Frankreich: Weiterbildung wird staatlich gefördert

Die traditionsreichen Ingenieurhochburgen Saint-Etienne, Paris, Lille, Lyon und Mulhouse sind anerkannte Aus- und Fortbildungsstätten in Frankreich. Der Titel des Ingenieurs ist übrigens geschützt – Zuwiderhandlung kann mit einem Jahr Gefängnis und bis zu 15 000 € Strafe geahndet werden. Es gibt allerdings auch Bezeichnungen, die mit einer Ingenieurausbildung nichts zu tun haben müssen – wie der ingénieur commercial, assistant ingénieur oder ingénieur sanitair. Hauptsache Titel, monsieur! Besonders angesehen in Frankreich sind die Fachbereiche Atomenergie, Flugzeugtechnik und Automobil – Sektoren, denen im Hexagon politisch eine hohe Bedeutung zukommt.

Auf dem zweiten Bildungsweg bieten Universitäten und Grands Ecoles eine Weiterbildung für jene an, die ein Abitur, zwei Jahre Ausbildung und mindestens drei Jahre Berufserfahrung mitbringen. Diese duale Anerkennung beruflicher Fähigkeiten gilt allerdings als anspruchsvoll.

Die Weiterbildung wird seit 2004 systematisch staatlich gefördert und ist rechtlich verbrieft. Jeder Angestellte hat Anspruch auf 20 Stunden jährlich. Die Unternehmen müssen dafür eine Abgabe leisten. Da es in Frankreich keinen übergreifenden Ingenieurverband gibt, entfällt ein zentrales Angebot. Der größte Verband, die Association des Ingénieurs Territaux en France, zählt 4000 Mitglieder. Aber Fachverbände beraten gern bei der Angebotsbildung. Es gibt neben den Hochschulen viele private Anbieter und staatliche Institutionen. Wer als Ingenieur aber in die Top-Etage will, macht meist eine wirtschaftliche Weiterbildung bei einem angesehenen – und teuren – Institut wie Insead in Fontainebleau bei Paris.

Und bis heute gilt im Hexagon: Der Vater aller Ingenieure ist Gustave Eiffel. Dennoch, die Zeit hat seine Ingenieurkunst längst eingeholt: „Frankreich wird das einzige Land sein, dessen Fahne auf einem 300 m hohen Mast weht“, so das Zitat Gustave Eiffels von einst. Heute sieht die Welt anders aus.

 

Von Cordelia Chaton

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