Bildung

Innovationswettbewerb ist ein Kampf um die besten Mitarbeiter

Gesellschaftspolitische Kompetenz hält BMW-Chef Joachim Milberg für eine der Schlüsselqualifikationen zukünftiger Ingenieure. In einem Vortrag an der TU Berlin skizzierte er ein ambitioniertes Bild der Ingenieure von morgen. Im Folgenden die Schwerpunkte seiner Rede.

Ein großer Teil unserer Lebensqualität und unseres Lebensstandards, die wir heute genießen dürfen, gründet sich auf den Einsatz modernster Technik in vielen Lebensbereichen.
Das Entstehen und die Verfügbarkeit dieser Technik gründet sich wiederum auf die Kreativität, die Innovations- und Tatkraft von Ingenieurinnen und Ingenieuren. Die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie eines Landes ist bestimmt durch die Fähigkeit, die Erkenntnisse naturwissenschaftlicher und technischer Forschung in innovative Produkte und Prozesse umzusetzen und diese Produkte erfolgreich zu vermarkten. Und dieses ist die ureigenste Aufgabe von uns Ingenieuren!
Die Rolle des Ingenieurs geht also über Naturwissenschaft und Technik weit hinaus. Ingenieure sind Träger von Innovationen und sie tragen große Verantwortung.
Nur wenn wir uns verantwortungsbewusst dieser über Naturwissenschaft und Technik hinausgehenden Aufgabe stellen, können wir die Herausforderungen der Zukunft meistern.
Was sind konkret diese Herausforderungen der Zukunft? Von entscheidender Bedeutung wird sein, wie wir die Globalisierung auf Dauer inhaltlich gestalten. Hier ist Spielraum vorhanden, ähnlich der Wahl zwischen sozialer Marktwirtschaft und Manchester-Liberalismus. Zur Marktwirtschaft gibt es keine Alternative – ihre Ausprägung ist jedoch im Rahmen der Globalisierung zu diskutieren. Aus meiner Sicht muss die soziale Marktwirtschaft international Vorbild für die Globalisierung sein.
Der globale Wettbewerb der Unternehmen ist ein moderner Fünfkampf mit Disziplinen, die sich gegenseitig bedingen: Innovationskraft, Schnelligkeit, Kundennähe, wirtschaftlicher Erfolg und Mitarbeiterorientierung.
Die Innovationskraft eines Unternehmens ist eine Grundvoraussetzung und spielt im globalen Markt eine entscheidende Rolle. Wer innovativer ist als andere, entzieht dem direkten Kostenvergleich die Grundlage.
Schlüsselfigur bezüglich der Umsetzung, also das Subjekt des Wandels, ist bei Schumpeter der dynamische Unternehmer, der Entrepreneur – oder sollte ich an dieser Stelle sagen: der Ingenieur?
Innovationen – und damit die Ingenieure auch in ihrer Rolle als Entrepreneure – bestimmen letztlich über Erfolg und Misserfolg, über Aufstieg und Fall von Unternehmen.
Völlig klar ist, dass Innovationen um so erfolgreicher sind, je schneller sie ihre Wirkung entfalten können. Deshalb wird die Disziplin „Schnelligkeit“ auch immer wichtiger im globalen Wettbewerb. Im global transparenten Markt ist der Zweite im Innovationsrennen bereits der erste Verlierer.
Angesichts der enormen Summen, die von den Unternehmen in Forschung und Entwicklung investiert werden, geht es insgesamt bei diesem Wettrennen um viel Geld. Das bedeutet, der Druck auf die Unternehmen und speziell auf die Ingenieure nimmt ständig zu.
Jede Innovation, so schnell sie auch auf den Markt kommt, ist aber nur dann ein Erfolg, wenn sie dem Kunden Mehrwert bietet und für ihn einen echten Fortschritt bedeutet.
Letzten Endes ist es der Kunde, der entscheidet, was Innovationen sind. Und das ist die dritte Disziplin: Kundennähe.
Nichts geändert hat sich im globalen Wettbewerb an der Tatsache, dass das Ziel jeden unternehmerischen Handelns am Ende der wirtschaftliche Erfolg, also das positive Ergebnis ist.
Allerdings haben die Erwartungen und damit der Druck ganz speziell aus der Finanzwelt zugenommen. Kapital ist mobil und wird heute vorrangig da investiert, wo möglichst schnell die größten Gewinne zu erwarten sind.
Deshalb gehört es aus meiner Sicht zur nachhaltigen Ergebnisorientierung eines Unternehmens, neben den Shareholder-Interessen auch die Stakeholder-Interessen zu verfolgen.
Wir müssen erkennen, dass Erfolg nur im Netzwerk erzielt werden kann. Entscheidend ist also auch, die anderen Akteure im Netzwerk zu berücksichtigen. Neben den Anteilseignern sind das die Mitarbeiter, Kunden und Zulieferer, die Gesellschaft aber auch Wettbewerber.
Ich sehe es daher als die Aufgabe der Ingenieure und als Erfolgsfaktor für Ingenieure an, in Netzwerken zu denken und zu handeln und dabei gesellschaftspolitische Verantwortung zu übernehmen, nachhaltig zu wirtschaften und die Mitarbeiter einzubeziehen.
Ein strategischer Eckpfeiler ist deshalb die fünfte Disziplin: Mitarbeiterorientierung. Denn Globalisierung ist auch ein Wettbewerb um die besten Köpfe. Die Stärke von Unternehmen ist praktisch die Summe des Wissens, des Könnens und des Verhaltens aller Mitarbeiter.
Soweit zum modernen Fünfkampf der Unternehmen im globalen Wettbewerb.
Für das Arbeitsumfeld des Ingenieurs bedeutet dies, dass nicht nur das Unternehmen als Ganzes, sondern der Ingenieur selbst innovativer, schneller, kundennäher, wirtschaftlich erfolgreicher und mitarbeiterorientierter werden muss – neben seiner verbesserten Fachkompetenz.
Innovationswettbewerb ist vor allem auch ein Führungs- und Organisationswettbewerb – und damit ein Wettbewerb um die besten Mitarbeiter. Dieser Wettbewerb verschärft sich.
Dies bedeutet ein Hin zur lebenden Organisation mit Menschen als Mittelpunkt von Organisation und Technik. Gute Organisationen sind wie lebendige Körper, denen Muskeln wachsen, wenn sie gefordert sind.
Die Veränderungen der Wertewelt muss sich auch in der Ausbildung wiederfinden.
Natürlich wird auch künftig eine breite Grundlagenausbildung für den Ingenieur der Zukunft von entscheidender Bedeutung sein, da er trotz der fortschreitenden Spezialisierungstendenz ein breites Basiswissen benötigt.
Fachkompetenz ist notwendig, aber nicht hinreichend, um den Anforderungen der Unternehmen an die Mitarbeiter gerecht zu werden. Über Fachaufgaben hinaus kommt es darauf an, technische Zusammenhänge auch mit Nichtfachleuten bearbeiten und der Öffentlichkeit verständlich machen zu können. Für Ingenieure sind deshalb zusätzlich zur Fachkompetenz in Zukunft folgende Schlüsselqualifikationen wichtig:
Erstens: Gesellschaftspolitische Kompetenz. Damit meine ich die Integration sozialer, politischer, ökonomischer, ökologischer und ethischer Dimensionen ingenieurwissenschaftlichen Planens und Handelns.
Zweitens: Methodenkompetenz. Dies ist die Befähigung und Bereitschaft zu systematischem und vernetztem Denken und Handeln.
Drittens: Sprachkompetenz und Kulturkompetenz, Mobilität und Flexibilität. Es geht auch um Kommunikation.
Viertens: Unternehmerischer Geist und das Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge.
Schließlich fünftens die persönlichen Eigenschaften als Schlüsselqualifikation eines Ingenieurs. Hierzu zählen zum Beispiel Kriterien wie Leistungsbereitschaft, Selbstständigkeit, Entschlusskraft, Einschätzbarkeit, Glaubwürdigkeit sowie Fähigkeit zur Selbstkritik, insbesondere auch aber Verantwortung.
Das letzte Stichwort – die Verantwortung – halte ich für das Ausbilden von Kompetenz und Glaubwürdigkeit besonders wichtig. Denn genau hier entscheidet sich die Akzeptanz des Ingenieurs, der Unternehmen und des technischen Fortschritts in unserer Gesellschaft.
Meine Position ist: Die Ausbildung der Ingenieure in Deutschland ist immer noch die fachlich beste weltweit. Bei den Zusatzqualifikationen trifft das m. E. so nicht zu. Das Vermitteln zusätzlicher Fähigkeiten und das Vermitteln der Persönlichkeitsentwicklung muss verbessert werden. Die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes entscheidet sich nicht in den Fabrikhallen, sondern in den Klassenzimmern der Schulen und den Hörsälen der Universitäten. JOACHIM MILBERG

Von Joachim Milberg

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