Karrieretelefon

Im Zweifel tut es auch die Politik der kleinen Karriereschritte

Viele Anrufer fragen, wie sie sich ihren Wunsch nach einer attraktiveren Stelle erfüllen sollen. Vor allem jungen Ingenieuren mit wenig Berufserfahrung raten unsere Karrierefachleute: Nicht nach den Sternen greifen, sondern realistisch kleine Entwicklungsschritte planen. Häufig findet sich schon auf halber Strecke zum vermeintlichen Traumjob das erhoffte Berufsglück.

Sie wollen aufsteigen, aber der jetzige Job gefällt Ihnen und gegenüber dem Team wollen Sie sich nicht in den Vordergrund spielen, was tun? Wie weise ich meine Projekt- und Management-Fähigkeiten nach, wenn ich bisher offiziell noch nicht mit solchen Aufgaben betraut wurde? Probleme im Umgang mit Kollegen, Fragen zum Arbeitsrecht?

Es gibt Karriere-Themen, die bespricht man am besten im kleinen Kreis. Noch besser jedoch mit absoluten Experten auf diesem Gebiet. Beide Ansprechpartner unserer Telefonaktion sind Generalisten im Personalbereich, beantworten alle Leserfragen.

Sabine Büchin besitzt zusätzliche Kenntnisse im Arbeitsrecht, Andreas Wolter in der Personalorganisation und im Recruiting.

Problem: Ein junger Physiker mit dreijähriger Berufserfahrung an einem Forschungsinstitut kann keine Berufserfahrungen in der freien Wirtschaft vorweisen. Am Institut sah er keine Perspektiven, ist derzeit aber ohne Beschäftigung.

Er überlegt, sich auf Stellen als Teamleiter in der Messtechnik zu bewerben oder sich selbstständig zu machen. Hat er Chancen und wie wird seine derzeitige Arbeitslosigkeit aufgefasst?

Rat: Wenn sich unerfahrene Mitarbeiter mit dem Gedanken tragen, den Arbeitgeber zu wechseln, ist es immer ratsam, dieses aus einem festen bestehenden Arbeitsverhältnis heraus zu versuchen. In diesem Fall kommt zudem die Bewerbung auf eine Führungsposition verfrüht.

Bei relativ überschaubarer Berufserfahrung sollte man nicht nach den Sternen greifen, sondern realistisch kleine Entwicklungsschritte planen. Es ist sinnvoll, sich zunächst auf eine annähernd gleichwertige Position zu bewerben, deren Anforderungen souverän erfüllt werden können. Überzogene Selbsteinschätzungen wirken weder überzeugend noch authentisch.

Problem: Einer Produktmanagerin wurde zum Mai 2013 betriebsbedingt gekündigt. Sie ist verheiratet und hat zwei kleine Kinder. Die Familie steckt mitten im Hausbau, sodass die Werkstoffingenieurin bei der Stellenauswahl unflexibel ist.

Rat: Bei der Stellensuche sollte die Ingenieurin nicht nur auf ausgeschriebene Stellen im Umkreis reagieren, sondern auch gezielt Unternehmen mit einer Initiativbewerbung anschreiben. Verfügt das jeweilige Unternehmen über einen Bewerberpool, auf den die Personaler zu einem späteren Zeitpunkt zugreifen, sollte sie sich dort erfassen lassen.

Eine weitere Option sind auf den technischen Bereich fokussierte Personaldienstleister. Diese Dienstleister verfügen häufig über gute Kontakte und Einblicke in Stellenvakanzen bei potenziellen Arbeitgebern. Manchmal lohnt sich auch der Schritt über die Zeitarbeit, aus der nicht selten eine Festanstellung resultiert.

Problem: Ein Maschinenbauingenieur wünscht sich bei seinem Arbeitgeber mehr Weiterentwicklungsmöglichkeiten, mehr Verantwortung und eine mittelfristige Gehaltsanhebung. Er möchte sein ungestörtes Verhältnis zum Vorgesetzten nicht gefährden, indem er seine Bereitschaft signalisiert, notfalls auch die Abteilung und seine jetzige Position zu verlassen. Soll er das offene Gespräch suchen? Und soll er die Personalabteilung auf potenzielle Weiterentwicklungsmöglichkeiten ansprechen?

Rat: Es hängt stark mit der Unternehmenskultur zusammen, wie offen und kooperativ mit den Themen umgegangen wird. Grundsätzlich sollte jeder Vorgesetzte individuell auf seine Mitarbeiter eingehen und einen professionellen Umgang mit individuellen Berufsplänen finden. Ein offenes und vertrauensvolles Gespräch bietet sich also an.

Außerdem ist zu überlegen, ob der Wunsch nach Beförderung zwangsläufig mit einem hierarchischen Aufstieg zu befriedigen ist. Eine Karriere „in der Breite der Verantwortung“ wäre eine Alternative. Es sollte möglich sein, die Personalabteilung vertraulich zu kontaktieren, um sich individuell über Entwicklungskonzepte und -möglichkeiten zu informieren. Der Mitarbeiter macht so auch auf sich aufmerksam.

Problem: Ein 27-jähriger Ingenieur ist unsicher, für welches Projekt er sich nach seinem Trainee-Programm bei einem Automobilzulieferer intern entscheiden soll. Das eine hat die vom Ingenieur gewünschte technische Tiefe mit großem Budget, allerdings ist der Druck durch die enge Kooperation mit der Unternehmensleitung sehr groß. Das zweite Projekt ist kleiner, bietet aber bessere Einarbeitungs- und Entwicklungsmöglichkeiten.

Rat: Entscheidend ist, was der Ingenieur sich für seine persönliche Entwicklung erhofft. Das Projekt mit Beteiligung der Unternehmensleitung ist sicherlich stärker karrierefördernd, da er sich gegenüber höheren Ebenen präsentieren kann. Sollte sein Fokus aber eher auf einem strukturierten Aufbau seiner Projektmanager-Kompetenz liegen, ist das kleinere Projekt zielführender.

Im Zweifel ist das kleinere Projekt zu bevorzugen. Für einen unerfahrenen 27-Jährigen könnte der Druck in dem größeren Projekt zu hoch sein.

Problem: Ein Informationstechniker mit Führungserfahrung möchte sich seinen Wunsch nach einem neuen Arbeitgeber mit internationaler Ausrichtung erfüllen. Dies könne ihm weder der aktuelle Arbeitgeber bieten noch ein zweites Unternehmen, von dem ihm ein ansonsten attraktives Angebot vorliegt.

Rat: Sollte sich der Informationstechniker für die neue Stelle entscheiden, sollte er dort mindestens fünf Jahre bleiben. Dort kann er seinen Wunsch realisieren, den IT-Bereich aufzubauen, weiterzuentwickeln und neben fachlichen Führungsaufgaben auch personale Verantwortung zu tragen. Anschließend bietet sich immer noch der Wechsel auf die internationale Bühne.

 

 

Von Wolfgang Schmitz

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