Lebenslanges Lernen

Im Un-Ruhestand ist Zeit für Aristoteles

Für die Ingenieurwissenschaftler des gleichnamigen Vereins der Universität Essen ist das mehr als eine Worthülse. Im sogenannten Ruhestand haben sie endlich Zeit, auch ihren geisteswissenschaftlichen Neigungen freien Lauf zu lassen.

n Neigungen freien Lauf zu lassen.

Geschichte ist spannender als jeder Kriminalroman, aber eben keine Fiktion, sondern vergangene Wirklichkeit“, erklärt Lutz Giesenschlag, warum er mit 70 Jahren noch ein Geschichts-Studium absolviert. Zwar ist der gelernte Maurer und diplomierte Ingenieur der Staatsbauschule Essen ordentlich immatrikuliert, aber das Magisterexamen ist kein wirkliches Ziel mehr für ihn. Mit bekanntem Alterssarkasmus wehrt Giesenschlag ab: „Das Examen würde ich ja sowieso nicht mehr erleben.“

Anders Ulrich Dorstewitz (64), der promovierte Bergingenieur macht keine halben Sachen und steht deshalb kurz vor dem Magisterexamen als Philosoph.Trotz der langen Jahre im Management von großen Unternehmen der Energiewirtschaft zeigt Dorstewitz dabei die typischen Stresssymptome. Den gängigen Vorurteilen entsprechend, hatte er das Fach Philosophie zunächst als scheinbar beliebig kennen gelernt – und erlebt jetzt sein blaues Wunder: „Dieses Fach zeigt erst im Examen seine Krallen, aber ganz herbe. Da werden Skills verlangt, die ein Ingenieur nie und nimmer bringt.“ Als Disziplin erfordere die Philosophie andere, aber bestimmt nicht geringere Ansprüche an den Intellekt, weiß der Altingenieur inzwischen. Wie im umgekehrten Falle Geisteswissenschaftler Probleme mit den Anforderungen eines Ingenieurstudiums hätten.

Wer ein langes Berufsleben hinter sich hat, hat einiges erlebt: Die Entdeckung der Betriebswirtschaft durch die Ingenieure, Umweltschutz als wichtiger Faktor für Planung, Betrieb und den Absatz von Produkten, die EDV-Revolution, das Sterben von ganzen Industrien und Berufszweigen: Vergleichen zwischen Gestern und Heute offenbaren, dass es trotz des permanenten Wandels auch Kontinuitäten gab. So war etwa für Rudolf Ebert die ständig geforderte Anpassungsfähigkeit und Flexibilität über all die Jahre selbstverständlich. Als Maschinenbauingenieur ging er direkt nach der FH in den 60er Jahren in die stark aufstrebende Kunststoffindustrie und musste notgedrungen gleich ein zusätzliches „Vor-Ort-Studium“ anschließen.

Hauptsächlich im Mittelstand beschäftigt, durchlief Ebert Stationen in der Kunststoffanlagenfertigung, -Produktion und -Planung und dem Verkauf. Der Wunsch, sich weiterzubilden, wurde zum Zwang, wenn es auf der Karriereleiter nach oben gehen sollte. Erst zum Abschluss seiner Laufbahn konnte Ebert noch einmal an zweiter Stelle einen metallverarbeitenden Betrieb „regieren“, so dass sich in gewisser Weise der Kreis zum ursprünglichen Studium schloss. Betriebswirtschaftliche Fragen wurden im Laufe der Zeit immer wichtiger, erinnert sich Rudolf Ebert. Jetzt, als Rentner, absolviert er ein komplettes BWL-Studium, denn „wenn man einmal drin ist in diesem Denkkreis, dann kann man so nicht schnell wieder aufhören: Das Lernen geht ja immer weiter“, konstatiert der 64-Jährige.

Ulrich Dorstewitz gehörte zur ersten Ingenieurgeneration, der gar nichts anderes übrig blieb, als sich beruflich neu zu orientieren, weil die eigene Branche, in diesem Fall der Bergbau, keine Zukunft bot. Es galt, aus der Not eine Tugend zu machen. „Ich habe alle fünf Jahre nicht nur neue Jobs, sondern wirklich neue Technologien lernen müssen: Kesselbau, chemische Verfahrenstechnik, Stromwirtschaft. Aus Zwang, aus Druck, aber auch aus Freude. Das Lernen aus Bedürfnis und Neigung ist eine ganz andere Sache, die wirklich getrennt gesehen werden muss“, erklärt Dorstewitz.

Regelrecht Bedauern empfindet Lutz Giesenschlag für die heutige Ingenieurgeneration. Früher erhielten Neulinge die Gelegenheit zu einer informellen Ausbildung, bei der auch Fehler gemacht werden durften. Dies sei heute wohl anders. „Man wurde ja auch nie arbeitslos. Man konnte heute Nachmittag aufhören und fing am nächsten Morgen woanders an“, erinnert sich Giesenschlag. Besonders intensiv verfolgt Bauingenieur Gerasimos Romanos – von 68 Lebensjahren arbeitete er 32 Jahre in der Abwasserwirtschaft – die aktuelle Situation, denn seine beiden Söhne sind ebenfalls Diplomingenieure und seit zwei bzw. neun Jahren im Beruf: „So jung, so sehr unter Druck stehend, wie diese Jungs, das habe ich nicht erlebt“, beschreibt er die veränderten Verhältnisse.

Aber, unterscheiden sich heutige Ingenieure grundsätzlich von der früheren Generation? Rudolf Ebert glaubt das nicht. „Nein, wir waren genauso harmlos.“ Mit breitem Grinsen erklärt er: „Ingenieuren fehlt, vom Prinzip her, die Kritik der reinen Vernunft. Sie sind technikgläubig und entsprechend strukturiert. Die große Arbeitsbelastung in den Kernfächern hält sie schon während des Studiums davon ab, auch Fächer wie Soziologie zu hören und damit Dinge zu lernen, die sie eigentlich genauso für ihr Berufsleben brauchen.“

Später im Job, ergänzt Romanos, ist man in gewisser Weise ebenfalls stark eingeschränkt. Darüber hinaus bleiben Fragen, denen er erst jetzt z.B. mit seinem Germanistikstudium in strukturierter Weise nachgehen kann. Es sei enorm wichtig, sich auch im Alter ständig geistig zu betätigen, bekräftigt Rudolf Ebert, und ein Studium sowie das Forum, das eine Institution wie „LebensLangesLernen” bietet, seien natürlich bestens dazu geeignet. „Sonst könnten wir natürlich auch daran denken, unsere Energie politisch umzusetzen. Dann geht es aber rund“, nennt Ebert feixend eine weitere Alternative für Ingenieure im Unruhestand.

MANFRED BURAZEROVIC

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