US-Bildungspolitik

Obama trotzt der Bildungskrise mit Finanzspritzen für die Basis  

Barack Obama will mit einigen Sofortmaßnahmen das drohende Debakel bei der Hochschulausbildung abwenden. Inzwischen sind die Schulden der Studierenden existenzgefährdend, da immer weniger Absolventen nach dem Studium einen gut bezahlten Job finden. Besonders am Herzen liegt dem US-Präsidenten die Ingenieurausbildung. VDI nachrichten, Düsseldorf, 30. 4. 09, ws

Mit einer besseren Finanzierung will der US-Präsident Barack Obama den Bildungsstand seiner Landsleute anheben. „In zehn Jahren soll unser Prozentsatz an College-Absolventen der höchste in der Welt sein“, lautet seine Zielvorgabe.

Doch die Zahl der US-Studenten ist rückläufig. Gründe dafür sind die steigenden Studiengebühren und die schlechteren Berufsaussichten für Hochschulabgänger. Obama weiß um das Problem: „In den letzten zehn Jahren haben sich die Studiengebühren an den privaten Universitäten verdoppelt und an den öffentlichen Hochschulen sogar verdreifacht“, beklagt er die Situation. Allein im letzten Jahr betrugen die Preissteigerungen etwa 6 %.

Dieses Ansteigen der Ausbildungskosten hat auch die Verschuldung der jungen Hochschulabgänger nach oben getrieben. Von den 2,7 Mio. Studenten, die im nächsten Monat graduieren, haben laut Hilfsorganisation FindAid zwei Drittel rund 22 500 Dollar Schulden.

Bis vor einem Jahr war diese Verschuldung überwiegend nur ärgerlich, denn vor allem Ingenieure und Naturwissenschaftler von den Edel-Universitäten bekamen gut bezahlte Jobs. Inzwischen aber sind Schulden existenzgefährdend, denn immer weniger Absolventen finden nach dem Studium einen lukrativen Job. So liegt die Ausfallrate bei diesen Krediten inzwischen bei 6,9 % – der höchste Wert seit über zehn Jahren.

Die Folge: Banken sind immer seltener bereit, Studienkredite zu vergeben. Auch wer einen Kredit bekommen würde, scheut das Risiko, weil er am Ende der Ausbildung möglicherweise mit einem Haufen Schulden arbeitslos ist.

Mit einem Appell hat deshalb Präsident Obama die Hochschulen aufgefordert, ihre steigenden Kosten nicht mehr auf die Studenten abzuwälzen, sondern sparsamer zu planen. Obama droht nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten. Zunächst soll eines der bisherigen Subventionsprogramme für Studentenkredite gestrichen und stattdessen eine direkte Hilfe für die Studenten eingeführt werden.

Derzeit müssen diejenigen, die ihr Studium selbst bezahlen, dieses über Kredite finanzieren. Die häufigste Form ist ein Bankkredit nach dem so genannten FFEL-Programm, bei dem die Banken für jeden Kredit direkte Subventionen erhalten. „Bislang haben wir mit Steuergeldern die Gewinne der Banken gesteigert, doch dieses Geld wäre viel besser bei den Studenten aufgehoben“, lautet Obamas Kritik an der gegenwärtigen Praxis. Seine Lösung: Die Kredite sollen von der Regierung direkt an die Studenten gegeben werden – ohne Einschaltung der Banken.

Das Office of Management and Budget schätzt, dass dadurch 48 Mrd. Dollar in den nächsten zehn Jahren eingespart werden könnten. Dieses Geld soll für zusätzliche Kredite genutzt werden. Bereits in den 70er Jahren war der US-Staat der größte Kreditgeber bei den Studenten, doch unter der Regierung von Präsident Bush Senior wurde der Schwerpunkt auf die Banken verlagert.

Obama will künftig die Finanzierung über die „Pell Grants“ ausbauen, das sind direkte Zuschüsse an die Studenten. In den letzten 30 Jahren ist deren Anteil an der Studienfinanzierung von 77 % auf 33 % gefallen. Für die nächsten zehn Jahre hat Obama 116 Mrd. Dollar zugesagt, damit diese Zuschüsse wieder schneller wachsen als die Inflation.

Ein weiteres Problem der US-Hochschulausbildung ist die Studienzeit, die länger ist als geplant, wodurch sich die Kosten ebenfalls erhöhen. Von denen, die ein Studium aufnehmen, das auf acht Semester ausgelegt ist, graduieren zwei Drittel zwischen dem Ende des achten und dem Ende des zwölften Semesters. Obama will 2,5 Mrd. Dollar bereitstellen, um lernwilligen Studenten zusätzliche Lernhilfen anzubieten.

Insbesondere die Ingenieur- und Naturwissenschaften liegen Obama am Herzen. „Wir applaudieren dem Präsidenten für seine Entscheidung, die Hochschulausbildung in den Bereichen Technologie, Engineering und Mathematik überproportional zu fördern und mit zusätzlichen Mitteln auszustatten“, heißt es in einem Brief, den Vertreter aus Hightech-Unternehmen und von Hochschulen unterzeichnet haben. Hierzu gehören Craig Barrett (Intel), Richard Templeton (Texas Instruments), Norman Augustine (Lockheed Martin), Shirley Tilghman (Princeton) und Alan Lesher (AAAS). HARALD WEISS

Von Harald Weiss

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