Bildung

Wirtschaftlicher Erfolg beruht auf breiter akademischer Bildung

Leistungsbereitschaft, Gewinnstreben und Fachkompetenz sind die Basis einer Erfolg versprechenden Karriere. In seinem folgenden Beitrag rüttelt der Koblenzer Soziologe Winfried Gebhardt an diesem Leitbild.

Fachmenschen ohne Geist, Genussmenschen ohne Herz: Dies Nichts bildet sich ein, eine nie vorher erreichte Stufe des Menschentums erstiegen zu haben.“ Als der Soziologe Max Weber 1904 diese Sätze formulierte, waren sie noch als „warnende Vision“ gedacht. Heute, im beginnenden 21. Jahrhundert, scheint diese Vision Wirklichkeit geworden. Dieses „Nichts“ triumphiert nicht nur in weiten Bereichen der Ökonomie, der Unterhaltungskultur und der Politik. Diese Felder sind geprägt durch eine Kultur des krampfhaften Sich-Wichtig-Nehmens, jedenfalls in den heute gängigen Paradeformen der Selbstdarstellung: der Talkshow, der Unternehmenspräsentation vor dem Börsengang und den Managementschulungen, in denen behauptet wird, Charisma könne entwickelt und zielführend eingesetzt werden.

Dieses „Nichts“ bestimmt aber auch immer mehr die Diskussionen über die Bildungspolitik, indem es Schule und Universität dazu zwingen will, auf „überflüssigen Bildungsluxus“ zu verzichten und „zielgenau“ und „anwendungsorientiert“ auszubilden und zwar gemäß dem von ihm propagierten Karriereleitbild. Webers Vision beschreibt in vielleicht polemischer, aber nicht in unangemessener Form das Weltbild des erfolgreichen oder aber auch nur Erfolg haben wollenden Karrieristen.

„Der Fachmensch ohne Geist und der Genussmensch ohne Herz“ ist ein Macher, der an die überlegene Macht des „Fachwissens“, an „Effizienz“, „Planung“, Rationalität“, „Controlling“, „Evaluation“ und „Fortschritt“ glaubt und aus diesem Glauben einen Anspruch auf „moralische Überlegenheit“ entwickelt. Um einem häufigen Missverständnis vorzubeugen, sei betont, dass der Typus des „Machers“ nicht notwendig identisch ist mit der Figur des Naturwissenschaftlers. Dennoch ist es richtig, dass der Menschentypus des „Machers“ unter Naturwissenschaftlern, besonders aber unter Ingenieurwissenschaftlern und Betriebswirtschaftlern öfter vertreten ist als unter Sozial- oder Geisteswissenschaftlern.

Heute finden wir den Menschentypus des Machers, der an die technische Vervollkommnung der Welt glaubt, bei den führenden Vertretern der Informations- und Biotechnologie wieder, die eben nicht nur eine Verbesserung der Lebensumstände versprechen, sondern auch wieder von der Errichtung einer „besseren Welt“ träumen.

Wie schon im 19. Jahrhundert, beruht auch heute noch der „modernisierte“ Glaube des Machers auf folgenden vier Grundannahmen:

1. Es gibt „sicheres“ Wissen. Sicher ist dieses Wissen deshalb, weil es in methodisch kontrollierten Experimenten gewonnen und grundsätzlich quantifizierbar, weil es messbar ist. Solches „sichere Wissen“ nennt sich auch „Information“. Im selben System vernetzte Informationen gelten als spezifisches „Fachwissen“. Deswegen auch der Glaube, dass der „Wissensmanager“ mit Hilfe entwickelter Suchmaschinen im Internet das Problem der „Wissensgenerierung“ lösen könnte.

2. Dieses „sichere“ Wissen kann vermittelt werden. Wissensvermittlung versteht der Macher deshalb nicht als „Lernen“ oder als „Sich-Bilden“, sondern primär als Informationsübertragung. Deshalb hat der Macher auch eine Vorliebe für informationsverarbeitende Lerntechniken wie E-Learning, Videokonferenzen oder den Hyper-Campus.

3. Wer über dieses „sichere“ Wissen verfügt, kann es unmittelbar anwenden. Sich Gedanken machen über die grundsätzliche Risikobehaftetheit von Technik braucht der Macher nicht, denn das Wissen, das er anwendet, ist ja sicher. Anderes wissenschaftliches Wissen hält er entweder für irrelevant oder im besten Fall für „Kunst“.

4. Sicheres Wissen schafft eine „bessere Zukunft“, in der ein „neuer Mensch“ Gestalt annehmen soll: geklont in einem anderen Körper, computerisiert in einer Menschmaschine, die seine Fähigkeiten, als künstliche Intelligenz, ins Unermessliche steigert. Not, Aggression, Krankheit, Unterdrückung, Leid, selbst Hässlichkeit und Dummheit werden so überwunden.

Ein solches Welt- und Menschenbild beruht offensichtlich auf einem eingeschränkten Wissenschaftsverständnis. Es reduziert Wissenschaft auf die Erarbeitung, Anwendung und Vermittlung von Fachwissen.

Schaut man sich die Rekrutierungsmuster in einigen Chefetagen der großen Konzerne und Unternehmungsberatungsfirmen an, so fallen einem seltsame Dinge auf. Da ist der Aufsichtsratsvorsitzende, der mit den Bewerbern um Vorstandsposten ausschließlich über italienische Opern spricht. Da ist die Unternehmensberatungsfirma, die Leute bevorzugt, die neben einer umfassenden Fachausbildung wenigstens einmal in ihrer Studienzeit „fremd gegangen“ sind. Da ist der ehemalige Spitzenmanager Daniel Goeudevert, der die Eigenschaften Verantwortungsbewusstsein, Urteilsvermögen, Selbstvertrauen, Liebesfähigkeit, Flexibilität, Mut und kritische Distanz als Voraussetzung für eine Führungskraft ansieht und betont, dass diese nur in einem komplexen Bildungsprozess zu erwerben sind.

Dieses letzte Beispiel weist darauf hin, dass man sich wenigstens in einigen Spitzenetagen der großen Konzerne der Defizite, die das Karriereleitbild des Machers beinhaltet, bewusst ist oder jedenfalls bewusst zu werden beginnt. Die ausschließliche Rede von Effizienz, Rationalität, Anwendungsbezug, Flexibilität, Controlling und Evaluation scheint mir deshalb eher die Ideologie des „mittleren Managements“ und nicht die der Führungskräfte zu sein.

Die Ideologie des mittleren Managements übersieht, dass wirtschaftlicher Erfolg auf Grundlagen wächst, die er selbst nicht zu schaffen in der Lage ist. Max Weber hat gezeigt, dass ohne akademische Bildung wirtschaftlicher Erfolg nicht möglich ist.

Es geht nicht darum, Leistung, Effizienz und Praxisorientierung zu verteufeln. Im Gegenteil. Es geht darum, diese zu fördern. Nur müssen wir erkennen, dass Leistung, Effizienz und Praxisorientierung auf Voraussetzungen beruhen, die sie selbst nicht schaffen können. Bildung als Summe der oben genannten Fähigkeiten ist die Grundlage für Leistungsbereitschaft, Innovation, ökonomische Leistungsfähigkeit und gesellschaftliche Verantwortlichkeit. Nur: Bildung braucht sowohl Zeit und Muße als auch Anstrengung und Herausforderung.

Und hier ist vor allem die Universität gefordert, indem sie ein neues Karriereleitbild, das vielleicht ein altes ist, entwickelt und propagiert. Weder Studienzeitverkürzungsmaßnahmen noch Bachelorstudiengänge noch Juniorprofessuren lassen diese Zeit und Muße. Und verschulte Studiengänge und einseitige Praxisorientierung torpedieren die Bereitschaft, sich anzustrengen und sich herausfordern zu lassen.
WINFRIED GEBHARDT

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