Bildung

Laptop im Schulranzen

Im Evangelisch Stiftischen Gymnasium in Gütersloh hat die Zukunft bereits begonnen. 240 Schüler und ihre Lehrer lernen und arbeiten an Laptops. In allen Fächern gehört der Computer neben Federmäppchen, Heften und Büchern zum schulischen Alltag.

Dienstags, dritte Stunde, Mathe bei Frau Horn. Zunächst werden die Hausaufgaben besprochen. Aber anstatt ihre Aufgabenhefte aufzuschlagen, klappen die Schülerinnen und Schüler der 8 d ihre Laptops auf. Die Winkel im Dreieck sind Thema im Geometrieunterricht. Am Computer haben die 13- und 14-Jährigen zu Hause verschiedene Dreiecke konstruiert, nun werden die Resultate auf den Bildschirm geladen und besprochen. Per Funk sind die Ergebnisse der Schülerarbeiten schon vor dem Unterricht auf dem schuleigenen Server gelandet, und Anke Horn, die Lehrerin, hat ihre Kommentare zu den Hausaufgaben an die Kinder zurückgeschickt. Per Mausklick lassen sich Fensterchen öffnen, in denen die Schüler die Rückmeldung der Lehrerin lesen können. Das spart Zeit – und macht mehr Spaß.
In einem bundesweit einmaligen Projekt in Partnerschaft mit der Bertelsmann Stiftung und Toshiba haben bisher 240 Schülerinnen und Schüler in den 7., 8. und 9. Klassen des Evangelisch Stiftischen Gymnasiums in Gütersloh einen tragbaren Computer bekommen. In den kommenden Jahren sollen hier insgesamt 360 Kinder einen Laptop erhalten, um in der Schule multimedial lernen zu können. „Hier wird die Forderung von Bildungsministerin Bulmahn Realität, jeden Schüler mit einem Computer auszustatten“, so Dr. Detlev Schnoor von der Bertelsmann Stiftung. Für diese Initiative wurde ein in Deutschland bisher einzigartiges Finanzierungsmodell entwickelt: Toshiba subventioniert den Kaufpreis, die Bertelsmann Stiftung finanziert die Infrastruktur und Microsoft stellt zu günstigen Konditionen einen Teil der Software zur Verfügung. Auch die Eltern sind mit monatlich 65 DM beteiligt. Diejenigen Familien, die das Geld nicht aufbringen können, bekommen Unterstützung von zahlungskräftigeren Eltern. Aber wer sein Kind auf diese Schule schickt, der ist ohnehin in der Regel neuer Technik aufgeschlossen: Seit 20 Jahren sponsert die Bertelsmann Stiftung die Schule in ihrem Heimatort, deren bekanntester Absolvent übrigens Stiftungsgründer Reinhard Mohn ist. Für mehr als 20 Mio. DM entstanden hier im Laufe der Zeit eine Mediothek, so groß wie die Bücherhalle einer Kleinstadt, ein Multimedia-Raum mit Hochleistungsrechnern, Videoraum und Tonstudio. Die hauseigene Satellitenanlage liefert Klimadaten aus dem Weltraum.
Nicht nur in Mathe findet der Laptop Anwendung. Im Englischunterricht schreiben die Pennäler E-Mails an Schüler in England und den USA, im Erdkunde-Unterrricht können Referate mit Klimatabellen und Statistiken bebildert werden, in Geschichte wird im schuleigenen Intranet gestöbert und die Gruppenarbeit mit Bildern, Tönen, Musik und kurzen Filmausschnitten angereichert. Der Laptop findet als Unterrichtsmittel immer dort Anwendung, wo er die Arbeit unterstützen und erleichtern kann. Alle seine Arbeitsergebnisse kann ein Schüler für den wiederkehrenden Gebrauch speichern, so dann auch später noch grammatische oder mathematische Regeln aufgefrischt werden können. Besser als im herkömmlichen Unterricht, lassen sich Ergebnisse und Produkte der Arbeit gemeinsam besprechen. So kann per Mausklick ein Kind seine Hausaufgabe den anderen auf den Bildschirm schicken, während es selbst sie im Unterricht vorliest. Alle haben den Text vor Augen, können sich viel besser an der Diskussion beteiligen. „Die Schüler lernen nicht nur mit der modernen Technik umzugehen, sondern ganz nebenbei auch, wie man Material aufbereitet, es präsentiert und im Team arbeitet. Ganz wichtige Erfordernisse im späteren Arbeitsleben“, so Schulleiter Dr. Ulrich Engelen. Und: Es wird selbständiger gearbeitet. An ein Thema herangehen, überlegen, wie man es aufbereiten und anschaulich darstellen kann, welche Quellen man nutzen muss. Ein schuleigenes Intranet stellt den Kindern von den Lehrern erstelltes Material zu den unterschiedlichsten Themen und Fachbereichen zur Verfügung. Auch Dateien aus dem Internet werden hier – offline – zur Verfügung gestellt. An diesem Material können die Kids nun im Kleinen Suchstrategien und Surfen üben. Den Umgang mit dem Laptop haben die Jugendlichen schnell heraus: Eine Einführung in die Textverarbeitung gibt“s im Sprachunterricht, Excel steht in Mathe auf dem Stundenplan. Was dann noch fehlt, bringen sie sich gegenseitig bei. Einziges Problem: Tippen mit zehn Fingern. Dazu gibt“s ein Selbstlernprogramm auf dem Rechner, aber die meisten arbeiten sich natürlich im Zwei-Finger-Suchsystem voran. Und Mogeln kann man auch mit den Rechnern: In der Stunde kleine Nachrichten verschicken mit dem Winpop-Programm zum Beispiel. „Aber das ging früher auch, da haben sie Zettelchen rumgereicht“, meint Medienkoordinator Michael Kerber.
„Die Schüler sind viel motivierter, viel aktiver. Sie produzieren deutlich mehr und qualitativ bessere sowie oft sehr ansprechend gestaltete Texte, als das im herkömmlichen Unterricht der Fall ist“, so Kerber. Und seine Kollegin Anke Horn ergänzt: „Das, was sie lernen, wird besser verstanden, weil es anschaulicher und begreifbarer ist. Vor allem in Mathe. Klar kann man vieles auch an der Tafel zeigen oder mit dem Taschenrechner ausprobieren.

Lehrer müssen sich mit neuen Technologien anfreunden

Aber wenn eine Kurve auf dem Computer zeigt, wie in der Zinsrechnung zum Beispiel eine Summe durch Addition des Zinseszinses ansteigt, dann ist das durch kein anderes Medium zu ersetzen“, so Lehrerin Anke Horn, die sich vieles von dem, was sie im Unterricht anwendet, autodidaktisch beigebracht hat und auch ihre Kollegen in einer internen Arbeitsgruppe schult. Gemeinsam überlegen die Lehrer, in welchen Unterrichtszusammenhängen der Laptop sinnvoll anzuwenden ist, wie man die Schüler mit dem Rechner arbeiten lassen kann. Die Ergebnisse dieser Arbeit dokumentieren die Pädagogen – trotz der erheblichen Mehrbelastung verstehen die Lehrer sich als eine Art Pioniere, sind motiviert durch dieses Durchbrechen der Routine. „Langsam wandelt sich das Berufsbild Lehrer. Ein Lehrer muss nicht nur fachlich fit sein, sondern sich auch mit den neuen Technologien und den sich daraus ergebenden Möglichkeiten auskennen. Und er muss sich genau überlegen, wie er im Unterricht diese Dinge einbringen kann, um den Lernprozess der Schüler noch mehr voranzubringen“, so Engelen.
Werden in Zukunft Laptops Federmäppchen, Hefte und Bücher ersetzen? „Ersetzen nicht unbedingt, aber sie werden gleichberechtigt nebeneinander existieren“, ist der Schulleiter überzeugt. „Mit dem Computer wird eine ganz andere Art des Lernens möglich. Viel umfassender und vielgestaltiger. Dazu gehört aber auch, dass die Kinder Medienkompetenz erwerben, den richtigen Umgang mit Medien wie dem Internet, und die Bewertung der Informationsfülle: In welchen Fällen das Internet den traditionellen Informationsquellen unterlegen ist – und wo es sinnvoll und hilfreich ist. Ist das Erlernen dieses verantwortungsvollen Umgangs mit Medien nicht mindestens ebenso wichtig wie das inhaltliche Lernen, wie Goethe, Shakespeare und Bruchrechnung?“ fragt Schulleiter Ulrich Engelen. SABINE HENSE-FERCH

Von Sabine Hense-Ferch

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