Bildung

Ohne Technik keine moderne Schulbildung

In Berlin diskutierte der VDI mit Gästen über eine moderne Schulbildung, in der Technikinhalte weit mehr als bislang berücksichtigt werden sollen. Zeitgleich präsentierte die Unternehmensberatung McKinsey ihre Vorstellungen einer „Bildungsexplosion“.

Was zügig vorankommen soll, das braucht strammen Rückenwind. Arbeitgeber, Gewerkschaften, Kirchen, Parteien und andere Interessenverbände fanden sich vor gut zwei Jahren im „Forum Bildung“ zusammen, um gemeinsam die Flaute zu beenden. Nun, da die Politik sich im Wahlkampf und im Zwist zwischen Bund- und Länderkompetenzen aufreibt, wollen andere sich nicht von einer drohenden Bildungskatastrophe überrollen lassen. Auf Kongressen, Tagungen und Seminaren erstellen Interessenvereinigungen aller Couleur Konzepte einer zukunftsweisenden Bildungspolitik – wie vor kurzem in Berlin.
Eine „düstere Zukunft“ prophezeit Dr. Uwe Pfenning von der Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg den Ingenieurwissenschaften. Die Leistungskurszahlen an deutschen Schulen seien rückläufig, die Studienanfängerzahlen stagnierten. „Mit diesem Nachwuchsmangel werden wir noch mindestens fünf bis sechs Jahre leben müssen“, sagte Pfenning auf dem VDI-Politik-Dialog „Technische Bildung in die Schule!“ in Berlin. Ein Widerspruch kennzeichne zurzeit den Stellenwert von Technik bei Kindern und Jugendlichen. Obwohl sich viele für technische Produkte begeistern, fehle das Verständnis technischer Prozesse. Um das schlechte Image ingenieurwissenschaftlicher Studiengänge zu beheben, müsse möglichst früh mit Technikbildung angefangen werden, um so auch den Frauenanteil in den Ingenieurwissenschaften zu steigern. „Spaß an der Technik, Spaß am Tüfteln muss Vorrang haben vor Motiven wie Branchenperspektiven oder die Höhe der Bezahlung.“
Kein Blatt vor den Mund nahm Prof. Herwig Hulpke, Leiter des Konzernstabes für Qualititäts-, Umwelt- und Sicherheitspolitik bei Bayer und Vorsitzender des VDI-Bereichs Technikbewertung: „Die Folgen eines eklatanten Mangels an naturwissenschaftlichem und technischem Verständnis in unserer Gesellschaft sind den Wenigsten bewusst.“ Es gelte bei vielen sogar als regelrecht schick, wenig zu wissen. Als weiteres Kriterium für den geringen Stellenwert von Technik identifiziert Hulpke den vermehrten Einzug von Nichttechnikern in die Chefetagen der Unternehmen. „Seitdem sind Respekt und Verständnis für technische Prozesse stark gebröckelt. So mancher Betriebswirt glaubt doch, er könne alles kaufen, nach dem Motto: ,Wenn wir hier keine Ingenieure haben, kaufen wir sie eben in England““““.“
Ob ein eigenständiges Schulfach Technik oder ein naturwissenschaftliche und technische Inhalte umfassendes Fach Science das Ei des Kolumbus ist und ob eine Ganztagsschule die geeignete Lernumgebung darstellt, darüber gingen in Berlin die Meinungen auseinander. Während Prof. Hans Schulte, Vorsitzender des VDI-Bereichs Technik und Bildung, für die klare Abgrenzung von den Naturwissenschaften im Unterricht plädierte und eine gesonderte Technikausbildung für Lehrer forderte, sprach sich der Parlamentarische Staatssekretär Wolf-Michael Catenhusen für ein Wahl- und gegen ein Pflichtfach Technik aus. Grundlage sei die Vereinheitlichung der Strukturen, schließlich frage „in Brüssel niemand nach Schleswig-Holstein oder Bayern, sondern nach Deutschland“.
Ohne die Forderung zu erheben, englischer oder französischer Technikunterricht ließe sich 1:1 auf Deutschland übertragen, stellte Prof. Gregor Tyrchan von der Uni Wuppertal beide Systeme ausführlich vor. Grundlage in beiden Staaten ist die große gesellschaftliche Technikakzeptanz sowie das Wissen um die hohe volkswirtschaftliche Bedeutung von Technik.
Diese Erkenntnis ist auch bis zu McKinsey vorgedrungen. Ebenfalls in Berlin versammelten sich auf Einladung der Unternehmensberatung neben Politikern und Wissenschaftlern auch Kultur Schaffende aller Schattierungen, um ihre Meinung zur Bildungslage kundzutun. Kurzweilige, informative Diskussionsrunden, deren häufig vom Thema abschweifende Inhalte jedoch nur das prominente Rahmenprogramm für die McKinsey““““ sche Bildungsbotschaft abgaben. Unternehmens-Chef Jürgen Kluge stellte ein Vier-Punkte-Programm als Zündstoff einer „Bildungsexplosion“ vor. Als ersten Schritt fordert McKinsey 270 000 neue Krippen- und 680 000 weitere Ganztagesplätze in Kindergärten, bei gleichzeitiger Betonung frühkindlicher Bildung. Ein Paket, für das der Staat rund 4 Mio. € aufbringen müsse. In der Schule seien regelmäßige Qualitätstests in Deutsch, Mathematik, Naturwissenschaften und einer Fremdsprache ein probates Kontrollmittel, während stärkere Leistungsanreize, etwa in Form von Vergütungen, Lehrer zu Höhenflügen motivieren sollen. Für die Hochschule empfahl Kluge die Einführung von Studiengebühren in Höhe von rund 3000 € jährlich, deren Summe den Hochschulen direkt zufließen soll.
Von Unterrichtsinhalten war indes wenig zu hören. Das Fach Technik war weder Bildungsfachleuten noch Künstlern auch nur eine Fußnote wert. WOLFGANG SCHMITZ
Literatur: Killius, Nelson; Kluge,Jürgen Reisch, Linda: Die Zukunft der Bildung, Suhrkamp 2002, Frankfurt a. M., 239 S., 10 €.

 

Von Wolfgang Schmitz

Stellenangebote im Bereich Hardwarenahe Programmierung

Pixida-Firmenlogo
Pixida Functional Owner – Digital Services und Connected Devices (m/w/d) München
Füll Systembau GmbH-Firmenlogo
Füll Systembau GmbH SPS-Programmierer / Automatisierungstechniker (m/w/d) Idstein
Jungheinrich Aktiengesellschaft-Firmenlogo
Jungheinrich Aktiengesellschaft Embedded Softwareentwickler (m/w/d) Norderstedt
XTRONIC GmbH-Firmenlogo
XTRONIC GmbH Embedded Software Developer (w/m/d) Böblingen
SimonsVoss Technologies GmbH-Firmenlogo
SimonsVoss Technologies GmbH Senior Middleware Stack Architect (m/w/d) Unterföhring bei München
Silver Atena-Firmenlogo
Silver Atena Lead Ingenieur Hardwareentwicklung (m/w/d) München
Jungheinrich AG-Firmenlogo
Jungheinrich AG Entwicklungsingenieur (m/w/d) Leistungselektronik für Ladesysteme Norderstedt
DMK Deutsches Milchkontor GmbH-Firmenlogo
DMK Deutsches Milchkontor GmbH PLC Software Engineer (m/w/d) Anlagentechnik Lebensmittelproduktion Georgsmarienhütte
über NISTLER CONSULTING-Firmenlogo
über NISTLER CONSULTING SPS-Programmierer (m/w/d) Raum Aschaffenburg
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)-Firmenlogo
Karlsruher Institut für Technologie (KIT) W3-Professur für Industrielle Informationstechnik Karlsruhe

Alle Hardwarenahe Programmierung Jobs

Top 5 Weiterbild…

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.