Bildung

Lernout & Hauspie wieder mit neuer Führung

Nach nur fünf Monaten nahm CEO John Duerden seinen Hut und auch Chairman Roel Pieper warf jetzt das Handtuch.

Erneutes Stühlerücken beim belgischen Sprachtechnologie-Unternehmen Lernout & Hauspie: Nach nur fünf Monaten im Amt zog sich Anfang vergangener Woche der amerikanische CEO John Duerden auf einen Direktorenposten zurück. Sein Nachfolger wird der Belgier Philippe Bodson. Nur vier Tage später erklärte auch Chairman Roel Pieper seinen Rücktritt. Nun soll eine außerordentliche Aktionärsversammlung einen Nachfolger für Pieper bestimmen.
Offiziell wurde zum Rücktritt Duerdens wenig gemeldet, eine für den 22. Januar anberaumte Telefon-Pressekonferenz wurde kurzfristig abgesagt. Doch nach verschiedenen Zeitungsmeldungen war Duerden, der vorher Chef des von L&H übernommenen US-Unternehmens Dictaphone war, im Aufsichtsrat unter Druck geraten. Ihm wurde dem Vernehmen nach vorgeworfen, der Presse auch interne Papiere zugespielt zu haben, und so den Absturz des einstigen belgischen Musterunternehmens beschleunigt zu haben. Außerdem habe er Schwierigkeiten bei Dictaphone während der Übernahme verschwiegen.
Tatsache ist, dass Duerden nach dem Ausscheiden von Gaston Bastiaens als CEO im August 2000 begonnen hatte, die finanziellen Unregelmäßigkeiten des Unternehmens aufzuarbeiten. Das Wall Street Journal hatte erstmals darüber berichtet, dass Umsätze bei L&H – vor allem in Fernost – durch Geschäfte mit verbundenen Unternehmen „geschönt“ wurden. Der von Duerden im Internet veröffentlichte Untersuchungsbericht über diese Vorfälle weist dann auch Umsätze von über 250 Mio. Dollar aus den Jahren 98 bis 2000 auf, die unkorrekt gebucht wurden. Außerdem bescheinigt er einigen Managern und Aufsichtsratsmitgliedern, die Untersuchung der Vorfälle behindert und bewusst in die Länge gezogen zu haben.
Im Zuge der Untersuchungen zog sich L&H Mitgründer Pol Hauspie aus der Unternehmensführung zurück, vergangene Woche stellte nun auch Jo Lernout seinen Aufsichtsratsposten zur Verfügung und ist fortan nur noch technischer Direktor.
Die Zukunft von L&H ist derzeit kaum abzusehen. Duerden und Pieper haben Ende vergangenen bzw. Anfang diesen Jahres zunächst Gläubigerschutz in den USA und Belgien zugesprochen bekommen – für ein halbes Jahr. Noch Anfang Januar hatte Duerden die Eckdaten seines Restrukturierungsplanes vorgelegt: Binnen 18 Monaten sollten 1144 Entlassungen ausgesprochen werden, womit L&Hs Belegschaft um 25 % verkleinert worden wäre. Die Niederlassung in Südkorea sollte geschlossen, das verlustbringende Geschäft mit „Shrink-wrapped“ Software aufgegeben werden.
Duerdens Prognose Anfang Januar: Der Umsatz in 2000 werde sich auf rund 380 Mio. Dollar belaufen, nach 344 Mio. im Vorjahr. Die Prognose der alten Geschäftsführung für 2000 hatte noch bei 700 Mio. Dollar gelegen. Die Summe der zu hoch angesetzten Umsätze in 98, 99 und der ersten Hälfte 2000 belief sich laut Duerden auf rund 277 Mio. Dollar. Für 2001 erwartete er einen operativen Verlust von 25 Mio. Dollar, erst 2002 sollte L&H wieder schwarze Zahlen schreiben.
Natürlich brummte in der vergangenen Woche auch die Gerüchteküche rund um L&H. So kursierten Meldungen, der Automobilkonzern DaimlerChrysler sei an L&H bzw. an Teilen des Unternehmens interessiert. Da Sprachtechnologien im Automobil immer größere Bedeutung gewinnen, ein durchaus logisch erscheinender Schachzug, der allerdings bisher nicht bestätigt wurde.
Der neue CEO Philippe Bodson ist jedenfalls überzeugt, dass L&H ein wichtiges Unternehmen ist, das eine Reihe herausragender Technologien besitze: „Wir beschäftigen tausende von Menschen und stellen einen wichtigen Wirtschaftsfaktor in Belgien dar,“ sagte er angesichts seiner Ernennung. Er ließ allerdings die Bäume auch nicht in den Himmel wachsen: „Für den Augenblick bin ich nicht in der Lage konkrete Vorhersagen für die Zukunft von L&H zu machen, geschweige denn, irgend etwas zu versprechen.“ Er habe allerdings an seine Zusage verschiedene Bedingungen geknüpft, vor allem im Hinblick auf Unterstützung der Banken.
Roel Pieper begründete seinen Rücktritt als Chairman damit, Bodson einen kompletten Neuanfang zu erlauben. Er setze volles Vertrauen in den neuen CEO und wolle ihm ermöglichen, ein komplett neues Management-Team auf zu stellen. Das Wall Street Journal sieht in Piepers Rücktritt aber auch eine letzte Chance für den Holländer, ohne Gesichtsverlust aus dem Zeit raubenden und turbulenten L&H-Engagement herauszukommen. jdb

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