Bildung

Hasso Plattners „Privatsache“

Bildungsförderung ist für Hasso Plattner Herzenssache. Seine Initiative ist die größte private Stiftung für Akademische Bildung in Deutschland. Zur Eröffnung des Hasso-Plattner-Instituts für Softwaresystemtechnik an der Universität Potsdam stellte sich der pressescheue SAP-Chef den VDI nachrichten.

VDI nachrichten: Herr Plattner, Sie haben 125 Mio. DM für Bau und Betrieb des neuen Hasso-Plattner-Instituts für Softwaresystemtechnik gestiftet. Was treibt Sie an, so viel Geld in eine Bildungseinrichtung zu stecken?

Plattner: Wenn man das Glück gehabt hat, durch geschäftlichen Erfolg über viel Geld zu verfügen, dann ist es eine Verpflichtung, sich zu engagieren. Dabei musste ich nur einen kleinen Teil meiner Aktien umtauschen, um die Bildungsstiftung zu finanzieren. Und mit einem Teil dieser Stiftung finanziere ich jetzt den Bau des Instituts und seinen Betrieb in den kommenden 20 Jahren.

VDI nachrichten: Spielt da Dankbarkeit gegenüber Ihrer eigenen guten Ausbildung eine Rolle?

Plattner: Ja, natürlich. Das habe ich in den USA gelernt. Bei erfolgreichen Unternehmern gehört Stiften zum guten Ton.

VDI nachrichten: Anders herum gefragt: Ist Ihre Stiftung eine Kritik am deutschen Bildungssystem oder der Versuch, eine Kaderschmiede für SAP aufzubauen?

Plattner: Nein, das wäre völlig falsch. Das Institut hat auch mit SAP nur in sofern zu tun, als dass SAP das größte europäische Softwarehaus ist und sich als solches mit Projekten an der Ausbildung beteiligen wird. Sicher wird später der ein oder andere Student von SAP übernommen. Aber die Stiftung ist eine reine Privatsache von Hasso Plattner.

VDI nachrichten: Sie beschreiben das Programmieren, wie es heute betrieben wird, auch als „Basteln“. Tatsächlich gibt es erhebliche Effizienzunterschiede bei verschiedenen Softwareprojekten. Was passiert, wenn aus Bastlern Ingenieure werden?

Plattner: Wir wollen Leute ausbilden, damit sie Software konstruieren. Sehen Sie sich an, aus wie vielen Teilen und mit wie vielen Ingenieuren heute ein Auto gebaut wird. Softwareprodukte sind heute genauso groß – wenn nicht sogar komplexer. Aber bei der Entwicklung von Software ist viel weniger geklärt, wie die verschiedenen Beteiligten zusammenarbeiten. Der Maschinenbau hat für diese Konstruktionsplanung eine 100 Jahre alte Kultur entwickelt. Bei den Bauingenieuren kommen Tausende Jahre zusammen und selbst die relativ junge Elektrotechnik besitzt eine 150 Jahre alte Kultur der Zusammenarbeit. Die Komplexität von Software ist höher als die eines Autos, aber dieses Zusammenspiel müssen wir noch lernen.

VDI nachrichten: Die Studenten lernen hier also weniger Programmieren als das Organisieren von Programmierungsprozessen?

Plattner: Ja, ähnlich wie die Architekten. Die müssen wissen, wie man ein Haus baut, welche Materialien es gibt und was es mit deren Festigkeiten auf sich hat. Aber sie müssen das Gebäude nicht selber mauern, 
Decken einziehen oder Leitungen verlegen.

VDI nachrichten: Sie berichten noch heute begeistert von Ihrem Studium in Karlsruhe, weil sich dort IBM und Siemens in der Ausbildung sehr engagiert haben. Das ist aber auch der räumlichen Nähe zu verdanken. SAP in Walldorf ist dagegen gut 600 km von Potsdam-Griebnitzsee entfernt. Wie wollen Sie und Ihr Management sich da engagieren?

Plattner: Ach, das ist doch kein Problem. Mit dem Flugzeug sind es von Mannheim aus nur 50 Minuten bis Potsdam. Wir werden schon im kommenden Wintersemester das erste Symposium mit Vorträgen von SAP-Architekten veranstalten. Dabei gibt es Gastvorlesungen, unter anderem von mir.

VDI nachrichten: Bisher haben Sie in Potsdam aber noch nicht gelesen.

Plattner: Nein, ich warte noch ein bisschen, bis die Studenten ins Masterstudium übergehen. Ich bin nicht ausgebildet, Grundlagen im Software-Engineering zu lehren. Aber ich kann vielleicht Erfahrungen vermitteln, wie wir Software-Systeme gebaut und womit wir Erfolge und Misserfolge gehabt haben. Ich halte zur Zeit Vorlesungen in Saabrücken. Und wenn ich etwas weniger bei SAP belastet bin, werde ich in Potsdam aktiver.

VDI nachrichten: Werden die Studenten hier neben der Technik auch das Gründen von Unternehmen lernen? Der Gründer-Glanz ist zuletzt verblasst und die meisten Absolventen wollen jetzt wieder in den festen Sattel von SAP oder Siemens.

Plattner: Das müssen sie aber nicht. Es gibt Vorteile in den großen Unternehmen, es birgt Risiken, wenn man etwas alleine machen will. Aber beides sind Karrierewege, die gleichberechtigt nebeneinander stehen. Und an der Humboldt-Universität in Berlin gibt es einen SAP-gesponserten Lehrstuhl für Unternehmensgründungen. Das können wir sicher in den Studienplan einbinden. Schließlich ist man von Potsdam aus mit der Regionalbahn in 20 Minuten in Berlin Mitte.

VDI nachrichten: Wie wollen Sie sich weiter für die Ausbildung engagieren?

Plattner: Ein Teil meines Aktienvermögens steckt in der Stiftung, die sich vor allem für Ausbildung engagiert. In den letzten Wochen schwankt der Wert des Stiftungskapitals dramatisch. Aber es sind immer noch rund 1,5 Mrd. DM. Und das wird weiter in Bildung investiert. MARCUS FRANKEN

 

 

Hasso-Plattner-Institut

Stark am Markt orientiert

Die Studenten der Softwaresystemtechnik an der Universität Potsdam haben ein neues Zuhause. Nach 14 Monaten Bauzeit haben Brandenburgs Ministerpräsident Manfred Stolpe und SAP-Gründer Hasso Plattner vergangenes Wochenende die Neubauten am Uni-Campus Griebnitzsee eröffnet. Im Berliner Grunewald hat sich der Milliardär Plattner mit der Stiftung des Studiengangs ein Denkmal gesetzt.

 Am Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik lernen 80 Studenten pro Semester weniger Programmsprachen als vielmehr, wie sie immer komplexer werdende Softwarepakete entwerfen und umsetzen. Die private Hasso-Plattner-Stiftung wird die Ausbildung am HPI in den nächsten 20 Jahren mit 100 Mio. DM finanzieren.

Den weltweit einmaligen Studiengang Softwaresystemtechnik haben viele Erstsemester nicht als Alternative zur Informatik gewählt, sondern anstelle der Wirtschaftsinformatik. Sie wollen nicht kleinteilige Lösungen programmieren, sondern größere Systeme konstruieren. Sie büffeln in den ersten zwei Semestern keine Programmiersprachen, sondern eignen sich vor allem Wissen über Systeme, Mathematik und Wirtschaft an. Hintergrund: Für John Guttag, Chef des Department für Elektro-Ingenieure und Computerwissenschaft am MIT, dauert die Entwicklung der meisten Computersysteme zu lange und ist damit zu teuer. HPI-Studenten sollen lernen, die Entwicklungsprozesse billiger zu machen.

Statt mit Noten, beurteilt das HPI seine Studenten nach dem internationalen „Credit Point System“. Dadurch sollen sich Auslandssemester leichter anrechnen lassen. Als Abschlüsse winken Bachelor (sieben Semester) und Masterdiplome (zehn Semester). Ein Wermutstropfen: Während im ersten Jahrgang am HPI noch unter 80 Erstsemestern 20 Frauen waren, sind es im dritten Jahrgang nur noch eine Hand voll. mf

Von Mf
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