Bildung

Frauen mit Energie erobern die Elektrotechnik

Elektrotechnik mit dem Vertiefungsschwerpunkt Energieberatung und -marketing nur für Frauen. Das Projekt soll helfen, den Nachwuchsmangel in Ingenieurberufen zu lindern.

Helles Lachen im Aufenthaltsraum, munteres Geplauder am Tisch, Pausenbrote und Erfrischungen sind ausgepackt, Zigarettenrauch kräuselt sich über den Köpfen – ein halbes Dutzend Studentinnen sucht Entspannung zwischen den Vorlesungen. Szenen des normalen Hochschulalltags? An der Fachhochschule Bielefeld müssen sich Studenten und Lehrpersonal an die Anwesenheit „so vieler“ Frauen noch gewöhnen. Elektrotechnik ist für gewöhnlich Männersache. Mit einem Anteil von 3 % an der Studentenschaft sind Frauen in diesem Fachbereich gemeinhin die absolute Minderheit.
Mit dem Beginn des Wintersemesters 1998/99 hat die FH Bielefeld eine neue Ära eingeläutet. Am Teutoburger Wald wird bundesweit erstmalig ein Studium für Frauen mit dem Vertiefungsschwerpunkt Energieberatung und -marketing angeboten.
Die Liberalisierung der deutschen Stromwirtschaft war für Dekan Prof. Dr. Bernd J. Schumacher auslösender Faktor, das Projekt ins Leben zu rufen. Seine Überlegung: Der Wettbewerbsmarkt zwingt die Energieversorgungsunternehmen (EVU) zu einem dramatischen Strukturwandel.
Zu Monopolzeiten waren Vertrieb und Marketing Fremdworte für die Branche, nun müssen Fachabteilungen aus dem Boden gestampft werden. Mit dem vorhandenen Personal allein wird das nicht gelingen. Also werden zusätzliche, ausgebildete Fachkräfte benötigt, nach vorsichtigen Berechnungen Schumachers hierzulande rund 10 000 in den nächsten fünf Jahren.
Wie läßt sich dieser Bedarf decken, zumal Ingenieure gegenwärtig ohnehin Mangelware sind? Eine Lösung soll die Bielefelder Studienrichtung für Frauen aufzeigen. Wenn in drei Jahren die ersten Ingenieurinnen ihr Diplom bekommen, sei das zwar nur ein Tropfen auf den heißen Stein aber immerhin ein Anfang.
Schumacher plädiert grundsätzlich dafür, daß mehr Frauen technische Fächer studieren: „Unsere Gesellschaft steuert in den Schlüsselbereichen Elektrotechnik, Informationstechnik und Maschinenbau auf ein ernsthaftes Problem zu, weil wir zuwenig Nachwuchs haben. Wir werden unseren Lebensstandard nicht halten können, wenn wir nicht endlich die weibliche Hälfte der Bevölkerung und deren Fähigkeiten entdecken.
Andererseits muß man sich vor Augen halten, daß Frauen 50 % aller Kaufentscheidungen treffen. Frauen sind im allgemeinen kommunikativer, kreativer, sprachgewandter. Mit ihren speziellen Fähigkeiten können sie beispielsweise in der Beratung besser auf Kundenbedürfnisse eingehen.“ Doch warum dafür eine technikorientierte Ausbildung? „Da hochtechnische Dienstleistungen erbracht werden müssen, reicht ein rein betriebswirtschaftlicher Ausbildungsansatz nicht aus“, erklärt Schumacher. „Im gesamten elektro- und kommunikationstechnischen Markt fehlen Frauen mit Fachkompetenz.“
Die Idee, Frauen für technische Berufe zu gewinnen, sei nicht neu, berichtet Schumacher. Die Realisierung sei das Problem gewesen: Wie erreicht man interessierte Frauen, und wie kann man sie für ein Technikstudium begeistern? Um traditionelle Verhaltensmuster bei der Berufswahl zu durchbrechen, war ein attraktives Angebot gefragt, ein neuer Denkansatz.
Der Umbruch im Energiemarkt mit seinen beruflichen Chancen speziell für Frauen kam wie gerufen. Mit finanzieller Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen und professioneller Hilfe einer Werbeagentur wurde 1998 die Kampagne „Gesucht: Frauen mit Energie“ gestartet. Einerseits sorgten Poster und Movie-Cards mit zielgruppengerechten Texten und auffälliger Grafik u.a. in Schulen, Kneipen und Diskotheken für Aufmerksamkeit, andererseits wurden die Medien in der Region mobilisiert. Das Ergebnis war bemerkenswert: Insgesamt rund 150 Frauen ließen sich die Bewerbungsunterlagen schicken, 28 schrieben sich schließlich zum Wintersemester 98/99 ein, davon entschieden sich 24 für die Frauenstudienrichtung Elektrotechnik. „Das sind fast so viele, wie normalerweise an allen zwölf Fachhochschulen Nordrhein-Westfalens im Fachbereich Elektrotechnik zusammen“, so Schumacher. Gegenwärtig rührt der FH-Professor schon die Werbetrommel für das Wintersemester 1999/2000, damit eine Zahl von mindestens 20 Studentinnen wieder erreicht wird.
Inzwischen absolvieren die ersten Elektrotechnik-Studentinnen ihr zweites Semester. Die Gruppe ist auf 18 zusammengeschmolzen, aber das sei ein normaler Prozeß, sagt Schumacher, von 100 Erstsemestern erreichen in der Elektrotechnik durchschnittlich 60 Studierende den Abschluß. Der FH-Professor bescheinigt seinen Studentinnen hohe Intelligenz und geistige Beweglichkeit, aber auch die bekannten Anfangsschwierigkeiten in den Grundlagen von Mathematik und Naturwissenschaften.
Stimmt also das alte Vorurteil, Frauen hätten es in diesen Fächern schwerer? Mitnichten, wiegelt Schumacher ab. „Die jungen Männer haben das gleiche Problem. Das hat mit Reformbewegungen an den Gymnasien und Oberschulen zu tun. Diese Fächer werden dort leider viel zuwenig gelernt.“
Welche Erfahrungen haben die Studentinnen bisher gemacht? Die meisten wollten ursprünglich andere Fächer studieren, beispielsweise Betriebswirtschaft, Sprachen oder Sozialpädagogik. Vor allem durch Presseberichte wurden sie auf den neuen Studiengang aufmerksam. Die in Aussicht gestellten attraktiven Karrierechancen waren das stärkste Argument, ursprüngliche Berufspläne über den Haufen zu werfen.
Alle waren mit viel Elan und großen Erwartungen ins Studium gestartet. „Daß nur vier aus unserer Gruppe am Ende des ersten Semesters eine Pflichtklausur bestanden haben, war für viele von uns schon ein herber Rückschlag“, gesteht Ann Christin Renner ein. Doch von Resignation ist nichts zu spüren – das Thema Energiewirtschaft sei auf jeden Fall interessant. Mit Teamgeist und Engagement wollen die jungen Frauen das Technikstudium meistern.
„Elektrotechnik ist kein Zuckerschlecken“ – in dem Punkt sind sich alle einig. Zusätzliche Repetitorien oder Tutorien zur Vertiefung kommen leider nicht in Frage, weil der Stundenplan ohnehin prall gefüllt ist. „Ich würde deswegen aber nicht von dem Studiengang abraten“, sagt Tina Bertelsmann. „Wenn man weiß, was auf einen zukommt, kann man sich darauf einstellen.“
Auch Ann Christin Renner ermuntert zur Nachahmung, kritisiert aber: „Man müßte Interessierte künftig besser beraten und ihnen deutlicher sagen, daß man im Grundstudium auch die ganzen Regelfächer absolvieren muß.“ Barbara Siebum hingegen hat sich ein pragmatisches Motto zu eigen gemacht: „Im Grunde kann man alles lernen, man muß nur genug üben.“
GERHARD GROSSJOHANN
Trotz harter Anforderungen im Grundstudium: Von Resignation ist bei den jungen Frauen im Studiengang Energiewirtschaft an der FH Bielefeld nichts zu spüren.
Professor Bernd Schumacher: Frauen können besser mit Kunden umgehen.

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