Bildung 22.02.2008, 19:33 Uhr

Faszination Zahl – Formeln neu erleben  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 22. 2. 08, jul – Es geht um Algebra, aber mit der drögen Dreiecksgeometrie alter Schule hat die Anfang der Woche in Berlin eröffnete Wanderausstellung „Imaginary“ so gar nichts gemein. Über die Ästhetik der computerprogrammierten Bilder sollen vor allem Kinder und Jugendliche für die Schönheit der Mathematik begeistert werden. Auch Anwendungsmathematiker aus den Ingenieurdisziplinen können hier ihren Spaß haben und einiges dazulernen.

Das „Dingdong“ ist grün und sieht für die sechsjährige Lotti wie ein freundliches Gespenst aus. Der 15-jährige Paul kann darüber nur schmunzeln. Längst hat er am unteren Rand des Bildes eine geometrische Formel entdeckt: x2 + y2 + z3 -z2 = 0. Das interessiert den Neuntklässler und so versucht er sich auch am herzförmigen „Suess“. Das Lieblingsmotiv seiner kleinen Schwester Lotti ist mit der Formel (x2 + 9/4 y2 + z2 – 1)3 – x2z3 – 9/80 y2z3 = 0 allerdings mathematisch schon etwas anspruchsvoller. Vielleicht gehört es gerade deshalb zu den Favoriten ganz vieler Besucher von „Imaginary“.

Genau so war es von Gert-Martin Greuel auch gedacht. Der Mathematik-Professor für Algebraische Geometrie an der Uni Kaiserslautern ist der Initiator der interaktiven Ausstellung „Imaginary – mit den Augen der Mathematik“, die Anfang der Woche in der Berliner „Urania“ eröffnet wurde. Im Foyer des Veranstaltungshauses in der West-Berliner City werden noch bis zum 6. März mehrere Dutzend Imaginary-Bilder gezeigt und schriftlich erläutert.

Zum aktiven Mitmachen aufgebaut sind interaktive Installationen, an denen mit Hilfe des Programms „Surfer“ algebraische Flächen in Echtzeit berechnet, angezeigt und verändert werden. Außerdem werden die Besucher von mehreren Ausstellungsassistenten permanent dazu eingeladen, auf einem großen Touch-Screen mit dem Finger die polynomialen Gleichungen einzugeben oder abzuändern, Parameter zu verschieben, die Farben der Flächen zu bestimmen und die Figuren nach Belieben zu drehen.

So eine Mitmach-Aufforderung lässt sich kaum ein Besucher entgehen. Der 15-jährige Paul schon gar nicht. Der Gymnasiast hatte als einer der ersten jugendlichen Besucher seinen Spaß daran, ein vom Wiener Mathematik-Professor Herwig Hauser und seinem Team auf der Formelbasis x² = (y² + z²)² entwickeltes Bild mit dem Titel „Diabolo“ leicht zu modifizieren. So tauschte er beispielsweise lediglich z² durch x² aus – schon war ein opernglasähnliches Motiv auf dem Board abgebildet.

Mit dem vierfarbigen Ausdruck seines mathematischen Kunstwerks hat der Gymnasiast Paul inzwischen mehrere Schulfreunde für den Ausstellungsbesuch geworben. Ausstellungsinitiator Gert-Martin Greuel hat deshalb auch keine Zweifel, dass „Imaginary 2008“ bis Jahresende in bundesweit mehr als zehn Städten erlebt werden kann.

Bislang stehen außer Berlin erst München, Stuttgart, Kaiserslautern, Leipzig und Potsdam fest. Aber weitere Orte werden folgen. Da sind sich alle Beteiligten sicher. Immerhin haben bereits am ersten Tag der Marathon-Veranstaltung mehr als 30 Schulklassen eine Voranmeldung abgegeben.

Doch schon die Reaktionen von Lotti und Paul haben Ausstellungs-Initiator Greuel zuversichtlich gestimmt, dass seine Rechnung aufgeht: „Imaginary“ soll als Beitrag zum „Wissenschaftsjahr der Mathematik 2008“ nicht nur insofern ein Erfolg werden, als bei möglichst vielen jungen Leuten Appetit auf ein Mathematikstudium auslöst wird. Der Kaiserslauterer Mathematik-Professor ist viel zu sehr Kommunikator, um die Imaginary-Ausstellung nicht auch als Gelegenheit zum Gedankenaustausch unter „Mathemanen“ und mathematisch Interessierten zu benutzen.

Schließlich leitet Greuel seit dem Jahr 2002 das Mathematische Forschungsinstitut Oberwolfach (MFO) – eine der weltweit exklusivsten Tagungsstätten und Ideenschmieden der algebraischen Mathematik. Zu den einwöchigen Seminaren mitten im tiefsten Schwarzwald kann man sich nicht anmelden. Man wird eingeladen – oder nicht.

Die Mathematiker, die Oberwolfach-Direktor Greuel für die Imaginary-Ausstellung mit ins Boot geholt hat, gehören deshalb zur Avantgarde ihrer Disziplin. Das ist neben dem Wiener Mathematiker Herwig Hauser z. B. auch der Berliner Geometrie-Professor Ulrich Pinkall, der sich mit dem interaktiven Programm jreality an der Ausstellung beteiligt: eine virtuelle mathematische Welt, in der sich die Besucher selbst frei bewegen können, etwa auf Flächen klettern oder auch herunterfallen. Virtuell.

Das macht auch gestandenen Anwendungsmathematikern aus der Ingenieurzunft großen Spaß. Sicherlich mehr auf jeden Fall, als eine Formel aufzudröseln wie beispielsweise Chmutov Oktik aus den Mathematiklabors der Uni Saarbrücken: x8+y8+z8-2×6-2y6-2z6+1.25*x4+1.25*y4+1.25*z4-0.25*x2-0.25*y2-0.25*z2+0.03125=0. Noch Fragen? R.-C. HENKEL

 

Das Programm „Surfer“, mit dem man selbst Bilder von algebraischen Flächen erzeugen kann, steht unter www.imaginary2008.de/surfer zum kostenlosen Download im Netz.

 

Ein Beitrag von:

  • Regina Henkel

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