Bildung

Möglichkeiten noch längst nicht ausgereizt

Mit dem Computer wird vieles einfacher, auch das Lernen – so die gern gehörte Botschaft. Doch der PC hat längst noch nicht die traditionellen Formen der Wissensvermittlung verdrängt. Die Zukunft des E-Learning war ein wichtiger Aspekt, der erstmals seit 1983 wieder zum Thema Ausbildung in der Informatik veranstalteten Tagung, der International Federation for Information Processing (IFIP) und der Gesellschaft für Informatik (GI). Experten aus 22 Ländern trafen sich zum Meinungsaustausch in der Universität Dortmund.

Der entscheidende Schritt für die Weiterentwicklung des E-Learning ist ein verändertes, angepasstes Sozialverhalten der Lernenden, glaubt Sigrid Schubert, kürzlich zur Universität Siegen gewechselte Professorin für Didaktik, der Informatik und Organisatorin der Tagung. „Wir sind vermutlich in unserem Sozialverhalten wesentlich resistenter gegen technische Entwicklungen als wir denken. Und wir haben in der Vergangenheit auch ein bisschen geschwindelt, wenn suggeriert wurde, wer mit dem Computer lernt, bräuchte sich nicht mehr anstrengen.“

Dass dem E-Learning dennoch die Zukunft gehört, glaubt auch die Bundesregierung, die sich vor zwei Jahren entschieden hat, das größte Programm aufzulegen, das es jemals im Bildungs- und Forschungsministerium gab: Von 2000 bis einschließlich 2004 werden 800 Mio. € unter dem Stichwort „Use-to-learn“ bereitgestellt, um vor allem die Entwicklung von „Bildungssoftware“ zu unterstützen. Zurzeit laufen allein an den Universitäten über 100 Projekte, rund 500 Forschungsgruppen sind beteiligt, berichtet Staatssekretär Uwe Thomas als Vertreter des BMBF.

Schulen, Weiterbildungsinstitutionen und Hochschulen werden in Zukunft die Instrumente der Distance Education nicht ignorieren können, waren sich die Konferenzteilnehmer einig. Die Wirtschaft hat dieses Feld längst für sich entdeckt und auch Universitäten und Hochschulen vernetzen sich weltweit, um zielgenaue Angebote zu entwickeln. „Die Möglichkeiten der neuen Medien, über das Internet zielgerichtet Wissen an Menschen zu vermitteln, die unterschiedlichste Aufnahmefähigkeiten haben, sind noch längst nicht ausgereizt“, konstatiert denn auch Heinrich C. Mayr, Präsident der GI und Professor in Klagenfurt.

Beispiele aus Australien, wo es wegen der riesigen Entfernungen lange Erfahrungen mit dem E-Learning gibt, zeigten, dass das Einsparen von Personal und finanzieller Ressourcen jedoch nicht Leitmotiv für die Entwicklung von E-Learning-Produkten sein sollte. Ein Fehler der Vergangenheit war ebenfalls die Annahme, jeder könne bald sein maßgeschneidertes Lern-Programm im Internet auswählen. Realistisch hingegen sind zielgruppenspezifische und möglicherweise regional begrenzte Angebote, erläutert Sigrid Schubert. Wichtig sei zu ermitteln, welche Bildungsunterstützung von den konkreten Zielgruppen wirklich gewünscht wird.

Im Hochschulbereich sei inzwischen der richtige Weg eingeschlagen worden: Durch Befragung von Studierenden wird die Arbeit der Gestalter von Materialsammlungen bewertet, um damit Korrekturen zu ermöglichen. „Der Gewinn dieser Tagung ist, dass die internationale Forschungsgemeinschaft jetzt weiß, dass sie mit den deutschen Projekten gut zusammen arbeiten kann, wir aber nicht jeden Fehler, den man in anderen Ländern schon überwunden hat, in unseren laufenden Projekten wiederholen“, resümiert Sigrid Schubert.

Von M. Burazerovic

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