Bildung

Lehrer und Schüler lernen neue Medien kennen

Im Rahmen ihrer weltweiten Bildungsinitiativen schulen sie Lehrer in Netzwerk-Technik und im Einsatz neuer Medien. Bildungspolitiker sind von dem Engagement begeistert. Wer sich bei einem kommerziellen Weiterbildungsinstitut zum „Cisco Certified Networking Associate“ (CCNA) ausbilden lässt, zahlt dafür mehrere hundert Euro. Lehrer und Hochschullehrer können das weltweit anerkannte Industriezertifikat in einer 23-tägigen Fortbildung kostenlos erwerben. Voraussetzung: Sie geben ihre frisch erworbenen Kenntnisse in Planung, Aufbau und Betrieb von Computernetzwerken an ihre Schüler weiter. Die nötigen Lehrmaterialien werden ihnen praktischerweise zur Verfügung gestellt.

Das großzügige Angebot stammt von Cisco. Mit seiner weltweiten „Bildungsinitiative Networking“ will der Marktführer in Netzwerktechnologie seinen Beitrag zur Behebung des IT-Fachkräftemangels leisten. Gegründet vor fünf Jahren in den USA, kommt das von der Unesco anerkannte „Curriculum“ derzeit an über 9000 Schulen in 140 Ländern zum Einsatz.
In Deutschland startete die Initiative vor drei Jahren. Die Bildungshoheit der Länder verlangte Cisco deutlich mehr Überzeugungsarbeit ab als anderswo. Nicht eine zentrale Regierung, sondern die jeweiligen Kultusminister, galt es, von den Vorteilen der Public Private Partnership zu überzeugen. Mittlerweile hat der IT-Konzern mit zehn Bundesländern Rahmenvereinbarungen geschlossen. Die Zwischenbilanz in Zahlen: Knapp 600 geschulte Pädagogen unterrichteten hierzulande an 200 Bildungseinrichtungen über 8000 Schüler und Studenten in Netzwerk-Technologie. „Eine Fortbildung, die effizienter arbeitet, wäre lange zu suchen“, lobt Werner Lucha, Ministerialrat im bayerischen Kultusministerium und dort zuständig für IT-Fragen.
Begeistert zeigen sich Politiker, allen voran Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn, auch für die Initiative „Intel Lehren für die Zukunft“. Das ebenfalls international angelegte Fortbildungsprogramm des Chipherstellers vermittelt Lehrern das methodisch-didaktische Handwerkszeug für den Einsatz neuer Medien im Unterricht. In Deutschland arbeitet Intel eng mit Kultusministerien und Medien-Initiativen aller Bundesländer zusammen.
Realisiert wird die Fortbildung von medienerfahrenen Pädagogen, so genannten „master teacher“. Die Kollegen nehmen das Angebot dankbar an: Über 100 000 Lehrer aller Schularten haben die 40-stündige Schulung bereits absolviert. Bis Mitte nächsten Jahres sollen es noch mal so viele sein. Damit nicht genug: „Die meisten Bundesländer haben die Schulung fest in die Lehramt- und Referendarausbildung integriert“, sagt Martina Roth, Marketing Managerin Education bei Intel.
Ein derart enger Schulterschluss zwischen Bildungspolitik und Wirtschaft galt hierzulande lange als undenkbar. Den Ländern ist ihre Bildungshoheit heilig, den Unternehmen wurden rein kommerzielle Interessen nachgesagt. Dann aber machte sich in Deutschland ein enormer Mangel an IT-Fachkräften bemerkbar, der sich Prognosen zufolge in den kommenden Jahren weiter verschärfen wird. Die Informationstechnologie gilt als Motor für Fortschritt, und in der Politik setzte ein Umdenken ein: Im Rahmen der von der Bundesregierung gestarteten Initiative D21 sammelten sich Firmen, die kostenlos Internet-Zugänge, Hard- und Software zur Verfügung stellen.
Die Initiativen von Cisco und Intel dringen noch einen Schritt weiter in den Hoheitsbereich der Bildungspolitik vor, indem sie Inhalte liefern. Wolf-Dieter Lukas, Leiter der Abteilung Information und Kommunikation im Bundesbildungsministerium, sieht darin kein Problem, „solange die Firmen keine reinen Produktschulungen machen oder gar ihre Produkte im Unterricht vermarkten.“ Freilich: Die an der Cisco-Initiative beteiligten Schulen müssen sich die für den Unterricht nötige Netzwerk-Technik selbst anschaffen. Hersteller: Cisco, Kostenpunkt: Etwa 20 000 €. „Das sind Materialkosten, daran verdienen wir nichts“, versichert Henrik Tesch, Manager Government Relations bei Cisco. Intel hat für die Hard- und Software-Ausstattung der regionalen Trainingszentren Microsoft, Fujitsu Siemens und Siemens Business Services als Partner ins Boot geholt.
Cisco investierte in vielen Ländern bislang über 100 Mio. € in seine Bildungsinitiative, Intel nennt eine ähnliche Größenordnung. Die Motivation für dieses Engagement ist eine Mischung aus gesellschaftlicher Verantwortung, Sponsoring und langfristigem Eigennutz: „Wir wollen durch einen guten Ausbildungsstandard langfristig sicherstellen, dass wir, unsere Partner und Kunden qualifizierte Arbeitskräfte bekommen“, sagt Intel-Managerin Roth.
Trotz der positiven Resonanz seitens der Politik: Mit einer Ausweitung derartiger Public Private Partnerships auf den gesamten Bildungsbereich sei nicht zu rechnen, sagt BMBF-Abteilungsleiter Lukas: „Im IT-Bereich herrscht die besondere Situation vor, dass möglichst schnell eine marktgerechte Ausbildung gewährleistet werden muss.“ Keinesfalls dürften Kooperationen mit der Wirtschaft zu Entlastungen des Bildungshaushaltes genutzt werden. BIRGIT OBERMEIER

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