Firmeninterview 23.06.2016, 00:00 Uhr

Roche Diagnostics GmbH, Deutschland

Den Pharma- und Diagnostikkonzern Roche verbindet man mit Krebsmedikamenten, Biopharmazeutika und In-vitro-Diagnostik. Unter den derzeit 15.400 Mitarbeitern in Deutschland sind aber auch viele Ingenieure. Sie arbeiten im klassischen Maschinenbau, an der Digitalisierung des Konzerns oder an der internationalen Standortentwicklung. Roche bietet Ingenieuren Experten- und Führungskarrieren, flexible Arbeitszeiten und ein inspirierendes Arbeitsumfeld.

Wir haben Martin Haag, Wirtschaftsingenieur & Werksleiter bei Roche Diagnostics GmbH Mannheim und Klaus Schewe, Leiter Personalmarketing der Roche Diagnostics GmbH für Sie zu Karrierefragen interviewt.

Herr Haag, Herr Schewe, Sie sitzen beide im baden-württembergischen Mannheim. Was macht diesen Roche-Standort aus?

Haag: Mannheim ist der älteste und dazu einer der größten und vielseitigsten Standorte im Konzern. Wir stehen hier für Hochtechnologie in Forschung und Produktion von Diagnostika und pharmazeutischen Produkten. Dementsprechend diversifiziert ist die 8.000 Personen starke Belegschaft. Dazu wachsen wir jedes Jahr um etwa 200 Mitarbeiter, vor allem um Ingenieure und sonstige Akademiker. Denn der hohe Grad an Automatisierung erfordert qualifizierte Fachkräfte.

Welche Bereiche werden besonders von der Digitalisierung erobert?

Haag: Vornehmlich drei Felder: Die klassische Industrieanwendung, Stichwort Industrie 4.0, wo wir mit smarten Technologien und Sensoren unsere Maschinen bestücken. Dafür haben wir einen eigenen Maschinenbau in Mannheim.

Mit unseren Laborgeräten sind wir stärker im externen Markt unterwegs, Stichwort Digital Services und Consulting. Hier arbeiten wir daran, den Servicetechniker nicht per se nach Ablauf des Wartungsintervalls auf die Reise zu senden, sondern stärker remote zu monitoren. Dafür wollen wir die Daten der Maschinen besser nutzbar machen bis hin zur Laboroptimierung.

Der dritte und spannendste Bereich ist die Molekularinformatik. Dahinter steht etwa die Frage: Wie können wir aus den digitalisierten Informationen über Molekularstrukturen und Gensequenzen eine bessere Therapie entwickeln und neue Forschungsfelder finden?

Können Sie ein Beispiel für ein solches zukünftiges Forschungsfeld nennen?

Haag: Unser Hauptantrieb im Pharmabereich sind im Moment die Erfolge bei der Immuntherapie gegen Krebs. Dabei versuchen wir, das eigene Immunsystem zu mobilisieren, den Krebs zu bekämpfen. Da erhoffen wir uns auch über Digitalisierung, Big Data Analyse, Molekularinformatik und Automatisierung den Durchbruch, um die Wirkmechanismen zu finden, mit den wir das Immunsystem zu beeinflussen können.

Wie kommt man als Ingenieur zu Roche?

Schewe: Jede Bewerbung nimmt ihren Anfang über das Bewerbermanagement-Tool auf unserer Webseite. Bei Roche nennen wir zu jeder Stellenausschreibung einen persönlichen Kontakt, sodass der Bewerber sich direkt mit dem Recruiter per Telefon oder per Mail austauschen und erste Fragen klären kann.

Personeller oder fachlicher Art?

Schewe: Hauptsächlich personeller. Wenn sich aber die Maschinenbauingenieurin bei uns meldet und um ein Vorabgespräch mit dem zuständigen Werksleiter bittet, werden wir versuchen, das zu ermöglichen. Bei ca. 30.000 Bewerbungen im Jahr ist das natürlich nicht immer machbar, aber wir setzen alles daran, sehr flexibelund so individuell wie möglich zu sein. Bei besonders wertvollen Kandidatinnen oder Kandidaten nehmen wir uns gerne Zeit.

Was macht einen Ingenieur-Kandidaten für Sie wertvoll?

Haag: Wir legen großen Wert auf Diversität in allen Dimensionen. Wir suchen Menschen, die im Zuge ihrer Ausbildung oder ihrer Karriere schon einmal im Ausland waren und die Voraussetzung mitbringen, sich in einem internationalen Konzern zu behaupten. Diesen Menschen können wir Karrierechancen bieten.

Darüber hinaus wollen wir Andersdenker finden, die neue Wege ausfindig machen und beschreiten – weltweit. Es ist also eine Vielfalt an Eigenschaften bei jedem einzelnen Bewerber, auf die wir Wert legen: Menschen, die aus der Stromlinienförmigkeit ausgebrochen sind und einen eigenen Weg gefunden haben.

Das klingt, als hätten Ingenieur-Absolventen bei Ihnen keine Chance.

Schewe: Doch, wir stellen auch Absolventen ein, vor allem über unser Traineeprogramm, das entgegen der landläufigen Meinung nicht nur auf BWLer zielt. Wir nennen es Management-Start-up-Programm. Hier sprechen wir gerne auch Ingenieure und Wirtschaftsingenieure an. Insgesamt stellen wir aber deutlich mehr berufserfahrene Ingenieure ein.

Wer berufs- und auslandserfahrene Kollegen sucht, wird viele Mitarbeiter bekommen, die nach Höherem streben. Wie gewichten Sie Experten- und Führungslaufbahnen im Unternehmen?

Haag: Die Expertenlaufbahn fördern wir stark. Der Fachmann soll nicht nur deshalb mit Personalverantwortung belastet werden, um ihn in eine andere Entgeltgruppe zu heben. Wir sind an seiner fachlichen Expertise interessiert und dafür bieten wir ihm ein Umfeld, in dem er es zur Exzellenz bringen kann. In der absoluten Exzellenz sind das natürlich nur sehr wenige Personen.

Genauso sieht es bei den Führungspersonen aus, von denen jedes Unternehmen eine gewisse Anzahl braucht, um eine Einheit zu organisieren.

Mussten Sie schon einmal einen Mitarbeiter davon abbringen, die Führungslaufbahn anzustreben, weil Sie ihm eher eine Fachkarriere zutrauten, Herr Haag?

Haag: Das passiert regelmäßig und ist ein ganz wichtiger Bestandteil unserer Entwicklungsgespräche und -planung. Die Absicht, Führungspositionen und damit Mitarbeiterverantwortung zu übernehmen, prüfen wir durch interne Development Center, durch Coachings sowie durch Vorgesetzte und Mentoren. Wenn wir zu dem Ergebnis kommen, dass die Fachkarriere für den Betreffenden passender wäre, bitten wir die Person, die eigenen Motive für den Führungswunsch zu überdenken. Viele schwenken dann noch einmal um auf die Fachkarriere.

Weil Sie sie überreden oder weil Sie sie überzeugen?

Haag: In 90% der Fälle ist es die eigene Überzeugung, weil wir die Situation und die Fähigkeiten des Mitarbeiters gespiegelt und alle Möglichkeiten für einen Aufstieg deutlich gemacht haben.

Schewe: Die Frage Fach- oder Führungslaufbahn ist enorm wichtig. Denn es geht dabei um Führung, aber auch um die Geführten. Und die Stabilität in unserer Belegschaft ist auch deshalb so hoch, weil der wichtigste Grund, sich für oder gegen einen Arbeitnehmer zu entscheiden, bei uns eine große Rolle spielt: die Auswahl des Führungspersonals. Denn wer einem ausgewiesenen Experten einen schwachen unmittelbaren Chef vorsetzt, kann diesen Fachmann schnell verlieren.

Dagegen könnten ihn internationale Einsätze motivieren. Ist das in einem internationalen Konzern wie Roche überhaupt wegzudenken?

Haag: Es ist kein Muss, ins Ausland zu gehen, aber wir unterstützen unsere Mitarbeiter darin, internationale Einsätze wahrzunehmen. Englisch ist ohnehin unsere zweite Konzernsprache. Und Herr Schewe hatte das Management-Start-up-Programm angesprochen: Dieses 24-monatige Programm enthält einen dreimonatigen Auslandsaufenthalt als integralen Bestandteil der Ausbildung.

Im Zuge der Karriere gibt es dann aufgrund der weltweiten Ausrichtung des Konzerns die Möglichkeit, temporär im Rahmen eines laufenden Projektes ins Ausland zu gehen oder – längerfristig – drei- oder fünfjährige Assignments wahrzunehmen.

Was wären typische Projekte für eine Auslandstätigkeit bei Roche?

Haag: Im Engineering gibt es zum einen die klassischen Entwicklungsprojekte, die über einzelne Standorte hinweg laufen. Aber es sind auch Bauprojekte wie aktuell im chinesischen Suzhou. Dort bauen wir eine nagelneue Fabrik auf der grünen Wiese und fünf Ingenieure aus meiner Engineering-Einheit sind für drei Jahre vor Ort.

Schewe: Darüber hinaus haben wir eine ganze Reihe bereichsgetriebener Initiativen, bei denen Kollegen mit Kurzfrist-Assignments ins Ausland gehen. Das geschieht häufig im Rahmen eines Mitarbeiteraustauschs. Gerade bei Kollegen ohne Auslandserfahrung ist der Wunsch groß, die fremde Kultur und Arbeitsumgebung erst einmal kennenzulernen, bevor sie sich für Jahre verpflichten.

Andere Länder, andere Sitten. Es sind ja häufig nicht nur fachliche Herausforderungen, denen sich die Mitarbeiter in einem fremden Land wie China stellen müssen.

Haag: Das stimmt. In Schanghai stellt der Weg zur Arbeit die erste Herausforderung des Tages dar, weil man nicht wie gewohnt alles lesen kann. Unter derartigen Bedingungen seine berufliche Leistung zu bringen, ist schwer. Aber es befähigt die Mitarbeiter, mit künftigen Herausforderungen im beruflichen Kontext umzugehen.

Ein Thema interessiert mich noch. Welche Angebote machen Sie bezüglich der Arbeitszeit?

Schewe: Wir bieten maximale Flexibilität bei der Gestaltung der individuellen Arbeitszeit. Allein in Mannheim gibt es über 1.000 individuelle Arbeitszeitvereinbarungen. Rund die Hälfte unserer Belegschaft sind Frauen, wir haben viele junge Mütter und Väter.

Dementsprechend wird bei uns viel mobil oder von zu Hause aus gearbeitet, in Vertrauensarbeitszeit. Das heißt, es werden keine Arbeitszeiten erfasst, weil wir davon ausgehen, dass engagierte und motivierte Mitarbeiter gute Ergebnisse liefern – egal wann, wo und wie sie arbeiten. Das ist unsere Philosophie.

Den zahlreichen Auszeichnungen in Mitarbeiterzufriedenheit nach, erfolgreich.

Haag: Das bleibt nicht aus.Ein Mitarbeiter bei Roche verharrt nicht über Jahre auf einer Position, sondern kann innerhalb des Konzerns alle drei bis fünf Jahre neue Jobs annehmen und trotzdem in der vertrauten Kultur bleiben. Das gilt auch für mich. Ich bin seit 20 Jahren dabei, übe aber mittlerweile bereits den sechsten Beruf aus. Angefangen habe ich mal als Management- Start-up Supply Chain.

Ist dieser Auf- und Umstieg ein Automatismus?

Haag: Nein. Das wird durch ein sehr ausgeklügeltes Talentmanagement gefördert. Etwa über Trainings und spezielle Coachings oder Entwicklungspläne, die wir für alle Mitarbeitenden ausarbeiten. Für einen Aufstieg muss ein Mitarbeiter also auch selbst aktiv werden und seine Absichten kommunizieren. Eine automatisierte Rochade gibt es nicht.

Schewe: Wir sind eine Organisation, die etwas bewegen will und dementsprechend müssen wir uns bewegen. Das erreichen wir, indem wir möglichst viele unterschiedliche Köpfe zusammenbringen. Und diese Dynamik im Unternehmen macht den Leuten Spaß.

 

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