Karrieretelefon

Elternzeit gehört in den Lebenslauf

Unsere Karriere-Expertinnen Ruth Vijande Rodríguez und Rebecca Jakobs freuten sich Anfang April über zahlreiche Anrufe. Hier eine Auswahl spannender Fragen und Antworten.

Rebecca Jacobs, Personalabteilung, Helbako, Heiligenhaus

Rebecca Jacobs, Personalabteilung, Helbako, Heiligenhaus

Quelle: privat

Ruth Vijande Rodriguez, Personalberaterin

Ruth Vijande Rodriguez, Personalberaterin

Quelle: privat

Problem: Ein Absolvent der Fachrichtung Wirtschaftsingenieurwesen muss sich zwischen zwei Jobangeboten entscheiden. Das erste ist von einer größeren Firma und hat eher den Charakter einer Fachlaufbahn. Das andere Angebot lockt mit mehr Verantwortung in einer kleineren Firma. Was tun?

Rat: Es gibt ein paar Tipps, wie man systematisch mit der Situation umgehen kann: Erstellen Sie eine Liste mit Prioritäten, die für Sie beim künftigen Job wichtig sind und bewerten Sie diese mit Punkten. Matchen Sie dann Ihre persönliche Prioritätenliste mit dem jeweiligen Jobangebot und bewerten, welche Ihrer Kriterien erfüllt werden; Pros und Kontras hinzufügen.

Der Job mit der höchsten Punktzahl und den meisten Pros gewinnt. Aber: Vergessen Sie die emotionale Seite nicht. Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie eine Absage für das jeweilige Jobangebot bekommen sollten? Meistens hat man schon instinktiv eine Entscheidung getroffen.

Problem: Ein junger Ingenieur befindet sich aktuell in Elternzeit. Er stellt sich folgende Fragen: Wird die Elternzeit in meinem Arbeitszeugnis dokumentiert? Soll ich diese Zeit in meinen Lebenslauf erwähnen?

Rat: Hierzu hat z. B. das Landesarbeitsgericht Köln entschieden, dass bei einer rund sechsjährigen Beschäftigungsdauer insgesamt die Elternzeit von einem Jahr Dauer im Arbeitszeugnis erwähnt werden darf.

Bei fortschrittlichen Arbeitgebern sollte die Elternzeit im Lebenslauf erwähnt und positiv präsentiert werden. Bei Unternehmen, von denen wir wissen, dass sie konventioneller sind, ist im Einzelfall abzuwägen und fundiert zu begründen. Wichtig ist jedoch, Mut zu entwickeln. Familiengerechte Arbeitsplätze sollten die Regel sein. Damit sich unsere Gesellschaft ändert, brauchen wir Vorbilder – seien sie eines!

Problem: Eine spanische Bauingenieurin (15 Jahre Führungserfahrung) sucht nach einem Job in Deutschland. Weil ihr deutsches Sprachniveau mit „B2“ (gutes Mittelmaß) bewertet wurde, bewirbt sie sich eher auf Juniorstellen. Sie sieht kaum Chancen, eine Leitungsposition zu finden.

Bis jetzt bekommt sie aber nur Absagen, meist mit der Begründung, dass sie überqualifiziert sei.

Rat: Eine Arbeitnehmerin mit 15 Jahren Führungserfahrung ist kein „Junior“ mehr. Daher wird ein potenzieller Arbeitgeber Ihre Bewerbung auf die Juniorstelle als nicht plausibel empfinden. Mögen Sie noch so gut argumentieren, der Arbeitgeber wird sich fragen, ob außer den Deutschkenntnissen noch etwas anderes dahintersteckt.

Denken Sie an Ihre Stärken und Ressourcen statt sich zu unterschätzen. Es gibt viele international tätige Firmen, die Aktivitäten in Spanien und/oder Südamerika haben, was die spanische Sprache sehr wertvoll macht. Oder Sie finden ein Unternehmen mit multikulturellen Teams, in dem Sie mit Englisch überbrücken und parallel Ihre Deutschkenntnisse verbessern können.

Problem: Ein Doktorand mit dem Schwerpunkt Fahrzeug- und Motorentechnik sucht einen Berufseinstieg im süddeutschen Raum, vorzugsweise bei einem OEM (Original Equipment Manufacturer), da er hier bereits Praktika absolviert hat. Von OEMs erhält er nur Absagen, ist aber bei Dienstleistern in Bewerbungsgesprächen. Wie soll er weiter vorgehen?

Rat: Rufen Sie nach einer Absage den genannten Ansprechpartner direkt an und fragen Sie nach den Gründen. Liegt es an den Bewerbungsunterlagen oder an den fachlichen Kenntnissen? Im Optimalfall hat der Ansprechpartner direkte Verbesserungsvorschläge für Sie.

Fragen Sie offen nach einer Datenbank, wo Ihr Lebenslauf gespeichert wird und das Unternehmen auf Sie zukommen kann, falls eine passende Stelle frei wird. Nutzen Sie ihr Netzwerk! Sie waren bereits bei OEMs eingesetzt. Rufen Sie Ihre früheren Kontakte an und fragen Sie direkt nach. Doch auch ein Einsatz über einen Dienstleister kann ein guter Einstieg sein.

Wichtig ist es, zum richtigen Zeitpunkt den „Absprung“ zu schaffen und Ihr Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.

Problem: Ein 38-jähriger Projektmanager hat nach neun Jahren Betriebszugehörigkeit im Baugewerbe eine betriebsbedingte Kündigung erhalten. Ein Teilbereich des Konzerns wird geschlossen. Der Manager hat sich stets weiterentwickelt, ein gutes Netzwerk und gutes Auftreten. Die Kündigung kam sehr überraschend. Was soll er jetzt tun?

Rat: Ruhe bewahren. Bei einer langen Betriebszugehörigkeit und einer überraschenden Kündigung ist es wichtig einen kühlen Kopf zu bewahren. Lassen Sie zunächst die betriebsbedingte Kündigung prüfen. Hier kann Ihnen der Betriebsrat oder ein Anwalt für Arbeitsrecht weiterhelfen. Stellen Sie sich selbst die Frage, ob Sie für den Chef und das Unternehmen, gegebenenfalls an einer anderen Stelle, noch tätig sein wollen.

Fordern Sie ein Zwischenzeugnis an und bewerben Sie sich mit diesem. Durch Ihre lange Kündigungsfrist brauchen Sie sich bei der Jobsuche nicht unter Druck zu setzen.

Ziehen Sie einen Radius, in dem Sie geografisch einen neuen Job suchen. Setzen Sie sich selbst eine Deadline, bis wann Sie einen neuen Job antreten möchten. Bei Erstellung Ihrer Unterlagen können Karriereberatungen oder Personalberatungen helfen.

 

Von Peter Schwarz

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