Bildung

„Turbo-Abi“ verschlechtert Mathematikkenntnisse  

Die Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur wirkt sich dramatisch auf die Mathematikleistungen der Schüler aus, haben Magdeburger Wissenschaftler ermittelt. Arbeitsmarkt und Ingenieurausbildung werden von dieser Entwicklung negativ betroffen sein, fürchten die Wirtschaftsexperten. Die Diskussion, wie Abiturienten für ihre weitere Karriere qualifiziert sein müssten, sei bislang vollkommen ausgeblendet worden. VDI nachrichten, Magdeburg, 26. 3. 10, ws

Was Skeptiker befürchtet und Kritiker vorhergesagt haben, ist wissenschaftlich belegt: „Turbo-Abiturienten“, also Schüler, die bereits nach acht Jahren die weiterführende Schule mit dem Abitur (G8) verlassen, verfügen über wesentlich schlechtere Mathematikkenntnisse als Jugendliche, die sich neun Jahre auf den Abschluss vorbereiten konnten (G9).

Die Studie beschränkt sich zwar auf Sachsen-Anhalt und der besseren Vergleichbarkeit wegen auf den doppelten Abiturjahrgang 2007 die beiden Autoren, die Wirtschaftswissenschaftler Bettina Büttner und Stephan Thomsen von der Universität Magdeburg, halten sie dennoch „für exemplarisch und die Ergebnisse für allgemeingültig“.

Büttner und Thomsen sind sich einig: „Da sich die grundlegenden Strukturen in den Gymnasien sowie die Schüler nicht wesentlich zwischen den Ländern unterscheiden, ist von ähnlichen Verhältnissen und vergleichbaren Wirkungen der Schulzeitverkürzung auszugehen.“

Es sei wahrscheinlich, dass die Verschlechterung im Fach Mathematik aufgrund des Turbo-Abiturs auch die folgenden Jahrgänge treffen werde.

Dabei hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel doch vor anderthalb Jahren in Dresden die „Bildungsrepublik“ ausgerufen. Deutschland solle sich aufmachen, den stetig steigenden Bildungsanforderungen einer Industrie- und Wissensgesellschaft nachzukommen und verlorenen Boden gegenüber anderen konkurrierenden Ländern wettzumachen.

Die Magdeburger Wissenschaftler ziehen die Erreichbarkeit dieses politischen Zieles unter den aktuellen Bedingungen allerdings stark in Zweifel. Bildungsstand und Qualifikation der Schulabgänger gäben zu großen Befürchtungen Anlass eine Entwicklung, die sich zwangsläufig auf den Arbeitsmarkt auswirke. „Die Verringerung der mathematischen Kenntnisse ist gerade im Hinblick auf die große Nachfrage nach Ingenieuren und Naturwissenschaftlern auf dem Arbeitsmarkt besorgniserregend“, findet Stephan Thomsen.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass eine durchschnittliche Schulabgängerin im schriftlichen Turbo-Abiturfach Mathematik einen Punkterückgang von 8 % hinnehmen muss, während der Rückgang bei dem durchschnittlichen Abiturienten gegenüber dem Mitschüler mit G9-Abitur sogar bei 11 % liegt.

„Unsere Motivation zur Untersuchung der Reform der Schulzeitverkürzung war nicht zuletzt die unbefriedigende Art, in der die öffentliche und politische Diskussion geführt wird“, erläutert Bettina Büttner. Es fehle fast gänzlich an wissenschaftlichen Erkenntnissen, die auf die neuen Herausforderungen des Turbo-Abis ausgerichtet seien.

Der eigentliche Skandal aber sei, dass es keine Parameter für den zu erreichenden Leistungsstand im Abitur gebe. Bettina Büttner: „Dies ist ein wesentlicher Punkt, den wir in der Debatte vermissen: Klarheit darüber, welcher Bildungsstand mit dem Abitur erreicht werden soll. Wie die Abiturienten für ihre weitere Ausbildung im Lebenszyklus qualifiziert sein sollen, muss eigentlich am Anfang der Diskussion und der abgeleiteten Reformvorschläge und Reformen stehen.“

Nur wenn die Ziele festlägen, sei zu bewerten, in welche Richtung die Schule reformiert werden kann. „Daraus folgert auch“, so Stephan Thomsen, „dass eine Festlegung, welche Fächer relevant und welche weniger relevant sind und in welchem Umfang sie zu unterrichten sind, unmöglich ist.“ Die Verringerung der Schulzeit um ein Jahr verschärfe das Problem noch – um Universitäten und Fachhochschulen die Aufarbeitung der Defizite zu überlassen.

Die aber seien unter den aktuellen Umständen beschränkter Kapazitäten und zeitlich verkürzter Studiengänge überfordert. Lassen die Hochschulen ihre Studienanfänger nicht im Regen stehen und bieten entsprechende Mathematikkurse an, ginge das zwangsläufig auf Kosten anderer Inhalte, befürchten Bettina Büttner und Stephan Thomsen.

Viele Abiturienten, ahnen die Wissenschaftler, würden vor den mathematischen Anforderungen der Ingenieurstudiengänge schon vor Studienbeginn kapitulieren und andere Fächer wählen. Ein Bärendienst, den die Politik der Wirtschaft und jungen Menschen erweist.

 

Von Wolfgang Schmitz

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