Karrieretelefon

Mit Expertenrat zum Karriereziel

Die Personalexperten Margret Wieczorek und Johannes Pelzer standen den VDI nachrichten Lesern zu Karrierethemen Rede und Antwort …

Margret Wieczorek, Pesonalabteilung Wieczorek und Partner

Margret Wieczorek, Pesonalabteilung Wieczorek und Partner

Quelle: Privat

Ich führe nach 14 Jahren Pause bald das zweite Vorstellungsgespräch meines Berufslebens – was kommt auf mich zu?

Ein klassisches Vorstellungsgespräch gliedert sich in fünf Phasen: Begrüßung und Smalltalk, Bewerberpräsentation, Unternehmensvorstellung, Rückfragen, Verbleib und Verabschiedung. Je nach Vorlieben des Interviewers können Phase 2 und 3 in der Reihenfolge variieren, daher bereiten Sie sich bitte auf die Phasen einzeln vor und lassen sich durch einen veränderten Ablauf nicht aus der Ruhe bringen.

Als phasenübergreifende Ratschläge möchte ich drei Dinge hervorheben: Stellen Sie sich mit Vor- und Nachnamen vor. Das wirkt persönlicher und bleibt in Erinnerung. Setzen Sie in der Vorstellung Ihres Werdeganges Akzente, die Parallelen zu Unternehmen und gesuchter Stelle nahelegen – der Interviewer wird es Ihnen danken. Achten Sie unbedingt auf einen konkreten Verbleib am Ende des Gespräches: Wer meldet sich bei wem bis wann mit welchem Schritt? Spricht es der Interviewer nicht an, zeigen Sie durch Nachfrage aufrichtiges Interesse an der Position.

Sollte ich als erfahrene Führungskraft den nächsten Karriereschritt gemeinsam mit einer Personalberatung planen?

Ich habe selbst als Personalberater gearbeitet und arbeite heute noch mit einem ausgewählten Kreis von Beratern zusammen. Gerade wenn Sie in direkten Stellenausschreibungen von Unternehmen nicht fündig werden oder sich länger nicht bewerben mussten, kann ich die Zusammenarbeit mit einer spezialisierten Personalberatung grundsätzlich empfehlen.
Ich betone „spezialisiert“: Ein breites Streuen Ihres Lebenslaufs an unterschiedliche Ausschreibungen von Personalberatungen ist nicht sinnvoll. Gute Personalberatungen gliedern sich nach Branchen und Seniorität. Sie kennen oft die Personalplanung ihrer Auftraggeber im Voraus. Daher empfehle ich Ihnen ein persönliches Kennenlernen ausgewählter Personalberatungen. Erst danach sollten Sie entscheiden, wer Sie vertritt.

Ich habe gerade meinen Master erfolgreich abgeschlossen. Zwischen Bachelor- und Masterabschluss habe ich bereits zwei Jahre Vollzeit gearbeitet. Wie stelle ich in meinen Bewerbungsunterlagen heraus, dass ich Absolvent mit Berufserfahrung bin?

Gliedern Sie Ihren Lebenslauf thematisch in Berufserfahrung und akademische Ausbildung. So heben Sie die Berufserfahrung in den Fokus, ohne das Dokument zu überfrachten. Beim jetzigen Stand Ihrer Berufserfahrung sollten Sie den Lebenslauf übersichtlich auf einer Seite darstellen. Wenn Sie Ihre Berufserfahrungen detaillierter untergliedern möchten, rate ich Ihnen zur Anfertigung einer Extraseite. Dort können Sie tiefer auf besondere Projekte eingehen.

Ich habe vor vier Jahren mein Maschinenbau-Studium mit dem Bachelor abgeschlossen. Vor zwei Jahren bin ich von dem Unternehmen, bei dem ich meine Bachelorarbeit geschrieben hatte, abgeworben worden. Im Sommer gab es zwar unsere tarifliche Gehaltserhöhung, aber ansonsten hat sich an meinem Einstiegsgehalt noch nichts verändert. Kann ich um eine Gehaltserhöhung bitten? Soll ich den Geschäftsführer – ich arbeite in einem mittelständischen, inhabergeführten Unternehmen – anmailen und meinen Wunsch äußern?

Natürlich dürfen Sie nach zwei Jahren Zugehörigkeit um eine Gehaltserhöhung bitten, die mit der üblichen Tariferhöhung nichts zu tun hat. Ein geeigneter Zeitpunkt könnte das Jahresende/der Jahresbeginn sein, etwa im Rahmen eines Mitarbeitergesprächs. Allerdings sollten Sie die Gehaltserhöhung begründen. Notieren Sie, was an neuen Aufgaben/Verantwortlichkeiten seit Ihrem Einstieg ins Unternehmen dazugekommen ist, wofür Sie alleinige Verantwortung trugen, fachlich wie eventuell auch personell. Zur Vorgehensweise: den Geschäftsführer nicht anmailen, sondern über das Sekretariat einen Gesprächstermin vereinbaren. Ihre Notizen dürfen Sie übrigens als Gedankenstütze ins Gespräch mitnehmen.

Ich bin 40 Jahre alt, gelernter Energieanlagenelektroniker. Während meiner langjährigen Tätigkeit als Triebwagenfahrer habe ich mich nebenberuflich zum Techniker/Programmierer weitergebildet. Als solcher habe ich zwei Jahre gearbeitet. Vor zwei Jahren begann ich das Studium „Angewandte Informatik“. Ich möchte später in der Softwareentwicklung arbeiten, idealerweise in der Autoindustrie. Wie finde ich den Einstieg? Soll ich das Studium abbrechen und eine neue Lehre beginnen?

Das Studium sollte nicht vergeblich gewesen sein. Eine weitere Ausbildung zu beginnen, halte ich für wenig zielführend. Bemühen Sie sich um Praktika, um Ihre theoretischen Kenntnisse durch Praxis zu untermauern. Die Praktika können Sie entweder mit dem Studium verbinden bzw. in der studienfreien Zeit als Block absolvieren.

Ich habe soeben ein Studium der Fahrzeugtechnik begonnen. Jetzt flattert mir jedoch das Vertragsangebot eines namhaften Konzerns für einen Ausbildungsplatz/duales Studium ins Haus. Habe ich Nachteile, wenn ich das Angebot annehme und so meinen Bachelorabschluss bekomme?

Nein, auf keinen Fall. Nehmen Sie das Angebot an, wenn Ihnen die Form eines dualen Studiums eher liegt. Konzerne ziehen sich im Übrigen auf diesem Weg gerne Führungsnachwuchs heran. Die Möglichkeit, den Masterabschluss anzuhängen, besteht dort ebenfalls. Außerdem haben Sie alle beruflichen Möglichkeiten, die ein Großkonzern bietet, wenn Sie sich bewähren.

Ich bin seit mehreren Jahren Leiter einer technischen Abteilung und möchte mich nun verändern. Da ich familiär nicht gebunden bin, bewerbe ich mich deutschlandweit. Zweimal ist es jetzt vorgekommen, dass im persönlichen Gespräch nachdrücklich meine Umzugsbereitschaft erfragt – und wie mir schien – angezweifelt wurde. Wie ist das zu erklären?

Dahinter steckt oft, dass Unternehmen schlechte Erfahrungen gemacht haben. Nicht selten kommt es vor, dass Führungskräfte zwar eine neue Position antreten. Während oder bei Ablauf der Probezeit kündigen sie dann aber, weil sie nicht umziehen möchten.
Ich empfehle Ihnen Folgendes: Wenn Sie gefragt werden, antworten Sie lächelnd – dabei dem Blick des Gegenübers standhaltend – dass Sie sicherlich nicht hier säßen, wenn Sie nicht zum Umzug bereit wären.

Ich befinde mich in der Bewerbungsphase. In einem Unternehmen steht ein Zweitgespräch an – in Vorbereitung darauf soll ich Referenzen von meinem letzten wie auch vorletzten Arbeitgeber einreichen. Den letzten Arbeitgeber möchte ich darauf nicht ansprechen, der Vorgesetzte der vorletzten Position ist bereits im Ruhestand. Wie soll ich mich verhalten?

Ich empfehle Ihnen folgende Formulierung: „Mein letzter Arbeitgeber steht grundsätzlich nicht für Referenzen zur Verfügung – unabhängig von der Person.“ Dann wahrheitsgemäß: „Der andere Vorgesetzte befindet sich bereits im Ruhestand, andere Kollegen werden nach acht Jahren keine Referenz mehr geben können.“

 

Von Peter Schwarz

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