Bildung

„ Sehr kompliziert gestrickt“

Um das Finanzwissen der Deutschen steht es nicht zum Besten, so eine Studie der Commerzbank. Fragen an Volker Brettschneider, einen der Autoren der Untersuchung.

VDI nachrichten: Herr Dr. Brettschneider, welches Ergebnis der Studie hat Sie am meisten überrascht?
Brettschneider: Am meisten verblüfft hat mich, dass selbst viele Aktienbesitzer nicht in der Lage sind, den Dax zu erklären. Damit hatte ich nicht gerechnet, schließlich ist der Dax jeden Abend in den Fernsehnachrichten.
VDI nachrichten: Wo hapert es noch?
Brettschneider: Bei der privaten Vorsorge sieht es besonders übel aus. Da sind die Kenntnisse am geringsten. Bedenklich auch, dass bei vielen kein volkswirtschaftliches Orientierungswissen vorhanden ist. Besser kennen sich die Leute bei Geld und Zahlungsverkehr aus, vermutlich weil sie tagtäglich damit zu tun haben. Generell gilt: Je geringer das Einkommen und der Bildungsabschluss, desto geringer auch die ökonomischen Kenntnisse.
VDI nachrichten: Sind in anderen Ländern die Bürger besser informiert? Gibt es vergleichbare Studien im Ausland?
Brettschneider: Einen direkten Vergleich gibt es meines Wissens nicht. In den USA werden jährlich Studien zu ökonomischen Fragen durchgeführt, aber die richten sich ausschließlich an Highschool-Absolventen und nicht an die Gesamtbevölkerung. Deshalb lässt sich schwer sagen, ob die Wirtschaftskenntnisse der Deutschen besonders schlecht sind.
VDI nachrichten: Nimmt die ökonomische Kompetenz der Bevölkerung ab? Vielleicht auch durch die Dominanz des Fernsehens, das wirtschaftliche Zusammenhänge nicht angemessen vermitteln kann oder will?
Brettschneider: Das ist schwer zu beantworten, weil wir diese Befragung ja jetzt zum ersten Mal durchgeführt haben. Die meisten Menschen haben allerdings nicht das Gefühl, dass sie zu wenig informiert werden. Ganz im Gegenteil. Sie stöhnen über die Fülle der Informationen, die auf sie einprasselt. Nur das, was sie gerade wissen möchten, ist oft nicht dabei.
VDI nachrichten: Das heißt, wirtschaftliche Informationen werden nicht genügend aufbereitet, nicht verständlich erklärt, nicht in Zusammenhänge eingebettet?
Brettschneider: Ja, die meisten Menschen fühlen sich überfordert. Die mediale Aufbereitung ist alles andere als optimal. Wobei ich natürlich auch die Probleme der Medien sehe. Die Tagesschau kann ja nicht zum Schulfernsehen werden. Aber auch die Berater von Banken und Versicherungen überfordern häufig ihre Kunden. Die Finanzprodukte, die sie verkaufen, sind sehr kompliziert gestrickt und erklärungsbedürftig. Hinzu kommt der Fachjargon, der abschreckt. Das alles verunsichert die Menschen. Da rächt sich, dass das ökonomische Basiswissen so bescheiden ist. Es ist einfach wenig vorhanden, auf das sich aufbauen oder an das sich anknüpfen ließe.
VDI nachrichten: Erklärt das vielleicht auch den Widerstand gegen Sozialreformen? Fühlen sich viele überfordert, wenn sie sich nun selbst gegen Lebensrisiken absichern sollen?
Brettschneider: Der Widerstand gegen Reformen hängt mehr damit zusammen, dass niemand gerne Besitzstände abgibt. Aber gewiss graust auch vielen bei dem Gedanken, sich beispielsweise künftig selbst um die Rente kümmern zu müssen, weil die gesetzliche Vorsorge nicht mehr ausreicht. Je weniger die Leute wissen, desto seltener werden sie initiativ, desto mehr sperren sie sich gegen Veränderungen.
VDI nachrichten: Sind die Wissensdefizite vielleicht auch Folge eines allgegenwärtigen Sozialstaates, der in fast allen kritischen Lebenssituationen den Einzelnen entlastet?
Brettschneider: Das spielt sicherlich mit rein. In vielen Bereichen waren die Menschen bisher nicht darauf angewiesen, sich selbst schlau zu machen. Der Einzelne konnte sich auf die staatliche Grundversorgung verlassen. Das verführt natürlich zu Passivität und Desinteresse.
Es kommt hinzu, dass das Sprechen über Geld bei uns immer noch tabu ist, wie soziologische Studien zeigen. Man spricht im Freundes- oder Familienkreis natürlich über finanzielle Angelegenheiten. Aber das spielt sich meist auf der Ebene von Tipps ab, also wer mit welcher Bank gute Erfahrungen gemacht hat oder ähnliches. Über grundlegende Fragen, etwa des eigenen Verdiensts, wird hingegen nicht gesprochen. Da gibt es eine große Reserve. Andere Kulturen sind da aufgeschlossener als wir.
VDI nachrichten: Sie fordern, dass schon in der Schule mehr Wirtschaftswissen vermittelt wird. Ist die Schule damit nicht überfordert? Die Lehrpläne sind doch heute schon voll gestopft…
Brettschneider: Die Curricula sind überladen, das ist wahr. Andererseits wäre es wichtig, schon früh Faktenwissen zu vermitteln und ökonomische Zusammenhänge aufzuzeigen. Die Bürger, das zeigt ja auch unsere Umfrage, möchten informiert werden. Und sie möchten von einer neutralen Instanz informiert werden. Da vertrauen sie einem Lehrer stärker als ihrem Versicherungs- oder Bankberater.
VDI nachrichten: Was sagen die Kultusminister zu Ihrem Vorschlag?
Brettschneider: Die halten sich stark zurück. Die Kräfte der Beharrung sind auch hier sehr stark. Die Konsequenz müsste ja sein, dass man die Fächer Arbeitslehre, Arbeit/Wirtschaft oder wie sie auch immer heißen, in der Sekundarstufe I mit mehr Stunden versieht. Oder dass man Wirtschaftsthemen verstärkt in andere Fächer aufnimmt oder ein eigenes Fach „Wirtschaft“ im Gymnasium einführt. Nur da tut sich fast nichts. Einmal abgesehen von Bayern, wo ein Fach Wirtschaftslehre mit einem rechtlichen Schwerpunkt im Gymnasium eingerichtet wurde. Auch in Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt gibt es solche Überlegungen. ps

Von Peter Schwarz

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