Bildung

Im ICE einen PC-Schnellkurs absolvieren

Wie bringen wir den Chef ins Internet?

Antwort: Beispielsweise mit dem persönlichen EDV-Trainer – der kommt sogar im Zug zum Zug. Weiterbildungsangebote im IT-Bereich wenden sich meist an Anwender, bringen also dem Buchhalter bei, wie er mit einem speziellen Programm Zahlungseingänge verbucht. Solche Seminare bieten private und öffentliche Weiterbildungseinrichtungen an, doch auch viele Firmen wie Microsoft oder SAP schulen ihr Personal selbst Aug’ in Auge mit dem Ausbilder oder via Intranet erwerben die Teilnehmer bei Erfolg IT-Zertifikate.
Führungskräfte aber brauchen oft spezielle Trainings. Sie sollen nicht lernen, wie ein Sonderangebot oder ein Unternehmensporträt ins Internet gestellt wird – solche handwerklichen Aufgaben erledigen Spezialisten. Nein, Manager müssen zunächst ein Gespür dafür entwickeln, welche Ziele sich mit Hilfe des Werkzeugs Computer und des Mediums Internet erreichen lassen. Erst dann können sie abschätzen, welche Investitionen und Organisationsmaßnahmen z. B. E-Commerce erfordert. Und manche wollen schlicht wissen, welche Knöpfe sie am PC drücken müssen, um im Internet Informationen abrufen, verarbeiten und weiterleiten zu können.
Doch wer vermittelt Einsteiger-Wissen? Für herkömmliche Gruppen-Schulungen haben Führungskräfte meist keine Zeit. Tutoren-Systeme wie beim US-Konzern General Electric, wo Internet-versierter Nachwuchs der Konzernspitze zeigt, was eine gute Website ausmacht, wie Online-Bestellungen funktionieren und wo die Grenzen des Netzes liegen, sind in Deutschland unüblich. Und traditionelle Einrichtungen wie die Bad Harzburger Akademie für Führungskräfte der Wirtschaft lehren Rhetorik, Führungsverhalten, Betriebswirtschaft – aber nicht, wie ein Computer bedient wird. In diese Marktlücke stößt eine wachsende Zahl von Unternehmen.
Die Medienakademie Köln etwa bietet „Coaching-on-demand”: individuelle, kompakte und diskrete Unterrichtseinheiten für Top-Manager. Den Umgang mit dem PC lernten in Köln schon die CDU-Politikerin Christa Thoben, der Headhunter Heiner Thorborg und Reimar Unterlöhner, Generalbevollmächtiger beim Gerling-Konzern NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement wird es ihnen nachtun.
Eine Umfrage der Akademie unter 455 Führungskräften ergab: Die Chefetage weiß, dass eigene Weiterbildung in Sachen Internet enorm wichtig ist. Dennoch hält sich die Nachfrage nach solchen Trainings in Grenzen.
Der Wuppertaler Kreis, ein Verband von Weiterbildungseinrichtungen, die 1999 480 000 Führungskräfte schulten, stellte in einer Umfrage unter seinen 48 Mitgliedseinrichtungen fest: Neue-Medien-Seminare werden nach wie vor wenig nachgefragt. Doch wenn die passenden Angebote erst einmal geschaffen und beworben würden, dann erwarten die Institute eine „zunehmende Bedeutung von Seminaren, die Medienkompetenz vermitteln”.
Carsten Löwe, Geschäftsführer des Wuppertaler Kreises, glaubt zwar, dass Entscheider, die so gar keine Ahnung von Computern haben, „bald aussterben”. Auch der Leiter der WestLB Akademie Schloss Krickenbeck GmbH, Dr. Rolf Gilbert, sagt: „Fast alle älteren Führungskräfte, die sich mit dem Instrument PC vertraut machen wollen, haben es inzwischen gelernt. Die anderen, die sagen: ,Mit Mitte 50 will ich das nicht mehr lernen, wozu habe ich eine Sekretärin?’, die werden auch in Zukunft nicht kommen.”
Arpad Domjan von der Medienakademie dagegen beobachtet, dass Geschäftsfreunde „einander mittlerweile statt zum Golfen schon mal zur exklusiven Internet-Schulung einladen“. Auch Löwe sieht noch Nachfrage, speziell nach „Inhouse-Schulungen für die Führungsmannschaft”. Dabei kommt der Trainer ins Haus. Das habe nichts mit Diskretion zu tun, sagt Gilbert: „Je höher jemand in der Hierarchie steht, desto weniger Zeit hat er, desto intensiver muss der Unterricht sein. Wir stimmen darum unsere Schulungen auf Kleingruppen oder Einzelunterricht ab. Es ist nicht unsere Aufgabe, tiefenpsychologisch zu schürfen, ob Führungskräfte sich vielleicht schämen, Wissenslücken einzugestehen.”
Der Unternehmensberater Herbert Ullsperger erlebt dagegen immer wieder, „dass Manager sich gern als wissend darstellen”. Ullsperger lebt von dieser Eitelkeit. Seine Firma Cheftraining.de bietet spezielles „Manager EDV-Training” an. Genutzt wird es vorwiegend von Männern über 40. Effizientes Suchen und Finden im Internet, Präsentationen in PowerPoint, Umgang mit Mailsystemen, mobiles Arbeiten am Notebook – was auch immer die Kundschaft verlangt, Ullsperger vermittelt es. Und zwar im Unternehmen, im Hotel, in der Privatwohnung und sogar im Zug. Für eine zweistündige Schulung im IC Berlin-Frankfurt berechnet er 600 DM.
In der Medienakademie kostet ein eintägiges Training mit mehreren Referenten 3500 DM bis 7000 DM. Schloss Krickenbecks Experten kommen für rund 6000 DM pro Tag ins Haus. „Natürlich ist das teuer”, sagt Gilbert: „Aber ein Unternehmen verliert viel mehr Geld, wenn der Vorstand neue Entwicklungen verschläft.”
Für ihr Geld können die Manager erwarten, dass sich der Trainer ganz auf ihre konkreten Bedürfnisse einstellt und sie nicht mit Grundsätzlichem belastet.
Der Praktiker Ullsperger, gelernter Informationselektroniker, hat gelernt, sich auf die Wünsche seiner Klientel einzustellen: „Manager erwarten, dass man sich ihrem Zeitbudget, ihrem Lernverhalten und ihrer Geschwindigkeit unbedingt anpasst. Ein Trainer darf nicht ein Programm abarbeiten, sondern muss dem Kunden bei inhaltlichen Sprüngen sofort folgen.”
Die Anspruchshaltung gestresster Vorstandsvorsitzender fordert dem Trainer Selbstbeherrschung ab: „Da muss man sich manchmal sehr, sehr zusammennehmen und auch schon mal einstecken können”, sagt der Unternehmensberater Hermann Ullsperger. PATRICK BIERTHER

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