Bildung

Selbstständigkeit heißt das erklärte Lernziel

Als 96 Schüler am staatlichen Hochbegabtengymnasium St. Afra erstmals den Unterricht besuchten, hatten sie einen harten Test bereits hinter sich – die Aufnahmeprüfung.

Sage es mir, und ich werde es vergessen. Zeige es mir, und ich werde es vielleicht behalten. Lass es mich selber tun, und ich werde es begreifen“, sagt ein asiatisches Sprichwort. Dieser Maxime folgt der Unterricht am sächsischen Landesgymnasium St. Afra in Meißen – dem ersten staatlichen Hochbegabtengymnasium.

Seit dem Schuljahresanfang lernen dort die ersten 96 Schülerinnen und Schüler. Sie alle wohnen im Internat. In den beiden nächsten Schuljahren werden erneut Schüler in die siebten und zehnten Klassen aufgenommen, so dass der volle Schulbetrieb 2003/04 beginnt. Zu diesem Zeitpunkt, nach Abschluss des dritten Bauabschnitts, soll die Schule 304 Lernende aufnehmen können. Der Unterricht beginnt mit Klasse sieben im zwölften Schuljahr wird, wie in Sachsen üblich, die Reifeprüfung per Zentralabitur absolviert.

Wer an der früheren Fürstenschule lernen wollte, musste zunächst eine intensive Prüfung bestehen, die sich auf schulische Leistungen und charakterliche Eignung bezog. Das ist bis zum heutigen Tage so geblieben: Alle Bewerber müssen sich einem Aufnahmeverfahren unterziehen, berichtet Gründungsleiter Dr. Werner Esser. „Die schulische Leistungsfähigkeit ist dabei nur ein Indiz. Wir veranstalten vier Auswahltage mit einer Vielzahl von Tests – pädagogisch, improvisatorisch, psychologisch. Dabei wird eine Rangfolge ermittelt, nach der wir schließlich einladen.“ Erwünscht sind Mehrfachbegabungen so ist es kein Wunder, dass unter den 96 „Schulanfängern“ allein 35 Pianisten sind. Ihnen stehen fünf Übungsklaviere in schallisolierten Übungsräumen zur Verfügung.

Wer sein erstes Trimester auf Probe bestanden hat, der darf sich Afraner nennen. Der Schulalltag wird sich von dem „normaler“ Gymnasiasten erheblich unterscheiden. Denn St. Afra fördert und fordert die Schüler, Selbstständigkeit ist erklärtes Lernziel. Die Neulinge beginnen daher mit dem systematischen Training von Lerntechniken. Vom Leitbild der humanistischen Bildung und Erziehung an der Landesschule kündet Kants „sapere aude“ (Wage zu wissen) über dem Südportal. „Wir haben die sächsischen Lehrpläne geprüft, und wir haben uns entschieden, Wiederholungen und Überschneidungen einzudampfen“, erläutert Esser. „Dadurch ist es uns gelungen, den eigentlichen Unterrichtsaufwand zu reduzieren und Freiräume zu gewinnen.“

Zum Grundlagenunterricht, dem sogenannten fundamentum, der für alle Schüler verbindlich ist, kommt ein Zusatzprogramm, das additum, mit zunehmenden Selbstlernphasen. Auf diese Weise will Esser das Engagement und die Aktivität der Gymnasiasten fordern: „Durch die Betonung des Selbststudiums wird das eigene Lerninteresse der Schüler systematisch gefördert.“ Der Lehrer wird dabei vom Belehrenden zum gymnasialen Mentor, der den Lernenden anregend, betreuend und fördernd zur Seite steht. Zu den addita zählen auch Musik, Kunst und Theater.

„Für uns ist wichtig, dass Sprachen und Naturwissenschaften gleichermaßen gefördert werden, dass weltoffene Neugierde genauso gewollt wird wie der Blick zurück in die eigene Geschichte“, unterstreicht Esser. „Ein Ingenieur, der sprachlich seine Hausaufgaben nicht gemacht hat, dürfte im vereinten Europa Probleme bekommen. Wir sind der Meinung, dass der Kombination von Sprachen und Naturwissenschaften die Zukunft gehört.“ Alle Schüler sind verpflichtet, mindestens drei Fremdsprachen zu erlernen. Jeder hat mindestens drei Leistungskurse zu belegen, von denen zwei im Abitur geprüft werden. Jedes Schuljahr soll ein besonderes Profil erhalten. Die Trimester der neunten Klassen beispielsweise widmen sich naturwissenschaftlich-experimentellen Fragestellungen, und werden mit entsprechenden Abschlussarbeiten beendet.

„Bildung und Erziehung an unserer Schule folgen dem Grundsatz, dass die Grundlage allen Lernens die Erfahrung ist“, betont Esser. „So legen wir großen Wert auf eine Vielfalt von Lern- und Lehrmethoden, vielfältige Nutzung von elektronischen Medien, experimentelles interdisziplinäres Lernen in den Naturwissenschaften und gleichberechtigt daneben den Umgang mit gelebten und nicht mehr lebenden Sprachen im Fremdsprachenunterricht.“ Der Alltag in der Landesschule wird geprägt durch kurze Wege, das Zusammenleben und -lernen von Lehrern und Schülern sowie die gute Ausstattung. Aus der reformpädagogischen Tradition übernimmt St. Afra die „services“: Die Schüler sollen lernen, sich ganz in den Dienst anderer zu stellen, beispielsweise durch Mitarbeit im Altersheim, im Krankenhaus, bei Hausaufgabendiensten, dem Technischen Hilfswerk oder der Feuerwehr. Das Ziel ist klar: Verantwortungsschulung.

Esser wünscht sich eine enge Beziehung zwischen dem Gymnasium und seiner Umwelt, eine Transparenz, die es ermöglicht, die Abgeschlossenheit des Internatslebens aufzubrechen. Auch Gästeappartements stehen zur Verfügung, um die Realität ins Schulleben hineinzuholen – mit Hilfe von Gastdozenten wie Wissenschaftlern, Künstlern oder Politikern. „Lebenslanges Lernen ist ein alles andere überragendes Gebot für die Generationen. Anregungen nehmen wir deshalb gerne auf.“ ANKE MÜLLER

 

St.Afra

Große Tradition seit 1543

„Theophrast, Plautus und Terenz waren meine Welt, die ich in dem engen Bezirk einer klostermäßigen Schule mit aller Bequemlichkeit studierte“, erinnerte sich Gotthold Ephraim Lessing an seine Afraner-Zeit. Moritz von Sachsen hatte 1543 die fürstliche Landesschule St. Afra gegründet. Sie bezog die Räumlichkeiten des durch die Reformation säkularisierten Augustiner-Chorherrenstiftes St. Afra in Meißen. An der Fürstenschule wurden die Schüler durch eine sechsjährige Ausbildung auf den Universitätsbesuch vorbereitet. Waren die Schüler mittellos, dann trug das Land die Kosten für Unterricht und Unterbringung. Mit dieser unkonventionellen Art der Begabtenförderung wollte Moritz den Aufbau der Landesverwaltung in seinem Sinne nutzen. Da vor allem Bürgerliche den Bildungsweg über die Fürstenschulen nutzten, konnte er auf diesem Wege die weitgehende Unabhängigkeit der Landesverwaltung von den Interessen des Adels durchsetzen. AM

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