Bildung

Wirtschaft – ein Buch mit sieben Siegeln

Für viele Jugendliche ist Wirtschaft ein abschreckendes Thema. Besonders bei Schülerinnen ist das Interesse gering, sich mit ökonomischen Prozessen zu beschäftigen, verdeutlicht eine Studie.

Wirtschaft – ein zu komplexes Gebilde, um bereits Schüler damit zu belasten, lautet ein vielfach verbreitetes Vorurteil. Dabei sind auch Kinder in der Lage, die Strukturen einfacher wirtschaftlicher Zusammenhänge nachzuvollziehen. Vor diesem Hintergrund spielt sich die Debatte über die Einführung ökonomischer Inhalte im Schulunterricht ab.

Nach einer Umfrage der Universität Karlsruhe unter Schülern herrscht tatsächlich große Unkenntnis über wirtschaftliche Fakten und Zusammenhänge. Besonders groß ist das Gefälle zwischen Hauptschulabgängern und Abiturienten. Andererseits stehen Jugendliche dem System der Marktwirtschaft und dem Prinzip der Selbstständigkeit aufgeschlossen gegenüber.

Was bedeutet Marktwirtschaft? Wann spricht man von Inflation? Welche Kapitaleinlage ist für die Gründung einer Aktiengesellschaft notwendig? Über 100 Fragen galt es zu beantworten, als Wissenschaftler des Karlsruher Instituts für Entrepreneurship und des Soziologischen Instituts der Universität Karlsruhe (TH) im Frühjahr Haupt- und Realschulen sowie Gymnasien besuchten, um Schüler der Abschlussklassen eingehend nach ihren Wirtschaftskenntnissen und nach ihrer Grundeinstellung zur Marktwirtschaft allgemein zu befragen. Das Ergebnis fasst Reinhold Würth, Professor am Institut für Entrepreneurship der Universität Karlsruhe, zusammen: „Das Wirtschaftswissen Jugendlicher in Baden-Württemberg lässt sehr zu wünschen übrig.“

Im Rahmen der Studie beantworteten 6280 Schüler im Alter von 14 bis 18 Jahren die Fragen. Das abgefragte Wissen bezog sich zum einen auf ökonomische Begriffe, Tatbestände und Zusammenhänge aus den schultypischen Lehrplänen, zum anderen auf lehrstoffunabhängiges Allgemeinwissen.

Wesentliche Unterschiede gibt es beim wirtschaftlichen Allgemeinwissen der Achtklässler zwischen den verschiedenen Schultypen: Gymnasiasten verfügen über signifikant mehr Kenntnisse als Realschüler und erst recht als Hauptschüler. Auch der Vergleich der Abschlussklassen brachte ein ähnliches Ergebnis, wobei die Schüler, die einen Leistungskurs in Gemeinschaftskunde belegen, anderen Schülern überlegen sind. Offensichtlich hängt das Wirtschaftswissen weniger vom Schultyp ab, als vom grundsätzlichen Grad der Allgemeinbildung und dem Interesse an gesellschaftlichen Fragen.

Große Unterschiede zeigen sich bei den Geschlechtern. Drei Viertel aller männlichen Gymnasiasten bekennen sich zum unternehmerischen Handeln, bei weiblichen Gymnasiasten ist es nur die Hälfte, wobei dieser Unterschied in den Leistungskursen des Faches Gemeinschaftskunde rasch verschwindet.

Auffallend, dass gute Leistungen in den Kernfächern Mathematik, Englisch und Deutsch mit relativ guten Allgemeinkenntnissen im Bereich Ökonomie einher gehen. Auch zeigt sich diese Schülergruppe interessierter an allgemeinen Gesellschaftsfragen, an Zeitungslektüre, an allgemein bildenden Fernsehsendungen. Sie nutzt zudem häufig den PC und profitiert offensichtlich von einer anregend-kommunikativen Atmosphäre in der Familie.

Überrascht zeigten sich die Karlsruher Wissenschaftler von der kritischen Haltung der 14- bis 15-Jährigen an Haupt- und Realschulen gegenüber der Marktwirtschaft, die in starkem Kontrast zur Einstellung der Abiturienten steht. Gymnasiasten stehen durchweg positiv zum Wettbewerb, beurteilen übermäßige Machtkonzentrationen dagegen kritisch. Abiturienten haben eine positive Einstellung zum Euro, während Wirtschaftsgymnasiasten dies eher skeptisch sehen und eine Arbeitsmarktöffnung im Sinne der Green Card ablehnen. Berufliche Selbstständigkeit können sich die 14- bis 16-Jährigen durchaus vorstellen allerdings nur so lange, bis mit zunehmendem Alter und Abiturnähe der Berufswunsch immer konkreter wird.

Welche Forderungen sind aus der Studie abzuleiten? Würth sieht erhebliche Defizite im soziologischen Umfeld. Alle gesellschaftlichen Gruppierungen müssten die Bedeutung der Ökonomie im exportstärksten Bundesland erkennen: „Wirtschaft ist nicht alles, doch ohne Wirtschaft ist alles nichts“.

In den Schulen sollten verbindliche Stundenzahlen für Gastredner aus der Wirtschaft vorgesehen werden, und jeder Schüler, gleich welcher Schulart, sollte vor seinem Schulabschluss ein einmonatiges Praktikum in einem Industriebetrieb absolvieren. „Außerdem sollte das Fach Wirtschaft als Pflichtfach in allen Schularten des Landes eingeführt werden“, fordert Würth. Dies setze allerdings eine entsprechende Überarbeitung der Lehrpläne an Pädagogischen Hochschulen und Universitäten voraus. Auch sollte jeder Referendar vor dem Schuldienst ein mehrmonatiges Industriepraktikum absolvieren.  MARTIN BOECKH

Die Studie „Wirtschaftswissen Jugendlicher in Baden-Württemberg“ ist zu beziehen beim Swiridoff-Verlag, Schliffenstraße 17, 74653 Künzelsau, Tel. 07940/152059, 48 DM.

 

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Das Institut für Entrepreneurship an der Universität Karlsruhe (TH) wurde 1998 vom Softwareunternehmen SAP gestiftet. Es soll den akademischen Nachwuchs aller Fachrichtungen mit theoretischem und praktischem Wissen auf den Schritt in die Selbstständigkeit vorbereiten und als Keimzelle für Unternehmensgründungen wirken. Neben der reinen Wissensvermittlung, die das betriebs- und rechtswissenschaftliche Know-how betreffen, soll für die Studierenden eine Motivationsebene für den Schritt in die Selbstständigkeit geschaffen werden.  boe

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