Gehalt 10.10.2014, 00:00 Uhr

Wie stark drücken niedrige Zinsen die Ansprüche von Ingenieuren?

So verständlich der Schreck ist, den niedrige Zinsen Ingenieuren versetzen – mit Blick auf ihre Altersversorgung. Tatsächlich sind die Auswirkungen langfristig weitaus geringer, als die meisten Arbeitnehmer denken. Denn Schwankungen am Zinsmarkt sind vollkommen normal.

Niedrige Zinsen haben eine geringe Auswirkung auf die Altersvorsorge.

Niedrige Zinsen haben eine geringe Auswirkung auf die Altersvorsorge.

Foto: panthermedia.net/bradcalkins

Die anhaltende Niedrigzinspolitik in der Euro-Zone zeigt deutliche Auswirkungen auf die Pensionspläne deutscher Unternehmen. In der ersten Jahreshälfte rutschte der Ausfinanzierungsgrad der DAX-Pensionspläne auf 61,3 Prozent, ein Minus von vier Prozentpunkten gegenüber dem Jahresende 2013 (65,3 Prozent). Auch der Ausfinanzierungsgrad der Pensionspläne im MDAX ging von 51,4 Prozent auf 48,1 Prozent (-3,3 Prozentpunkte) zurück. Das zeigt die Modellberechnung „German Pension Finance Watch“ der Unternehmensberatung Towers Watson. Die Ursache für den Rückgang sehen die Towers-Watson-Experten im Absinken des Rechnungszinses auf 3,07 Prozent. Ende 2013 lag er noch bei 3,65 Prozent. Niedrige Zinsen sind für Ingenieure also ein Problem.

Niedrige Zinsen sind für Ingenieure nicht so problematisch wie viele denken

Durch das Absinken des Rechnungszinses im ersten Halbjahr ist die Entwicklung des Ausfinanzierungsgrades der Pensionspläne insgesamt rückläufig, Schwankungen des Ausfinanzierungsgrades sind aber normal und mit Blick auf die Langfristigkeit der betrieblichen Altersversorgung für Ingenieure kein Grund zur Beunruhigung, auch wenn sich niedrige Zinsen kurzfristig bemerkbar machen. Auch aufgrund des gesunkenen Rechnungszinses stieg der Wert, mit dem die Pensionsverpflichtungen der DAX-Unternehmen in die Bilanz eingehen, im ersten Halbjahr 2014 um 11,1 Prozent auf 336,8 Milliarden Euro.

Das Planvermögen stieg weiterhin kontinuierlich an und lag zur Jahresmitte 2014 bei 206,6 Milliarden Euro (+4,3 Prozent seit Jahresanfang). Im MDAX zeigte sich dieselbe Dynamik, wenn auch auf geringerem Niveau: Die Pensionsverpflichtungen stiegen um 11,2 Prozent auf 56 Milliarden Euro, das Planvermögen legte um 4,1 Prozent auf 27 Milliarden Euro zu. Niedrige Zinsen bringen Ingenieuren auf den zweiten Blick also weniger Verluste als gedacht.

Spagat zwischen Attraktivität und Kosten durch niedrige Zinsen

Durch niedrige Zinsen wird für die Unternehmen der Spagat zwischen den Kosten für die betriebliche Altersversorgung (bAV) und dem Anspruch, den eigenen Mitarbeitern möglichst attraktive Angebote zu machen, schwieriger. Eine Konsequenz des niedrigen Zinsniveaus und des erneut gesunkenen Rechnungszinses ist, dass alle bestehenden Pensionslösungen mit festen Zinszusagen in den letzten Jahren teurer geworden sind.

Dabei nimmt die Bedeutung von bAV-Angeboten für die Gewinnung und Bindung von Mitarbeitern stetig zu. Das zeigte zuletzt auch die im Mai veröffentliche Towers-Watson-Studie „Altersversorgung und bAV aus Mitarbeitersicht“, für die in Deutschland 2.000 Arbeitnehmer befragt wurden. Demnach vertrauen nur noch 26 Prozent der Befragten darauf, dass die gesetzliche Rente ihnen ein angemessenes Renteneinkommen bereitstellt. Niedrige Zinsen tragen für Ingenieure dazu bei.

Niedrige Zinsen? Die Art der Anlagen entscheidet

Für 45 Prozent ist die betriebliche Altersversorgung die wichtigste oder zweitwichtigste Einkommensquelle im Alter. Von dem wachsenden Stellenwert profitieren die Unternehmen, die adäquate bAV-Angebote bereitstellen: 28 Prozent der Mitarbeiter geben an, dass die bAV ein wichtiger Grund war für die Entscheidung für ihren derzeitigen Arbeitgeber. Für 41 Prozent ist die bAV ein wichtiger Grund, bei ihrem aktuellen Arbeitgeber zu bleiben. Also schauen Ingenieure auch auf niedrige Zinsen.

Die Unternehmen wissen um die große und wachsende Bedeutung von bAV-Angeboten. Gleichzeitig ändert sich die Art der Angebote: Statt auf Festzinslösungen setzen die Unternehmen auf kapitalmarktorientierte Pensionszusagen. Bereits seit Jahren sind nahezu alle neuen Angebote kapitalmarktorientiert, niedrige Zinsen sind also relevant. Diese Lösungen sind aber nicht zwingend weniger attraktiv für Mitarbeiter. Sie bieten zusätzliche Möglichkeiten für eine flexible und bedürfnisorientierte Ausgestaltung.

Thema niedrige Zinsen: Globale Aktienmarktentwicklung treibt die Rendite

Im ersten Halbjahr 2014 zeigte das Planvermögen der DAX-Pensionspläne mit einem Plus von 4,3 Prozent einen moderaten Anstieg. Die Rendite des angelegten Kapitals belief sich in diesem Zeitraum auf 5,5 Prozent. Stärkster Renditetreiber waren die globalen Aktienpositionen, die um rund sieben Prozent zulegen konnten. Damit trugen sie mehr zur Rendite bei als die europäischen Aktienwerte, die ein Plus von 5,6 Prozent aufwiesen. Die Anleihenpositionen, die mit 62 Prozent den größten Anteil im Portfolio der DAX-Pensionspläne einnehmen, erzielten eine Rendite von sechs Prozent. Lediglich die Immobilienwerte wiesen mit -0,8 Prozent eine negative Rendite auf. Niedrige Zinsen wirken sich nicht auf alle Bereiche aus.

Die negative Entwicklung im Immobiliensegment zog die Rendite der MDAX-Pensionspläne stärker nach unten, da diese einen höheren Anteil dieser Asset-Klasse aufweisen (elf Prozent im MDAX gegenüber sechs Prozent im DAX). Auch der höhere Aktienanteil bei den MDAX-Pensionsplänen (33 Prozent gegenüber rund 28 Prozent im DAX) konnte das nicht kompensieren. Insgesamt stiegen die pensionsspezifischen Vermögen der MDAX-Unternehmen im ersten Halbjahr um 4,1 Prozent auf 27 Milliarden Euro. Das Absinken des Rechnungszinses hat die deutschen Pensionspläne sichtbar getroffen. Gleichwohl haben Schwankungen und niedrige Zinsen in diesem Rahmen bei Ingenieuren keine direkten Auswirkungen auf die sehr langfristig orientierte betriebliche Altersversorgung. Eine Entspannung auf der Zinsseite ist aus heutiger Sicht noch nicht absehbar. Es ist davon auszugehen, dass sich der Trend zu kapitalmarktorientierten Pensionszusagen weiter fortsetzen wird.

www.towerswatson.de

 

Von Dr. Thomas Jasper, Leiter des Beratungsbereichs Retirement Solutions bei Towers Watson. Tags: , ,

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