VDI

„Wir müssen wieder mehr junge Leute für Technik begeistern“  

VDI nachrichten, Mannheim, 11. 5. 07, Fr – Die Berücksichtigung der Kernenergie im zukünftigen Energiemix, die Bekämpfung des Ingenieurmangels und die Integration des Faches Technik in die Schule waren die zentralen Themen des neuen VDI-Präsidenten Bruno O. Braun während seines Vortrags auf dem Deutschen Ingenieurtag in Mannheim. Nachfolgend Auszüge aus seiner Rede.

Die Berufsgruppe der Ingenieure leistet vermutlich den mit Abstand größten Beitrag zu Wertschöpfung und Bruttoinlandsprodukt. Und dies in vielen Bereichen: von der Entwicklung, Produktion, Vermarktung bis zur Entsorgung von Produkten und den damit verbundenen Dienstleistungen.

In einer Reihe von Schlüsselbereichen sind wir jedoch international ins Hintertreffen geraten, zumindest haben wir unseren scheinbar angestammten Platz ganz oben auf dem Treppchen verloren.

Wir sollten aber selbstbewusst genug sein, drängende Themen aktiv auf die politische Agenda zu setzen. Dazu stelle ich mir folgendes Drei-Punkte-Programm vor:

Erstens: Die technologischen Herausforderungen der Themen Energie und Klima annehmen, sie als Chance begreifen.

Zweitens: Den bedrohlichen Ingenieur- und Fachkräftemangel beheben.

Drittens: Das Bildungssystem stärker auf technische und naturwissenschaftliche Berufe ausrichten.

Das rasante Bevölkerungswachstum und die Zunahme von Wohlstand und Mobilität führen zu einem stetigen Anstieg von Energieverbrauch und Schadstoffemissionen. Der richtige Energiemix ist zur Überlebensfrage unseres Planeten geworden.

Deutschland verfügt über zukunftsweisende Technologien. Wir betreiben die effizientesten Kraftwerke, die besten Windenergieanlagen und die Kernkraftwerke mit den vermutlich höchsten Sicherheitsstandards.

Aber Effizienzsteigerungen und stärkere Nutzung regenerativer Energien allein reichen nicht aus, um die sich abzeichnenden Energie-Probleme zu lösen.

Bis zum Jahr 2020 sollen in Deutschland rund 20 000 MW neue Kraftwerksleistungen zur Verfügung gestellt werden. Trotzdem entstünde bei einem Festhalten an dem geplanten vorzeitigen Ausstieg aus der Kernenergie eine Versorgungslücke von etwa 40 000 MW. Bis heute gibt es kein plausibles Konzept dafür, wie diese Lücke geschlossen werden soll.

Deshalb wird die vorhandene Kernenergie-Kapazität auch in absehbarer Zukunft einen wesentlichen Beitrag zur Energieversorgung leisten müssen. Natürlich unter der Voraussetzung eines sicheren Betriebes. Nur so ist eine sichere und wettbewerbsfähige Stromversorgung zu erreichen, die auch die erforderlichen CO2-Ziele erfüllt.

Vor diesem Hintergrund sollte offen über den Ausstieg aus dem Ausstieg diskutiert werden. In jedem Fall – unabhängig davon, ob am Atomausstieg festgehalten wird oder nicht – muss die Endlagerproblematik gelöst werden.

Die Behebung des Fachkräftemangels beherrscht den zweiten Punkt meines Programms. Zunächst einmal ein Blick auf die aktuelle Situation am Arbeitsmarkt. Die Lage ist widersprüchlich. Auf der einen Seite stehen Tausende arbeitslose Ingenieure ohne Perspektive. Auf der anderen Seite steigt der Ingenieurmangel in Deutschland seit Jahren kontinuierlich an. So hat die Industrie 2006 laut der jüngsten VDI-Studie 50 000 Ingenieursstellen in Deutschland nicht besetzen können. Wie aber können wir dem Mangel an Fachkräften begegnen?

Zum einen durch die Integration älterer Arbeitsloser. Derzeit stehen über 30 000 arbeitslose Ingenieure zur Verfügung, die aus verschiedenen Gründen nicht vermittelt werden können. Reintegrative Maßnahmen sind also wichtiger denn je.

Der zweite Lösungsansatz ist weiblich. In Deutschland haben wir gerade einmal 10 % Frauen in Ingenieurberufen, das liegt deutlich unter dem Durchschnitt der EU. Ein weiterer Punkt sind die Bedingungen für ausländische Ingenieure. Zwar sind die Eintrittsbarrieren für ausländische Spezialisten gesenkt worden, allerdings sind die Hürden für ausländische Arbeitnehmer und vor allem für ausländische Existenzgründer immer noch abschreckend hoch.

Neben diesen kurzfristig wirksamen Lösungsansätzen benötigen wir aber auch strukturelle, langfristig wirkende Maßnahmen. Dazu gehören zukunftsfähige, strategische Denkweisen in Politik und Gesellschaft, aber auch innerhalb unserer Berufsgruppe. Bei vielen Ingenieuren ist ein Umdenken nötig, um den heutigen Anforderungen gerecht zu werden. Die Zeiten des technikverliebten Tüftlers sind vorbei. Ingenieure der Zukunft sind vielmehr hoch qualifizierte Projektmanager mit hoher Sozialkompetenz und mit Managementfähigkeiten.

Leider zeigen unsere Studien allzu deutlich, dass angehende wie angestellte Ingenieure häufig Nachholbedarf in puncto Managementkompetenzen haben.

Auf lange Sicht gesehen ist in Bezug auf den steigenden Arbeitnehmermangel aber vor allem eins entscheidend: die frühe Förderung des Nachwuchses sowie die qualitative Verbesserung unseres Bildungssystems in Richtung Technik und Naturwissenschaften, begleitet durch die Vermittlung wirtschaftlicher Zusammenhänge.

Bei diesem letzten der drei Programmpunkte gibt es aus Sicht des VDI nur eine einzige akzeptable Lösung: Technik- und Wirtschaftsunterricht muss endlich verbindlich in die Lehrpläne der Länder integriert werden, um unserer Jugend „Technik“ als wesentlichen Teil unseres Lebens und unserer Kultur näher zu bringen.

Junge Menschen für den Ingenieurberuf zu begeistern, sehe ich als eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Denn nur durch konsequente Nachwuchsförderung werden wir künftig international konkurrenzfähig bleiben. VDI/Fr

Der komplette Vortrag des neuen VDI-Präsidenten ist unter www.ingenieurtag.de nachzulesen.

Bruno O. Braun

ist seit dem 7. Mai neuer Präsident des VDI. Der 64-jährige habilitierte Maschinenbauingenieur aus Bietigheim führt seit 1993 die TÜV Rheinland Group als Vorstandsvorsitzender. Vorher war er in verschiedenen anderen Vorstandspositionen aktiv, darunter z. B. in der Sempell AG und der Deutschen Babcock-Werke AG. Seit 1980 lehrt er an der Universität Stuttgart als Professor in der Fakultät Energietechnik. Prof. Dr.-Ing. habil. Bruno O. Braun löst Prof. Dr.-Ing. Eike Lehmann nach drei Jahren als VDI-Präsident ab. Fr

Von VDI/Gregor Frechen

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