Bildungsmotivation

Lebenslanges Lernen bleibt oft Wunschdenken

Die Märkte rufen nach Innovation. Vor dieser Herausforderung kann der Ingenieur nur durch ständige Fortbildung bestehen. Die Bereitschaft dazu erweist sich aber zu oft als leeres Versprechen.

Sieben von zehn Erwerbstätigen halten nach einer repräsentativen Forsa-Umfrage aus diesem Jahr berufsbegleitende Weiterbildung für unerlässlich. Auch die Unternehmen sprechen sich auf dem Papier dafür aus, je nach Größe der Firmen zwischen 80 % und mehr als 90 %. Ein Wermutstropfen in der sprudelnden Begeisterung: Tatsächlich nutzen keine 10 % von derzeit rund einer halben Million Kurzarbeitern die Gelegenheit zur Fortbildung.

Trotz staatlicher Subventionen melden die wenigsten Betriebe ihre Beschäftigten dafür an, und die Betriebsräte machen offenbar wenig Druck auf ihre Geschäftsleitung. Auf die konkrete Frage an alle Arbeitnehmer, ob sie in den vergangenen zwölf Monaten tatsächlich auf Weiterbildung waren, antwortet nur die Hälfte mit ja.

Ein harter Kern von mehr als 20 % hält das für unnötig. Im internationalen Vergleich mit den Partnerländern in der Europäischen Union nimmt Deutschland laut einer aktuellen Studie der Bertelsmann Stiftung beim lebenslangen Lernen gerade mal einen Platz knapp über dem Durchschnitt ein, sowohl nach den Teilnehmerzahlen wie den Firmenausgaben für den guten Zweck. Skandinavien und die Niederlande liegen vorn.

Freilich steigt mit höherem Bildungsgrad die statistische Neigung zu lebenslangem Lernen, weshalb bei Ingenieuren mit einer überdurchschnittlichen Bereitschaft zu rechnen ist.

Timo Taubitz vom VDI-Wissensforum kommentiert die jüngste „Ingenieurstudie“ von 2008 mit den Worten: „Nur wenn kontinuierlich mindestens 5 % der Arbeitszeit zur Weiterbildung genutzt werden, kann ein Ingenieur technisch immer auf dem aktuellen Stand sein und seine Kenntnisse gezielt weiterentwickeln.“

Tatsächlich werden durchschnittlich nur gut 2 % der Arbeitszeit dafür eingesetzt. Zum Teil handelt es sich um unumgängliche herstellerbezogene Schulungen (etwa vom Softwareanbieter SAP), um Fachtagungen und zertifizierte Lehrgänge oder um ein formelles Zweitstudium zum Master.

Die Nachfrage seit der Finanz- und Wirtschaftskrise, also seit gut zwei Jahren, ist noch nicht übersichtlich erfasst. Der VDI startete deshalb Ende August das Projekt „educat-ING“. Im Mittelpunkt stehen branchenspezifische Umfragen, welche Rolle Weiterbildung für Ingenieure gegenwärtig spielt.

„Uns interessiert, ob die Wirtschaftskrise das Verhalten verändert hat und wo konkreter Bedarf besteht“, so Taubitz. Sein Wissensforum selbst nähert sich dem Buchungsrekord von 2008 mit beinahe 20 000 Teilnehmern.

Weiterbildung ist bei Vollbeschäftigung nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit. Rund 1 Mio. Ingenieure sind derzeit im Beruf, es gibt 37 000 offene Stellen und nicht mehr als 25 000 Arbeitsuchende. Wer sein Studium hinter sich gebracht hat, dem scheint der Arbeitsplatz erst einmal sicher.

Das ändert sich spätestens mit der Altersgruppe 50plus. Dazu zählen überdurchschnittlich viele Erwerbslose, vier von zehn. Dabei ist zu berücksichtigen, dass etwa im Hightech-Ländle Baden-Württemberg jeder zweite Ingenieur im Alter zwischen 61 und 65 in Rente ist und in den neuen Bundesländern überhaupt nur noch jeder dritte arbeitet.

Das hat zweifellos mehrere Gründe: Die Gesundheit mag schon mal besser gewesen sein, ebenso die Bereitschaft zum Umzug an einen neuen Arbeitsplatz. Aber offenbar sind auch Wissen und Können nicht mehr attraktiv genug für ein neues Stellenangebot, zu dem man nicht nein sagen kann. Lars Funk vom VDI-Bereich Beruf und Gesellschaft sagt: „Die technischen Zyklen werden heutzutage immer kürzer, wer nicht mit der Zeit geht, macht sich überflüssig.“

Die Märkte sind hungrig auf Innovationen – womit die Herausforderungen an die Fachleute wachsen. Ein Beispiel von vielen ist die Elektromobilität, die den Automobilbau revolutioniert. Im Wachstumsmarkt Biotechnologie geht es etwa um leicht verwesliche Biokunststoffe für Verpackungen oder für Implantate im menschlichen Körper, die sich mit fortschreitender Heilung eines Knochenbruchs von selbst auflösen.

Nicht nur Bauingenieure müssen sich auf Energieeffizienz ein- und umstellen. Kein Wunder also, dass bei allen Befragungen zum Weiterbildungsinteresse das Fachwissen oberste Priorität hat, deutlich vor ergänzenden Persönlichkeitstrainings für Führungsaufgaben.

Andererseits arbeitet heute jeder zehnte Ingenieur jenseits seiner Erstausbildung als Manager, Unternehmensberater oder in anderen Akademikerberufen, etwa als Patentanwalt oder Steuerberater. So viel berufliche Flexibilität und Weiterbildungsbereitschaft vergrößern zugleich den Personalmangel in den „klassischen“ Ingenieurberufen.

Um die Lücken zu schließen, hält es Ernst Hartmann vom VDI/VDE-Institut für Innovation und Technik für zwingend, Brücken von der berufspraktischen Weiterbildung zum berufsbegleitenden akademischen Studium zu schlagen. Das aber ist Zukunftsmusik, über die Professoren, Arbeitgeber und Arbeitnehmervertreter noch nicht im Einklang sind. HERMANN HORSTKOTTE

Von Hermann Horstkotte

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