Bildung

„Information zu Wissen machen“

Wertung macht aus Information Wissen. Auf dem Forum „Fit fürs Informationszeitalter“ des Bundespräsidenten forderte Hubert Markl den Wandel von der Informations- zur Wissensgesellschaft. Im folgenden Auszüge seiner Rede.

In einer Informationswelt ist 1 bit/sec eine quantité négligeable, ein unbeachtlicher Winzling an Information, 0 oder 1: Was ist das schon für Computer, die so etwas milliarden- oder billionenfach pro Sekunde zermahlen?
In einer Welt von Wissen, von bewerteten, beurteilten Informationen kann hingegen alles von diesem einzigen Bit abhängen: ja oder nein, tot oder überlebend nach einem Flugzeugabsturz, Zustimmung oder Ablehnung als Antwort auf einen Heiratsantrag. Mir liegt sehr daran, daß dieser Unterschied so deutlich wie möglich hervortritt, der Information und Wissen, Informationsgesellschaft und Wissensgesellschaft unterscheidet.
Warum dieser Unterschied zwischen Information und Wissen? Weil Wissen nach qualitativen Bewertungskriterien beurteilte Information ist, sozusagen das, was von verfügbarer Information als wertvoll aufzunehmen und zu bewahren ist, die Fähigkeit, Information oder Wissen verfügbar zu speichern. Für letzteres eignen sich menschliche Gehirne zwar auch, aber meist viel schlechter als dauerhafte Datenträger wie Bücher, Magnetbänder oder Compact Discs. Aber Gehirne können eben wesentlich mehr als nur speichern und auf Ab- oder Zuruf Gespeichertes reproduzieren. Sie können nämlich genau das, was Information zu Wissen machen kann, indem sie bewerten und beurteilen.
Ich bin ganz sicher, daß uns der Bundespräsident deshalb dazu aufforderte, ja fast schon freundlich, aber beharrlich zwang, diesen Entwicklungen höchste Aufmerksamkeit zu schenken, weil er uns nachhaltig bewußt machen wollte, daß es nicht reicht, unsere Kinder durch Ausbildung in der Grundkulturtechnik der Rechnerfertigkeit sowie zu Lesen, Schreiben und Rechnen, das Mitschwimmen im Informationsstrom beizubringen, sondern – wenn sie nicht darin untergehen sollen – daß heute Bildung im geradezu klassischen Sinn dieses Wortes zu erwerben, nämlich zur lebensertüchtigenden, nach qualitativen Wertmaßstäben ausgerichteten Urteilsfähigkeit die wichtigste Voraussetzung des Lebens im Informationszeitalter ist. Auch in Deutschland und gerade für Deutschlands Zukunft.
Da der Wissensfortschritt sich nicht mehr an den menschlichen Generationentakt hält, bedeutet dieser nichts anderes als ernorme Anstrengung an kontinuierlicher Weiterausbildung der Kenntnisse und Fähigkeiten möglichst vieler Menschen, wenn wir nicht neue Klassengrenzen – so wie früher zwischen den Habenichtsen und den Besitzenden – zwischen den Weißnichtsen und den Experten entstehen und bestehen lassen wollen.
Es kann gar keinen Zweifel daran geben, daß heute 6 Mrd. und in wenigen Jahrzehnten acht oder zehn oder gar noch mehr Mrd. Menschen nicht ohne die weltweite Nutzung informationstechnischer Leistungen zu überleben vermögen. Dies gilt auf jeden Fall für wissenschaftlich-technisch hochentwickelte Industrienationen, doch greift es von ihnen ausgehend über die gesamte bewohnte Erde aus. Weder ließen sich die Warenproduktion aufrechterhalten, die diese Menschheit benötigt, noch die Warenströme lenken, um den Bedarf weltweit zu decken weder ließe sich Straßen-, Bahn-, Flug- oder Schiffsverkehr koordinieren, noch Energie- und Wasserversorgung gewährleisten.
Die Informations- und Wissensgesellschaft, eine Gesellschaft, die es nicht nur in Deutschland, sondern im weltweiten Maßstab erst wirklich zu entwickeln gilt, denn wir sollten uns ja wahrhaftig nicht einbilden, schon genug zu wissen, ist also keineswegs Spielerei oder gar Narretei der Kulturmenschheit, die vor Jux und Tollerei nicht mehr ein noch aus weiß und immer noch etwas Neues braucht, um der Langeweile zu entgehen. Die Informations- und Wissensgesellschaft ist eine konsequente Fortsetzung der gesamten Kulturentwicklung dieser Menschheit in der Nutzung und Vernetzung aller ihrer intellektuellen, kognitiven wie praktischen Fähigkeiten, und sie ist in der Folge zugleich zur unabdingbaren Voraussetzung ihres künftigen Überlebens geworden.
Damit kommen wir zu einem zweiten Grund, warum das Bewußtsein wachsender Abhängigkeit von Wissens- und Könnenszuwächsen durchaus Ängste hervorrufen kann, und hier könnten wir Deutsche tatsächlich besonders sensibilisiert sein. Weltweites Handeln mit weltweiten Folgen erfordert Machtpotentiale des Wissens und Könnens, die weit über alles hinausgehen, was Menschen jemals verfügbar gewesen ist. Daß die Menschen als moralische Wesen aber weitgehend dieselben geblieben sind, die sie seit jeher waren, wer könnte gerade in unserem Jahrhundert daran zweifeln. Das kann einem schon Schreckensgedanken einflößen. Wer deshalb freilich vor allem nach werthaltigerer Erziehung ruft, verkennt, daß dies – worum es angeblich früher sowieso wesentlich besser bestellt war – schon in der Vergangenheit Greueltaten keineswegs zu verhindern vermochte. Wachsende, global wirkende Macht des Handelns erfordert daher auch gleichzeitig zuhause wie global soziale Kontrolle zur Sicherung von Frieden, Sicherheit, Menschenwürde und Menschenrechten für alle, Kontrolle, die sicher im Großen so wenig ohne den Einsatz sozial autorisierter Gewalt auskommen wird, wie dies im Kleinen seit jeher der Fall war. Das Informationszeitalter und die globale Wissensgesellschaft benötigen daher nicht nur verstärkte Anstrengungen in Bildung, Werterziehung und Weiterbildung, sondern sicherlich genauso in der Fortentwicklung gesellschaftlicher, staatlicher und vor allem auch überstaatlich-globaler Verhältnisse, die nach aller Erfahrung der Menschheit auch eine Fortentwicklung von Rechtsordnungen und der Mittel zu deren Durchsetzung sein muß, genauso wie Fortentwicklung des Rechtsbewußtseins und der Verantwortungsbereitschaft der Bürger.
Die Zukunft Deutschlands – jener 1,3 % der Menschheit, die zwischen 5 % und 10 % des neuen Wissens und Könnens der Menschheit hervorbringen und etwa ebensoviel des Bruttoprodukts an Gütern und Leistungen – die Zukunft dieses kleinen und doch nicht so kleinen Deutschlands in der Weltgesellschaft des heraufkommenden Informationszeitalters wird vor allem dadurch bestimmt sein, ob wir bereit sind, unsere gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse für die Notwendigkeiten und Herausforderungen dieser neuen Zeit fit, d. h. funktionstüchtig zu machen, statt uns vor dieser Wirklichkeit in deutsche Spezial- und Sozialvisionen zu flüchtigen. Es gibt ja bei uns eine gewisse Tendenz fast schon selbstschädlicher nationaler Überheblichkeit, die sich auf die Formel bringen läßt: Deutsch sein heißt, von anderen Nationen nicht lernen zu können, und von den angelsächsischen Ländern schon gar nicht, weil wir nämlich selbst alles viel besser wissen. Deshalb haben wir auch für unsere politischen Verhältnisse das Reformfahrzeug mit exakt quadratischen Rädern erfunden, weil dies im Stau wesentlich sicherer steht. Die Auswirkungen können wir in unserem staatlichen Hochschulsystem genau studieren wie in unserer föderalistischen Laokoonfinanzverfassung, in Tarifvertragsritualen, öffentlichem Dienst- und Arbeitsrecht. Über eines sollten wir uns ganz klar sein: Selbst wenn vor jedem Kinderbett und auf jedem Grundschulpult ein Computer stünde und 90 % der Deutschen in jeder freien Minute auf Bildschirme starren, dann werden wir die Zukunft im Informationszeitalter dennoch nicht gewinnen, solange wir nicht zugleich erkennen und die notwendigen Konsequenzen daraus ziehen, daß Freiheit und Selbstverantwortung in einer dynamischen, wissensgetriebenen Gesellschaft grundlegend wichtige Antriebskräfte sind, die den Lebenserfolg bestimmen, und daß wir unsere Kinder durch Bildung darauf vorbereiten müssen, sich in einer solchen offenbar globalen Wettbewerbsgesellschaft bewegen und bewähren zu können, ohne dabei auf Schritt und Tritt von staatlichen oder syndikalistisch-nebenstaatlichen Regulierungen behütet, gegängelt und geschurigelt zu werden. Denn wie sollen die Bürger einer Gesellschaft von den Chancen einer dynamischen Wissensgesellschaft profitieren können, wenn Staat, Parteien, Behörden und Verbände immer alles besser zu wissen meinen als der betroffene Bürger selbst, der schließlich nicht für den Staat und die Verbände da ist, sondern dem diese eigentlich zu dienen hätten.
HUBERT MARKL
Hubert Markl: „…unsere Kinder durch Bildung darauf vorbereiten, sich in einer globalen Wettbewerbsgesellschaft bewegen und bewähren zu können.“

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