Bildung

Mieses „Mathe“-Image

VDI nachrichten, Düsseldorf, 10. 12. 04 -Es liegt nicht an den Ausländern und auch nicht an einer generellen Verdummung der Bevölkerung, dass Deutschland bei Pisa so mittelmäßig abschneidet. Dem deutschen Schulwesen gelingt es nicht, soziale Unterschiede einzuebnen und das Fach Mathematik für Schüler begreifbar zu machen.

Der Umgang mit Zahlen ist für viele Schüler „eine kryptische Geheimlehre ohne jeden Bezug zur Wirklichkeit“. Wie das Magazin „Der Spiegel“ seine Leser wissen lässt, ist das „Horrorfach Mathematik“ das meist verhasste aller Schulfächer. Dass diese Erkenntnis in der Heimat von Adam Riese, Max Planck und Albert Einstein nicht auf Traditionen beruht, liegt auf der Hand. Einer der erstaunlichsten Pisa-Befunde bestätigt, dass deutsche Schüler so dumm nicht sein können: Beim Problemlösen, beim schlussfolgernden Denken, erzielten sie überdurchschnittlich gute Resultate. Und um dies hochwissenschaftlich zu untermauern, bescheinigt das Max-Planck-Institut deutschen Gymnasiasten, nie zuvor so intelligent gewesen zu sein.
$bild1$Das zeigt, wie wenig das deutsche Bildungssystem imstande ist, gute Ausgangslagen zu nutzen. Wenn Mathematiker von der „Schönheit“ ihres Faches reden, bleibt dieser ästhetische Zugang der breiten Masse vorenthalten. Mathematik wird eben meist mit Pauken und nicht mit Verstehen und Alltagsnähe in Verbindung gebracht.
Dabei hat sich hier zu Lande im Vergleich zur Pisa-Studie 2000 einiges bewegt. Lagen Norwegen und die USA damals vor Deutschland, hat sich dieses Bild inzwischen gewandelt. Für den Direktor des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, Prof. Jürgen Baumert, liegt diese Positiv-Entwicklung vor allem an dem Modellprogramm „Sinus“, das den Mathematik-Unterricht anschaulicher gestalten soll.
Im Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS) glaubt man nicht so recht an eine Wende. „Betrachtet man die Veränderungen zwischen Pisa 2000 und 2003, dann fällt auf, dass einige Länder sehr große Fortschritte gemacht haben. Vor diesem Hintergrund verblassen die leichten Verbesserungen deutscher Schüler. Andere Länder zeigten deutlich, „dass stärkere Fortschritte trotz der vergleichsweise kurzen Zeitspanne zwischen den Untersuchungen erreicht werden können, wenn man konsequenter reformiert“. Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung sei zu berücksichtigen, „dass die heute 25- bis 34-Jährigen ein niedrigeres Qualifikationsniveau aufweisen als noch vor knapp zehn Jahren“.
Wer sich hinter der Strategie „Die Ausländer sind Schuld“ versteckt, scheut vor unbequemen Reformen. Als Beispiel gelungener Integration gilt Kanada. Das Land hat es geschafft, mit einer humanen und ökonomisch sinnvollen Einwanderungspolitik ausländische Jugendliche so zu fördern, dass sie mittlerweile im Durchschnitt bessere Leistungen erzielen als einheimische Mitschüler. Hier zu Lande gelingt vor allem die Integration der in Deutschland geborenen Ausländer nicht: Diese Jugendlichen schneiden in Mathematik schlechter ab als jene 15-Jährigen, die im Ausland geboren sind.
Wenn sich nicht grundlegende Änderungen einstellten, fürchtet der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) um eine wirtschaftlich gesicherte Zukunft. „Naturwissenschaftlich-technische Bildung ist als Humankapital Grundlage und Motor für unsere zukünftige Volkswirtschaft“, sagt Prof. Gregor Tyrchan, Vorsitzender des VDI-Ausschusses Bildungsstandards. „Nur so erlangt Deutschland den Platz als technologischer Spitzenreiter.“
Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) schlägt in dieselbe Kerbe. „Wir müssen gerade den Bereich Mathematik-Naturwissenschaften-Technik interessanter machen“, meint BDA-Bildungsreferent Stefan Küpper. Die Wirtschaft dürfe allerdings nicht in der Zuschauerrolle verharren. Laut einer Ifo-Umfrage beteiligen sich 29 % der deutschen Unternehmen an Schul- und Hochschulprojekten. Weitere 32 % wollen demnächst dazustoßen.
Auch die Vermittlung von PC-Kenntnissen bleibt Pisa zufolge ein Schwachpunkt. Die Neugierde der Schüler sei groß, so ein Pisa-Kompetenztest, deren Befriedigung jedoch mangelhaft. Die Managementberatung A. T. Kearney weist in diesem Zusammenhang auf die Investitionen in Höhe von 1,1 Mrd. € hin, die in Deutschland seit 2000 in E-Learning-Projekte geflossen seien, „ohne dass sich jedoch ein übergreifendes Konzept oder eine überregionale Koordination zur Steigerung der Effizienz erkennen ließe“. Pisa-Sieger wie Australien und Südkorea seien im Bereich elektronischen Lernens sehr viel weiter.
In die Pisa-Kommentare mischen sich allerdings auch Stimmen, die Zweifel am Wert der Studie hegen. So spricht etwa der Mathematik-Didaktiker Wolfram Meyerhöfer in der Süddeutschen Zeitung von einer „Beliebigkeit“ der Testfragen, die keine brauchbaren Fazite hinterließen. Und der Essener Pädagogik-Professor Tassilo Knauf vermutet in der Frankfurter Rundschau hinter der Diskussion um ein früheres Einschulungsalter rein wirtschaftliche Interessen: „Pisa wird nur vorgeschoben. Es geht darum, dass Leute früher ins Berufsleben einsteigen und länger arbeiten sollen.“ (siehe „Eine Frage des Überlebens“, Seite 27) WOLFGANG SCHMITZ

Von Wolfgang Schmitz

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