Bildung

Weiterbildung – keine Ware, die bei Aldi im Regal steht

VDI nachrichten – Hochschulen sollten sich am Weiterbildungsmarkt stärker beteiligen, ihre Angebote aber nicht unter akademischem Wert verkaufen, meint Roland Luxemburger im Gespräch mit den VDI nachrichten.Der Leiter Weiterbildung an der FH Konstanz sieht auch die Firmen in der Pflicht: Ihre Konsumenteneinstellung verhindere einen intensiveren Wissenstransfer.

VDI nachrichten: Die FH Konstanz ist vom Stifterverband der Deutschen Wissenschaft als bester Hochschulanbieter für Weiterbildung ausgezeichnet worden. Da müssten Ihnen die Firmen doch die Türen einrennen.
Roland Luxemburger: Das ist nicht der Fall, liegt aber nicht an fehlender Qualität, sondern meist am Consumer-Denken der Unternehmen. Danach ist Weiterbildung die staatlich subventionierte Bringschuld der Hochschulen. Unsere Weiterbildung ist aber ein akademisches Angebot und keine Berufsausbildung, wie sie viele Firmen gerne hätten. Sie erwarten, dass wir ein Angebot wie bei Aldi ins Regal stellen, und wenn es gerade passt, greift man auf diese „Ware“ zurück. Das aber ist nicht Sinn hochschulischer Ausbildung.

Personalentwicklung ist ein aktuelles Thema, das an der Wirtschaft nicht spurlos vorbeirauscht. So ganz ahnungslos wird man in den Unternehmen doch nicht sein.
Luxemburger: Ich vermute, dass nur 10 % aller Firmen eine vernünftige Personalentwicklung betreiben. In den zurückliegenden Jahren hatte die Wirtschaft immer die Gewähr, dass hoch qualifiziertes Personal auf dem Markt abrufbar war. Da bestand keine Notwendigkeit zum Handeln. Während des IT-Hype war das Geschrei nach prompter Umschulung und Weiterbildung groß. Mit dem Branchenniedergang war das Problem vom Tisch und das Geschrei verstummte. Eine solide mittel- bis langfristige Personalplanung ist also nur selten zu entdecken.

Wie sollte Weiterbildung an Hochschulen aussehen?
Luxemburger: Die Fachhochschule Konstanz bietet Zusatzqualifikationen und Aufbaustudiengänge, die jedermann offen stehen. Diese Angebote sollten jedoch nicht über das hinausgehen, was die jeweilige Hochschule an fachlicher Exzellenz offerieren kann. Unsere primäre Aufgabe ist es, aus dem aktuellen Forschungs- und Wissensstand heraus in die Zukunft zu denken und die Frage zu stellen: Was sind Qualifikationen, die mittelfristig auf dem Markt benötigt werden? Wenn diese Berufsprofile und Inhalte sich auf dem Markt durchgesetzt haben, müssen wir als Hochschule wieder loslassen.

Sie sind speziell für Ihre Wirtschaftsnähe ausgezeichnet worden. Wie sieht eine gedeihliche Kooperation beider Partner, von Unternehmen und Hochschule, aus?
Luxemburger: Rund 90 % unserer Kunden sind in Absprache mit ihren Arbeitgebern hier, auf der Basis von Zielvereinbarungen. Nur bei genauer Absprache über die Weiterbildungsinhalte macht eine Kooperation Sinn. Wenn die Leute wie beim MBA berufsbegleitend bei rund 100 bis 110 Tagen etwa 23 000 € bis 25 000 € aufbringen, dann wollen diese Menschen das Erlernte auch im Sinne eines weiteren Karriereschrittes umsetzen. Wir haben einen starken Bereich an Inhouse-Seminaren, der die Nähe zur Wirtschaft betont.

Die FH Konstanz liegt unmittelbar an der schweizerischen Grenze, sie pflegen also auch Kontakte zu eidgenössischen Firmen. Gibt es wesentliche wirtschaftskulturelle Unterschiede zu Deutschland?
Luxemburger: Wenn wir gemeinsam mit einer schweizerischen Firma ein Weiterbildungsprogramm ausarbeiten, dann ist immer und unmittelbar ein hoher Grad an Verbindlichkeit gewährleistet. Bei deutschen Firmen müssen wir womöglich ein bis zwei Jahre investieren, um ein ähnliches Programm zu entwickeln. Gibt es dann einen personellen Wechsel bei den Entscheidern im Personal-Bereich, ist das Vorhaben oft gestorben. So können wir als Hochschule nicht arbeiten. Ein Mindestmaß an Übereinstimmung und Verlässlichkeit muss vorhanden sein.

Die Übereinstimmung mit ihren Firmenzielen versuchen große Unternehmen über eigene Hochschulen, Corporate Universities, zu erreichen. Stehen diese Universitäten in Konkurrenz zu Ihren Angeboten?
Luxemburger: Die Unternehmen erwarten, dass die Welt in zwei Tagen neu erfunden wird. Ich nenne nur den Themenbereich Rechnungswesen, Investition und Finanzierung für Ingenieure. Wenn solch ein Thema innerhalb von drei Tagen an einer Corporate University absolviert wird, müsste man zu dem Schluss kommen, dass an Hochschulen schlecht gelehrt wird, da wir uns mit solchen Themen weit länger beschäftigen. Das ist zwar auch in einem kürzeren Zeitraum machbar, aber nur, wenn alles simplifiziert und instrumentalisiert wird, im Prinzip also Kochrezepte verteilt werden. Transferleistungen und Alternativdenken werden so aber nicht gefördert. Ist ein Mindestmaß an Ausbildungszeit nicht möglich, müssen wir als Hochschule zurücktreten, weil die Vorstellungen des Kunden sich mit den Mindeststandards an akademischer Qualifikation nicht vereinbaren lassen. Wenn der Kunde eine Ente will, wir aber nur Mercedes haben, dann ist er bei uns falsch.

Den Trend zur Corporate University stört dies wenig.
Luxemburger: Dabei wäre das Geld sicherlich anderswo besser aufgehoben. VW stampft eine „AutoUni“ aus dem Boden, deren Bau mit jedem WM-Stadion konkurrieren kann. Allein die erste Bauphase verschlingt 50 Mio. €. Hochschulen könnten mit dem Geld Vernünftigeres anstellen.

Also betreffen Weiterbildungsangebote von Hochschulen vor allem mittelständische Firmen?
Luxemburger: Weiterbildung ist keine Zwangsmaßnahme. Vielfach wird suggeriert, ohne Weiterbildung liefe gerade im Mittelstand nichts mehr und wer sich nicht danach richte, liefe dem Konkurs ins offene Messer. Das ist so, als wenn alle Welt einen Patienten für todkrank erklärt, er sich selbst aber pudelwohl fühlt. Möglicherweise müssen auch die Hochschulen noch mehr tun, um dem Mittelstand zu zeigen, dass sich Investitionen in das Humankapital auch wirtschaftlich rechnen.

Aber Weiterbildung kann doch nicht schaden.
Luxemburger: Das nicht, aber es ist auch Unsinn, wenn Leute behaupten, in Deutschland würde es belohnt, wenn jemand auf eigene Kappe in sein Humankapital investiert. Wenn ein Ingenieur ein wirtschaftswissenschaftliches Studium in Eigeninitiative absolviert, und dieses Engagement bei einer Bewerbung voller Stolz hervorhebt, wird die erste Gegenfrage sein: Wieso wurden Sie von Ihrem Arbeitgeber nicht gefördert? Wurden Sie nicht als Potenzialträger gesehen? Wer anderes behauptet, betreibt Schönfärberei.

Der Weiterbildungsstudent an der FH Konstanz ist im Durchschnitt 35 Jahre alt. Macht Weiterbildung für Ältere keinen Sinn?
Luxemburger: Es hängt nicht vom Alter, sondern von der beruflichen Situation ab, in der der Weiterbildungswillige steckt. Sinn macht die Sache, wenn man zielgerichtet plant: In drei Jahren möchte ich dort landen oder jenes erreicht haben. Welches Weiterbildungsangebot kann mir dabei helfen ?

Stehen die Hochschulen am Weiterbildungsmarkt in enger Konkurrenz zueinander?
Luxemburger: Konkurrenz sind die amerikanischen Business Schools und deren Ableger in Deutschland. Sie bewegen sich in nahezu rechtsfreiem Raum. Wir dagegen haben Mühe, unsere Angebote staatlich anerkannt zu bekommen. Außerdem haben hier zu Lande Berufstätige ohne abgeschlossene erste akademische Ausbildung viel schlechtere Weiterbildungsperspektiven als beispielsweise in der Schweiz. Diesen Leuten, die in der Praxis ihren Weg gegangen sind und Karriere gemacht haben, bleibt eine weiterführende akademische Ausbildung versperrt. Dies stößt zu Recht gerade bei den Unternehmen oft auf Unverständnis.

Warum tun sich viele Hochschulen mit Weiterbildung so schwer?
Luxemburger: An vielen Hochschulen hat man noch nicht erkannt, dass der Wert einer postgradualen Ausbildung den Stellenwert der grundständigen Ausbildung steigert. Neue Ausbildungen werden künftig zuerst im postgradualen Bereich stattfinden, um dann Rückschlüsse auf die Erstausbildung zu ziehen. Wer das verinnerlicht, wird auf allen Ebenen stärker nachgefragt werden.

FH Konstanz siegte
Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft zeichnete vor wenigen Wochen die Fachhochschule Konstanz als besten deutschen Hochschulanbieter von Weiterbildungsprogrammen aus. Gelobt wurde die „klare nachfrageorientierte Strategie, ein innovatives Management und die ausgeprägten Kooperationen mit der Industrie“. Am Wettbewerb nahmen 37 Hochschulen teil.www.fh-konstanz.de

Von Wolfgang Schmitz

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