Bildung

Milliarden-Paket für klamme Unis  

Kanzlerin Angela Merkel sprach von einem „klaren Bekenntnis“ zu Bildung und Innovation, als Bund und Länder vor einigen Tagen das 18-Milliarden-Euro-Programm für die Wissenschaft verabschiedeten. Auch technisch orientierte Hochschulen freuen sich über den Geldsegen, ohne die Gefahr mangelnder Nachhaltigkeit zu übersehen. Das Deutsche Studentenwerk fordert sogar eine Debatte über die Qualität der Hochschulbildung. VDI nachrichten, Düsseldorf, 12. 6. 09, ws

In der Vergangenheit sei zu wenig Geld in naturwissenschaftlich-technische Fächer geflossen, um diese teuren Disziplinen entsprechend auszustatten. Hippler: „Um wettbewerbsfähig zu bleiben, muss kräftig investiert werden, etwa in neue Praktika und bessere Betreuungsrelationen.“ Zufrieden geben dürften sich die Hochschulen mit der einmaligen Finanzspritze aber keineswegs: „Das 18-Milliarden-Euro-Programm kann nur ein Zeichen sein. Es ist ein erster Schritt, um nachhaltige Entwicklungen anzustoßen.“

Auch Frank Stefan Becker befürchtet, dass angesichts klammer Staatskassen in Bildungsfragen wieder auf Sparflamme gekocht werden könnte: „Diese Gefahr besteht“, meint der Vorsitzende des VDI-Bereichs Ingenieuraus- und weiterbildung, „vor allem da die immer höher steigende Staatsverschuldung ein strukturelles, besonders seit den 70er-Jahren virulentes Problem ist.“ Die aktuelle Krise habe das Problem „dramatisch“ zugespitzt. „Andererseits glaube ich aber, dass allseits die Notwendigkeit erkannt wurde, in bessere Bildung als Stimulans für zukünftig wieder positive Wachstumsraten zu investieren.“

Becker erhofft sich „kurzfristig eine Senkung der seit Jahren zu hohen Abbrecherquoten an den Hochschulen durch eine bessere Betreuungsrelation, also mehr Lehrpersonal, längerfristig eine Verbesserung und breitere Verankerung eines motivierenden Technikunterrichts an Schulen“.

Gerade in der jetzigen Krisensituation könnte es für junge Menschen verlockend sein, eine Stelle an der Universität zu übernehmen. „Von daher bietet sich diese Krise an, Fehler der Vergangenheit, etwa den Abbau von Ingenieurprofessuren, rückgängig zu machen. Das geht nicht von heute auf morgen, aber je früher man das anpackt, umso besser.“

Finanzpakete seien das eine, eine Debatte über die Qualität der Hochschulbildung und die Studienbedingungen, das andere, sagt Rolf Dobischat, Präsident des Deutschen Studentenwerks (DSW). „Unterfinanzierte Hochschulen und Studentenwerke Studiengebühren, aber viel zu wenige Stipendien eines der sozial selektivsten Hochschulsysteme weltweit, Studierende, die sich als ,Kunden“ ihrer Hochschule und nicht als Mitgestalter begreifen sollen Stress und Leistungsdruck in überfrachteten Bachelor-Studiengängen: Es gibt viele gute Gründe, um zu protestieren“, zeigt Dobischat Verständnis für den in der nächsten Woche stattfindenden bundesweiten Bildungsstreik. W. SCHMITZ

Von W. Schmitz

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