegen seien höher, beanstandet er. Soll er nachverhandeln?

Rat: Nein. Erst im Mitarbeitergespräch sollte der Maschinenbauingenieur auf besonders gut erledigte Aufgaben verweisen und dann auch die Gelegenheit ergreifen, eine Gehaltserhöhung anzusprechen, nicht aber die Bezahlung der Kollegen als Argument anführen.

Problem: Ein Diplom-Ingenieur möchte nach mehrjähriger Firmenzughörigkeit den Arbeitgeber wechseln. Dass es trotz einiger Bewerbungen bislang nicht geklappt hat, führt der Ingenieur auf seine mangelhaften Sprachkenntnisse im Englischen zurück.

Rat: In der Tat werden ausreichende Englischkenntnisse in vielen Ausschreibungen standardmäßig gefordert und sind durch die internationalen Aktivitäten und Vernetzung vieler Unternehmen auch notwendig. Es gibt viele Möglichkeiten, sich zumindest grundlegende Englischkenntnisse anzueignen, weiterzuentwickeln und zu trainieren.

Ein gewisser Aufwand muss allerdings betrieben werden, da reicht eine Stunde in der Woche an der Volkshochschule nicht aus.

Problem: Nach häufigen Wechseln mit nur ein- bis zweijähriger Verweildauer in Unternehmen ist eine Ingenieurin nun seit fast drei Jahren bei einem Personaldienstleister beschäftigt und sehr zufrieden. Aber könnte sich eine zu lange Verweildauer bei einem Personaldienstleister im Lebenslauf negativ auswirken?

Rat: Gerade weil die Ingenieurin in ihrer derzeitigen Beschäftigung zufrieden ist, sollte eine längere Beschäftigungsdauer angestrebt werden – wobei auf gute Kundenreferenzen Wert gelegt werden sollte. Schließlich ist nicht ausgeschlossen, dass sich bei Erfolg und guten Leistungen die Übernahme bei einem Kunden ergibt.

 

 

Von Wolfgang Schmitz

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