Firmeninterview 23.05.2016, 00:00 Uhr

Excellence AG

Die Excellence AG ist der jüngste deutsche Ingenieurdienstleister mit elf Niederlassungen in Deutschland, zwei in Österreich und einer in den Niederlanden. Vorstandsvorsitzende Vera Calasan erklärt uns, wie sie sich mit Wertorientierung durchsetzen möchte, warum Frauen mehr netzwerken sollten und wieso die Digitalisierung für Ingenieure kein Problem darstellt. Und obwohl sie hauptsächlich berufserfahrene Ingenieure sucht, gibt sie bei einigen Projekten auch Absolventen eine Chance. 

Vera Calasan, Vorstandsvorsitzende der Excellence AG

Vera Calasan, CEO, Excellence AG

Vera Calasan, CEO, Excellence AG

Foto: Excellence AG

Frau Calasan, Sie sind mit der Excellence AG seit drei Jahren am Markt. Als einer von vielen Dienstleistern. Ohne Branchenspezifizierung. Was macht Ihr Unternehmen aus?

Wir haben eine branchenübergreifende Fachspezifizierung. Als neuer Marktplayer konnten wir mit viel Erfahrung aber ohne Altlasten beginnen. Das spiegelt sich in unserem eigenen System wider, welches unseren Mitarbeitern zu jeder Zeit an jedem Ort den Zugang zu unseren Daten ermöglicht. Und noch stärker zeigt sich das in unserer Fachspezifizierung auf die Vernetzung der Technik, auch als Industrie 4.0 oder Digitalisierung bekannt.

Unser USP sind jedoch unsere Mitarbeiter. Denn mit ihrem Geschäftsmodell sind Ingenieurdienstleister austauschbar. Der spürbare Unterschied in jeder Dienstleistung ist die Kompetenz und die Spezialisierung jedes einzelnen Mitarbeiters. Deshalb haben selbst unsere Absolventen eine Fachspezialisierung. Wir sprechen eher eine erfahrene und spezialisierte Zielgruppe an.

Wie garantieren Sie deren Qualität?

Mit aktuellem Fachwissen und Persönlichkeit. Das erreichen wir durch Weiterbildung und täglicher Anwendung des Wissens sowie der Auswahl der zu uns passenden Mitarbeiter.

Wir haben vier Werte definiert, die in unserem Unternehmen gelebt werden. Erstens benehmen wir uns wertschätzend jedem Menschen gegenüber – ob es ein Kunde, ein Geschäftspartner oder ein Kollege ist. Das ist eine Charaktereigenschaft, die mit der technischen Ausbildung erst mal nichts zu tun hat, die aber in der Dienstleistung gegeben sein muss.

Zweitens sind wir ein lernendes Unternehmen, das sich stetig weiterentwickeln will. Denn der Name Excellence ist auch als ein Qualitätsversprechen den Mitteilung vom 29.04.2014). Hinzu kommen Ansprüche auf 30 Tage Jahresurlaub, flexible Auszeiten und längere Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, und langjährige Mitarbeiter sind unkündbar. Wir wollen unseren Mitarbeitern etwas zurückgeben für das, was sie bei uns leisten. Darum kommen die guten Ingenieure zu uns.

Und welchen Bewerbungsprozess müssen sie dafür durchlaufen?

Da muss der Ingenieur sich beweisen, weil wir nur die Besten haben wollen. Der Aspirant bewirbt sich zunächst auf unserer Homepage und macht dort seine persönlichen Angaben. Das ist eine gewisse Hürde, weil man seinen gesamten Werdegang eingeben muss. Andererseits sollen sich nur die Interessenten bei uns bewerben, die ernsthaftes Interesse an einer langfristigen Anstellung bei der Excellence AG haben und nicht nur dieses explizit ausgeschriebene Projekt ansprechend fanden.

Der nächste Schritt ist ein Interview. Wir unterscheiden zwischen dem persönlichen Gespräch und dem Fachinterview. Ein persönliches Gespräch wird in einer Niederlassung in Wohnortnähe des Bewerbers geführt – auch wenn die ausgeschriebene Stelle in einer anderen Region sein sollte. Damit wollen wir den berufstätigen Interessenten entgegenkommen und den Aufwand gering halten. Das Fachinterview kann auch telefonisch geführt werden, je nachdem, wo unsere Experten gerade sind.

Letztendlich holen wir uns in der Regel vor Vertragsunterschrift noch zwei Referenzen bei ehemaligen Arbeitgebern ein, sofern keine Empfehlung von eigenen Kollegen vorliegt. Diese sind wesentlich aussagekräftiger als Zeugnisse.

Lesen Sie hier, wie man Referenzen richtig nutzt.

Wer ist beim Fachinterview mit in der Leitung?

Wir haben für jedes Themengebiet unsere Fachleute. Im Falle Automotive und Konstruktion wäre das unser Competence Center in Köln. Dort ist unser Konstruktionsbüro. Bei den Metathemen Digitalisierung und Industrie 4.0 führen wir die Fachinterviews häufig mit unseren IT-Experten. Die sind oft bundesweit unterwegs. Für Schiffsbau oder Windenergie ist unser Hamburger Team dabei.

Sind die Ingenieure gut vorbereitet auf diese Verschmelzung von Technik und IT?

Ja, das sind sie, sofern sie bereit sind, eine Zusatzqualifikation zu erlangen. Wir wissen, welche Kenntnisse ein Maschinenbauingenieur, Verfahrenstechniker oder Elektrotechniker zusätzlich benötigt, um für die Digitalisierung vorbereitet zu sein. Noch gibt es keinen Kombinationsstudiengang, sodass die Ingenieure aus den Hochschulen mit dem technischen Wissen kommen und sich die IT-Kenntnisse zusätzlich aneignen müssen. Aber das ist der übliche Weg.

Unsere Embedded Software Engineers etwa sind von Haus aus Maschinenbauingenieure, die die Programmiersprache gelernt haben. Die Grundlage ist immer das technische Know-how. Wir begleiten unsere Mitarbeiter dabei. Engineering goes IT. Das sind wir.

Liegt an dieser Schnittstelle der Schwerpunkt Ihrer Projekte?

Ja! Im Moment macht die Digitalisierung tatsächlich ungefähr 70% unseres Geschäftes aus und ich gehe davon aus, dass dies so bleibt – wenn es nicht sogar mehr wird.

Ingenieure mit IT-Kenntnissen werden momentan überall gesucht. Wo landen Ihre Mitarbeiter?

Derzeit macht Automotive immer noch rund 50% unserer Kundschaft aus.

Sind das die Automobilbauer oder die Zulieferer?

Vor allem die sogenannten Mittelständler der Zulieferbranche, die ganzen Hidden Champions. Wir suchen uns bewusst diese Unternehmen, die sehr interessante Projekte haben. Diese Unternehmen übernehmen mittlerweile sehr häufig die innovativen Entwicklungsprojekte für die OEMs. Es ist heute sogar üblich, dass große DAX-Konzerne Think-Tanks eine Infrastruktur liefern und sie mit Finanzmitteln stärken, um die Innovationen später für sich nutzen zu können. In der heutigen Zeit ist der Wettbewerber von morgen ein Branchenfremder. Das beste Beispiel ist Apple oder Google, die selbstfahrende Autos entwickeln. Wer hätte das vor 10 Jahren gedacht?

Was ist Ihre Erklärung dafür?

Die Welt hat sich gewandelt. Die innovativen Unternehmen sind sehr häufig KMU, weil sie die Infrastruktur dafür haben und es in ihren Genen liegt. Diese Firmen haben die spannendsten Themen und ziehen somit das Interesse der besten Ingenieure auf sich. Dort finden viele, was sie suchen: eine interessante Aufgabe. Denn Ingenieure wollen gestalten, wollen entwickeln, Dinge voranbringen – sowie dabei das große Ganze sehen und nicht nur ein 1.000stel des Prozesses verantworten.

Dazu gehört auch stetige Fort- und Weiterbildung. Ist das bei Ihnen möglich?

Ja, selbstverständlich. In unserem Competence Center bilden wir selbst fort. Gerade wenn wir junge Leute einstellen, lassen wir sie zunächst dort mitarbeiten, damit wir den Kunden sicher sagen können, was der betreffende Mitarbeiter kann. Nach dieser internen Prüfung durch den Senior fühle ich mich in der Lage, auch ausgewählte Absolventen mit einschlägigen Praktika nach einem halben Jahr direkt in einem Kundenprojekt einzusetzen.

Neben diesem Modell bilden wir auch individuell weiter, indem wir unsere Mitarbeiter an Schulungen teilnehmen lassen, die sie selbst für notwendig halten. Denn sie kennen die zeitgemäßen Anforderungen des Kunden und der Projekte nach kürzester Zeit am besten. Das sind zum Beispiel Schulungen zum Erlernen von Software-Programmierung für Embedded-Software-Entwicklung.

Nehmen Ihre Mitarbeiter dieses Angebot wahr?

Ja, weil wir das tun müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Alle unsere Mitarbeiter überschreiten den gesetzlich vorgesehenen Bildungsurlaub von einer Woche. Wer in der digitalisierten Welt von heute und morgen bestehen möchte, muss sich stetig weiterbilden.

 

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