Bildung

Technik ja, aber nur leicht bekömmlich  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 29. 7. 05 – Obwohl sich Schüler und Studenten täglich mit Technik beschäftigen, hinterfragen sie in der Regel nicht die Mechanismen. „Bedienkompetenz“ nennt Dr. Kirsten Schindler, die wesentlich an der Schüler-Studenten-Studie „Technophil oder technophob?“ beteiligt war, das geringe Interesse an technischen Details.

Schindler: Nein, den Eindruck habe ich nicht. Das hieße ja, es gäbe starke Emotionen gegenüber der Technik. Das aber ist gerade nicht der Fall. Technik hat viel von ihrem Mythos verloren. Sie ist zu einem Gebrauchsgegenstand geworden. Wenn der Computer nicht funktioniert, ist das zwar ärgerlich, Angst hat man deswegen aber nicht.

VDI nachrichten: Ist Technik zu komplex, zu schwierig und unverständlich, um für ein Ingenieur-Studium zu begeistern?

Schindler: Ich glaube vor allem, Technik ist zu abstrakt, zu ungreifbar. Ein Radio ließ sich noch öffnen und darin rumschrauben, bei einem Handy ist das kaum mehr möglich. Für Kinder und Jugendliche ist alles viel zu klein, viel zu wenig handhabbar. Hinzu kommt, dass Technologien kaum vermittelt werden, auch nicht in ihrer historischen Tragweite. Technikgeschichte, wie es sie hier an der RWTH Aachen gibt, hat es selten in die Schulbücher geschafft.

VDI nachrichten: Ist der Begriff des Ingenieurs zu diffus?

Schindler: Sicherlich. Vor allem ist die Unterscheidung der einzelnen Disziplinen in Elektroingenieur, Maschinenbauingenieur und Bauingenieur Schülern und Schülerinnen nicht präsent. Ich bin sicher, die Unterscheidung in Orthopäde, Internist etc. könnten die meisten der Befragten benennen. Der Ingenieur ist hingegen wenig präsent im Alltag der Befragten und er ist wenig präsent in den präferierten Medien.

VDI nachrichten: Fehlt es Jugendlichen an Neugierde, Zeit und Muße, um technische Prozesse zu hinterfragen?

Schindler: An der Neugierde fehlt es wohl am meisten. Wäre die Neugierde vorhanden, ließe sich wohl auch Zeit und Muße finden – obwohl uns alle befragten Schüler und Schülerinnen gesagt haben, dass sie sehr wenig Zeit hätten und sehr durch Schule und Hobbys eingespannt sind.

VDI nachrichten: Fehlen Vorbilder?

Schindler: Ideale und Vorbilder – außerhalb der bekannten Stars aus Film und Fernsehen – haben die Befragten, so unser Eindruck, ohnehin nur wenig. Dies gilt auch für die Studierenden. Zu sagen, man habe keine Vorbilder, ist auch eine starke Markierung von Individualität, was anscheinend wichtig ist. Große Persönlichkeiten prägen die Befragten sehr viel weniger als wir angenommen haben. Es sind fast immer Personen aus dem näheren und nächsten Umfeld wie Verwandte und Freunde, die starken Eindruck hinterlassen.

VDI nachrichten: Das Interesse an Technik sei bei Schülern „nicht mehr so stark vorhanden“, werden Sie zitiert. Gab es einmal „bessere“ Zeiten?

Schindler: Ja, denn insgesamt scheint es sich um einen längerfristigen Trend zu handeln, für den es eine Reihe von Indizien gibt. So wird beispielsweise Technik-Spielzeug inzwischen weniger von Kindern und Jugendlichen gekauft, sondern zunehmend von Sammlern.

VDI nachrichten: Die Vorstellung der Schüler und Studenten vom Begriff „Kompetenz“ scheint oberflächlicher Natur. Sie halten sich selbst für „technikkompetent“, gehen aber nur ungern ins Detail. Ist dieser Eindruck richtig?

Schindler: Ja. Kompetenz wird bei ihnen zur Bedienkompetenz. Kompetent zu sein, bedarf es wenig, in diesem Fall des sicheren Umgangs mit einigen Knöpfen. Theoretisches Wissen und Vernetzungswissen ist nicht Teil dieser Kompetenz.

VDI nachrichten: Wie könnte die große Technikdistanz von Mädchen und Frauen überwunden werden?

Schindler: Es gibt viele Initiativen, die das versuchen. Was mir wichtig erscheint, ist – so jedenfalls aus der Perspektive der Studentinnen – die bessere Vereinbarkeit von technischem Beruf und Familie. Auf diese Weise könnten Frauen als Ingenieurinnen sichtbarer werden und somit mehr Vorbildfunktion für den Nachwuchs haben. Natürlich muss sich auch einiges im Sprachgebrauch ändern: Wir müssen von Ingenieuren und Ingenieurinnen genauso selbstverständlich sprechen wie von Ärzten und Ärztinnen. Und schließlich glaube ich, dass über interdisziplinäre Studiengänge, wie unseren Studiengang Technik-Kommunikation, deutlich mehr Frauen für technische Fächer begeistert werden können. Ich denke, dass die meisten Initiativen in die richtige Richtung zielen. Sie haben ja auch schon erste Erfolge gezeigt.

VDI nachrichten: Es gibt bereits viele Kampagnen, die für den Ingenieurberuf werben. Sie fordern weitere Anstrengungen. Zielen die bislang unternommenen Bemühungen in die falsche Richtung?

Schindler: Ja, dann nämlich, wenn Voraussetzungen falsch eingeschätzt werden. Man kann nicht zwangsläufig von technischer Neugierde ausgehen, man muss sie aktiv fördern. Auch die Annahme, dass alle Schüler die freiwilligen Angebote der Universitäten zum Schnupperstudium mit Begeisterung aufnehmen, trifft längst nicht immer zu. Man muss selbst in die Schulen gehen und jungen Menschen klarmachen, dass sie etwas davon haben, wenn sie sich für Technik interessieren. Und man muss schließlich mehr als bisher die fachlichen Voraussetzungen schulen, etwa durch Workshops und Vorkurse, denn der Stundenanteil an naturwissenschaftlichen Fächern ist in den letzten Jahren sukzessive zurückgegangen. Ein großes Problem für die künftigen Studierendengenerationen.

VDI nachrichten: Könnte ein Fach Technik weiterhelfen?

Schindler: Ja, sicherlich. Es sollte Schülerinnen wie Schüler möglichst früh und langfristig begleiten und eine Alternative zum Physikunterricht darstellen. Denkbar wäre zum Beispiel, die historische, kulturelle und wirtschaftliche Dimensionen von Technik ebenso zu beleuchten wie die technologischen Entwicklungen. W. SCHMITZ

Dr. Kirsten Schindler ist Mitarbeiterin am Institut für Sprach- und Kommunikationswissenschaft der RWTH AAchen

Die Studie „Technophil oder technophob?“ kann bei der Walter Eversheim Stiftung, Pontdriesch 14-16, 52062 Aachen, bezogen werden.

www.isk.rwth-aachen.de

Stimmen aus der Studie
„Ganz viele kleine Fachidioten“
Schülerin, 19 Jahre: „Die Arbeitschancen sind halt ziemlich schwierig, weil es immer weitergeht mit der Entwicklung. Dann wird man ausgebildet und dann gibt es wieder neue Sachen, werden mehr Maschinen eingesetzt und dann bist du fehl am Platz, wirst nicht mehr gebraucht.“
Schüler, 18 Jahre: „Das ist alles so super trocken mit den Formeln und man muss auch büffeln. Das wäre für mich zu schwer.“
Student, 28 Jahre: „Die einzige Zeit, in der ich keine Technik nutze, ist die Zeit, in der ich schlafe.“
Student, 26 Jahre: „Die Leute mal dazu zu bewegen, ein Buch, das sich nicht mit Technik beschäftigt, zu lesen, eine Sprache zu lernen, die nicht Deutsch heißt, und in ein Land zu gehen, das nicht Nordrhein-Westfalen heißt, dazu muss man die Leute schon fast prügeln. Das macht natürlich keiner und ich glaube, dann bekommen wir ganz viele kleine Fachidioten aus der Uni.“ ws

 

Von W. Schmitz

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