Bildungsförderung NRW

Krisenszenario dämpft die Bildungseuphorie  

VDI nachrichten – Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart sieht in Nordrhein-Westfalen eine blühende Bildungslandschaft. So viel Optimismus konnten nicht alle Teilnehmer auf dem Kongress „Zukunft durch Innovation“ teilen. Mangelnde Motivation in den Schulen und die Warnung der Hochschulen, dem Ruf der Unternehmen nach intensiverer Ingenieurausbildung nicht ohne Wenn und Aber zu folgen, nährten die Debatte.

In der elterlichen Küche entdeckte Stephen Schulz seine große Leidenschaft. Was dort brodelte, war fortan nicht mehr nur das Mittagessen, sondern auch die Ingredienzien chemischer Experimente.

Vater und Mutter Schulz wurde die Sache nach einer Weile zu heikel. In einer Gartenlaube richteten sie ihrem Sprössling ein Versuchslabor ein. Auf der Suche nach Gleichgesinnten und Förderern stieß der Junge in der Schule auf taube Ohren. „Niemand kam auf mich zu. Ich musste 1000 Leute löchern, damit mir einer half“, erinnert sich der Chemiestudent heute an die Anfänge seiner wissenschaftlichen Karriere. Was ihn vorantrieb, waren weder Lehrer noch Mitschüler, sondern „Selbstmotivation“.

Um junge Menschen wie Stephen Schulz nicht im Regen stehen zu lassen, will das Innovationsministerium NRW bis 2010 im Projekt „Zukunft durch Innovation“ (ZdI) insgesamt 25 Zentren im Bundesland einrichten, die naturwissenschaftlichen und technischen Unterricht „mit modernsten Mitteln“ anbieten. Dazu sollen nicht nur entsprechende Gerätschaften gehören, sondern auch Menschen, die Begeisterung entfachen.

Dass die Wirtschaft dem Bildungstreiben nicht tatenlos zusehen dürfe, hob auf dem ZdI-Kongress in Dortmund Axel Heitmann hervor. Es sei schließlich bittere Realität, so der Vorstandsvorsitzende des Chemie-Konzerns Lanxess, dass der Fachkräftemangel den Unternehmen auch im Schatten der Wirtschaftskrise zu schaffen mache. Mit Blick auf die Aktivitäten seines Unternehmens bei der ZdI-Initiative meinte Heitmann: „Die Wissbegierde der jungen Menschen ist die beste Antwort auf unser Engagement.“

Innovationsminister Andreas Pinkwart (FDP) wünschte sich in Dortmund eine „größere Passgenauigkeit zwischen Studium und Wirtschaft“, damit aus Übergängen keine Hürden werden. Diese türmten sich in Deutschland insbesondere für Frauen auf. Während in Dänemark mehr als ein Drittel der Studienanfänger in den Ingenieurwissenschaften weiblichen Geschlechts seien, sind es in Deutschland nur 6 %. „Die ganze Gesellschaft leidet langfristig, wenn wir das als Thema für die Abteilung ,Frauen und Gedöns“ abtun.“

Um den Übeln an die Wurzeln zu gehen, forderte der Minister eine stärkere Förderung fachdidaktischer Inhalte und Fortschritte in der Bildungsforschung. Das Herumdoktern an Strukturen bringe wenig, konterte Physik-Professor Metin Tolan von der TU Dortmund. Mit so etwas füge man dem bereits vorhandenen bürokratischen Apparat von 18 Studienordnungen in Physik nur weitere hinzu. Tolan: „Vermutlich wäre es besser, mal für ein paar Jahre nichts zu tun. Was wir benötigen, ist Begeisterung.“ Und die ließe sich nun einmal nicht verordnen.

Die kurz zuvor noch von Pinkwart angemahnte engere Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft wolle man sich gerne zu Herzen nehmen, erklärte Ute von Lojewski, Präsidentin der Fachhochschule Münster. Man wolle sich aber genauso wenig in die Abhängigkeit wirtschaftlicher Zyklen begeben. „Unsere Stärke ist die Angebotsvielfalt, um bei schwankendem Bedarf reagieren zu können“, erteilte von Lojewski einer allzu technisch orientierten Ausrichtung ihrer Hochschule eine Absage.

Was die Industrie aber dringend brauche, seien nun einmal Ingenieure, meinte Theodor Wagner, Leiter Personal der GEA Wesfalia Separator GmbH in Oelde. Unternehmen wie seines, die neue Produkte kreierten und seit Jahren auf einer Erfolgswelle schwämmen, meldeten kontinuierlich Bedarf an Ingenieuren. In Richtung Hochschulen fragte Wagner: „Wozu bilden Sie en masse Betriebswirte aus? Warum nicht Ingenieure?“

Die Hochschulen seien gewarnt, meinte Bernd Kriegesmann, Präsident der FH Gelsenkirchen. „Wir erleben gerade eine Renaissance in der MINT-Diskussion (MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, die Red.).“ Mitte der 90er Jahre sei einer ähnlichen Debatte die Entlassung Rauswurf von Ingenieuren gefolgt. „Die Hochschulen fuhren folglich ihre Kapazitäten im Ingenieurbereich herunter.“ Kriegesmann schließt angesichts der Wirtschaftskrise eine vergleichbare Entwicklung nicht aus. „Erste Firmen starten damit, Ingenieure zu entlassen.“

Zum einen aber sei Deutschland dem Druck ausgesetzt, im Wettbewerb nur mit hochwertigen Produkten und Arbeitsplätzen punkten zu können, zum anderen „wird die Pipeline an hoch Qualifizierten zunehmend leer“. Auf 100 Ingenieure im Alter zwischen 55 und 65 Jahre kämen nur 90 im Alter von 25 bis 35 Jahre. Duale Studiengänge seien geeignet, allen Beteiligten Planungssicherheit zu geben. „So erreichen wir Kreise, für die sonst aus sozialen Gründen kein Studium in Frage käme.“

Dass es wenige junge Frauen in die MINT-Berufe zieht, wundert Barbara Schwarze vom Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit nicht: So seien die Bezeichnungen der Berufe im technischen Umfeld meist schon so abschreckend formuliert, dass Mädchen sich nicht angesprochen fühlten. „Wir bekommen damit nur diejenigen in die Berufe, die absolut technikorientiert sind, die wir aber nicht unbedingt haben wollen, weil ihnen andere Skills fehlen.“

 

Von Wolfgang Schmitz/Claudia Hantrop

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